Eine Untersuchung an 21 texanischen Lebensmittelgeschäften ergab, dass über 80 Prozent der dort verkauften Kleinkindnahrung als hochverarbeitet eingestuft werden. Fast die Hälfte aller analysierten Produkte unterschreitet mindestens einen Nährwertstandard der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wie eine Studie der University of Texas at Austin belegt.
Die Ergebnisse einer Analyse von 2.783 Produkten für Kinder im Alter von 6 bis 36 Monaten zeigen eine massive Präsenz von ultra-prozessierten Lebensmitteln in den Regalen. Laut einer Untersuchung der University of Texas at Austin wurden 81 Prozent der untersuchten Produkte gemäß dem Nova-Klassifizierungssystem als ultra-prozessiert eingestuft. Die Studie wurde von Erin A. Hudson, einer Graduate Student und Science Policy Fellow der American Society for Nutrition, gemeinsam mit Marissa Burgermaster, einer Assistenzprofessorin für Ernährungswissenschaften, durchgeführt.
WHO-Nährwertstandards und kritische Grenzwerte
Die Forscher stellten fest, dass 49 Prozent aller analysierten Produkte mindestens einen Nährwertstandard des World Health Organization Nutrition and Promotion Profile Model nicht erfüllten. Die Verstöße verteilen sich auf verschiedene Kategorien: 25 Prozent der Produkte überschritten die Grenzwerte für Natrium, 17 Prozent für Zucker, 12 Prozent für die Energiedichte und 11 Prozent für den Fettgehalt, berichtet Utexas.
Besonders kritisch bewerten die Wissenschaftler die Kombination aus hoher Verarbeitung und geringem Nährwert. Während ein hoher Fett- oder Kaloriengehalt bei weniger verarbeiteten Produkten oft auf nährstoffreiche Zutaten wie Rindfleisch oder Erdnüsse zurückzuführen ist, weisen ultra-prozessierte Kleinkindnahrungsmittel häufig hohe Zuckermengen ohne zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen auf.
Problematische Produktgruppen in texanischen Supermärkten
Die Studie benennt konkrete Beispiele für Lebensmittel, welche die Empfehlungen der WHO überschreiten.
- Fruchtbeutel: Hoher Zuckergehalt
- Haferriegel: Hoher Zucker- und Kaloriengehalt
- Mac and Cheese sowie Truthahn-Sticks: Hoher Natrium- und Fettgehalt
- Käse-Puffs: Hoher Kaloriengehalt
- Erdnussbutter-Puffs: Hoher Natrium-, Fett- und Kaloriengehalt
Aus der Stichprobe wurden Säuglingsnahrung, Getränke und Pürees, die üblicherweise als erste Beikost eingeführt werden, ausgeschlossen.
Präventionsrisiken und die Rolle der FDA
Die Ernährung in den Kleinkindjahren prägt Geschmackspräferenzen und Essgewohnheiten, die bis ins Kindesalter anhalten und die langfristige Gesundheit beeinflussen können. Insbesondere eine hohe Zuckerzufuhr wird als gesundheitsschädlich für junge Kinder eingestuft. Die Studie belegt, dass ultra-prozessierte Produkte signifikant häufiger hohe Zuckermengen enthalten als weniger verarbeitete Alternativen.
Viele Eltern gehen möglicherweise davon aus, dass Produkte, die in den Baby-/Kleinkindabteilungen ihrer Lebensmittelgeschäfte verkauft werden, bestimmte Nährwertstandards erfüllen müssen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Hälfte der in lokalen Lebensmittelgeschäften erhältlichen Kleinkindnahrung dies nicht tut. Erin A. Hudson, Graduate Student an der University of Texas at Austin
Die Ergebnisse fallen in eine Zeit, in der die U.S. Food and Drug Administration (FDA) neue Richtlinien für Nährwertkennzeichnungen auf der Vorderseite von Verpackungen, gesundheitsbezogene Angaben und das Marketing von Lebensmitteln für Kinder prüft. Derzeit gibt es in den Vereinigten Staaten keine gesetzliche Pflicht für Warnhinweise auf Produkten, die hohe Mengen an Zucker, Natrium oder Kalorien enthalten.
Forderungen nach Warnkennzeichnungen
Auf der Jahresversammlung NUTRITION 2026 der American Society for Nutrition in National Harbor, Maryland, plädierte Hudson für eine transparentere Kennzeichnung. Warnhinweise für Produkte, die Nährwertschwellen überschreiten, könnten Eltern helfen, das Angebot in den Supermärkten besser zu bewerten und Hersteller dazu bewegen, ihre Rezepturen zu überarbeiten.
Infolgedessen müssen Eltern wachsam sein und Etiketten und Zutaten prüfen, um den Nährwert und den Verarbeitungsgrad der Produkte für ihre Kleinkinder zu bestimmen. Erin A. Hudson, Graduate Student an der University of Texas at Austin
Die Forscher räumten ein, dass ihre Methodik ausschließlich auf verpackte Produkte in Supermärkten fokussiert war und nicht zwangsläufig das gesamte Spektrum dessen abbildet, was Eltern ihren Kindern tatsächlich zu essen geben.