Der von Donald Trump unterstützte Generalstaatsanwalt Ken Paxton besiegte am Dienstag, den 26. Mai 2026, den amtierenden Senator John Cornyn in der republikanischen Stichwahl in Texas. Dieser Sieg markiert den Triumph des MAGA-Flügels über die Parteietablierung und macht Paxton zum republikanischen Nominierten für den US-Senat in einer der teuersten Vorwahlen der Geschichte.
Der Sturz von John Cornyn und die Kosten der Insurgenz
John Cornyn, ein 74-jähriger Veteran der texanischen Politik und einst ein potenzieller Anwärter auf den Posten des Mehrheitsführers im Senat, ist aus seinem eigenen Haus vertrieben worden. Die Niederlage gegen den 63-jährigen Ken Paxton ist nicht nur ein persönlicher Rückschlag für Cornyn, sondern ein Symptom für die tiefe Spaltung innerhalb der Republikanischen Partei. Laut einem Bericht von NPR investierten die Republikaner insgesamt 100 Millionen US-Dollar in diesen Kampf, was ihn zur teuersten Senats-Vorwahl in der Geschichte der USA macht.


Cornyn galt als Säule des establishment-orientierten Flügels der Partei. Doch genau diese Position wurde ihm zum Verhängnis. Seine Gegner warfen ihm vor, zu alt, zu zaghaft und zu sehr mit der politischen Elite in Washington verflochten zu sein. Insbesondere seine Zusammenarbeit mit Demokraten bei einer bipartisanen Waffengesetzgebung nach dem Schulmassaker in Uvalde im Jahr 2022 wurde von der MAGA-Basis als Verrat gewertet.
„Nach einer öffentlichen Karriere von mehr als vier Jahrzehnten und 18 aufeinanderfolgenden Wahlsiegen sind wir heute Abend in dieser Stichwahl gescheitert. Ich habe das Ticket der Republikaner immer unterstützt.
John Cornyn, abtretender Senator
Cornyn selbst räumte ein, dass dieser Kampf einen Riss in der vermeintlich stabilen „roten Mauer“ des konservativen Bundesstaates offengelegt habe. Seine Unterstützer äußerten die Sorge, dass eine Nominierung Paxtons Wähler in der Generalwahl abschrecken könnte.
Der Trump-Effekt und die MAGA-Loyalität
Der entscheidende Wendepunkt im Rennen war die Unterstützung durch Donald Trump. Während Cornyn versuchte, seine Position durch Erfahrung zu rechtfertigen, setzte Paxton auf die maximale Ausrichtung an der populistischen Basis. Die Endorsement-Strategie von Trump erwies sich als chirurgisch präzise: Die Unterstützung kam letzte Woche, während die vorzeitige Stimmabgabe bereits lief, und gab den Paxton-Anhängern den nötigen energetischen Schub.
Wie die BBC berichtet, positionierte sich Paxton als das exakte Gegenbild zu Cornyn – unnachgiebig, konfrontativ und absolut loyal gegenüber Trump. Diese Loyalität ist in Texas die wichtigste politische Währung geworden. Paxton machte keinen Hehl aus seiner Bewunderung für den ehemaligen Präsidenten.
„Wann immer ich in seiner Nähe bin, passieren gute Dinge. Gute Dinge passieren mir und gute Dinge passieren für Texas.
Ken Paxton, Generalstaatsanwalt von Texas
Paxton hat sich über Jahre hinweg als nationaler Anführer der extremen Rechten profiliert. Er leitete einige der ersten strafrechtlichen Ermittlungen in den USA zu Abtreibungsverboten und geschlechtsangleichenden Behandlungen für Jugendliche ein. Zudem führte er eine Klage an, die den Wahlsieg von Joe Biden im Jahr 2020 rückgängig machen sollte, was jedoch vom Obersten Gerichtshof abgelehnt wurde.
Rechtliche Altlasten und das Narrativ des Kämpfers
Objektiv betrachtet bringt Ken Paxton ein politisches Gepäck mit, das in fast jedem anderen politischen Kontext eine Karriere beendet hätte. Er wurde 2023 nach Korruptionsvorwürfen durch das Repräsentantenhaus von Texas impeachiert, obwohl er später im Senat des Bundesstaates freigesprochen wurde. Zudem sah er sich Vorwürfen des schweren Wertpapierbetrugs gegenüber, die jedoch nach einer Vereinbarung zur vorgerichtlichen Ablenkung im Jahr 2024 fallen gelassen wurden.

Auch sein Privatleben ist von Turbulenzen gezeichnet. Seine Ehefrau, die staatliche Senatorin Angela Paxton, reichte im vergangenen Sommer die Scheidung ein. Laut The Guardian geschah dies „aus biblischen Gründen“, wobei Ehebruch angeführt wurde.
Interessanterweise haben diese Skandale Paxton bei seiner Basis nicht geschadet, sondern ihn gestärkt. Seine Anhänger interpretieren die juristischen Kämpfe nicht als Zeichen von Fehlverhalten, sondern als Beweis dafür, dass er – genau wie Donald Trump – ein Kämpfer ist, der von einem „Deep State“ verfolgt wird.
„Paxton war Donald Trump, bevor Donald Trump es war.
Brandon Rottinghaus, Professor für Politikwissenschaft an der University of Houston
Die Generalwahl: James Talarico und die Chance der Demokraten
Mit Paxtons Sieg steht nun ein hochbrisantes Duell im November bevor. Sein Gegner ist James Talarico, ein demokratischer Pastor und staatlicher Abgeordneter, der eine Botschaft des Friedens und des Populismus vertritt. Die Demokraten sehen in der tiefen Spaltung der Republikaner eine historische Chance.
Die statistische Hürde für Talarico ist dennoch gewaltig. Texas bleibt ein tiefroter Staat; Donald Trump gewann hier im Jahr 2024 mit einem Vorsprung von 14 Prozentpunkten. Zudem wurde seit 1994 kein Demokrat mehr in einem landesweiten Amt in Texas gewählt. Sollte Talarico dennoch gewinnen, wäre dies ein politisches Erdbeben.
Die Strategie der Demokraten, wie sie unter anderem in der Washington Post diskutiert wird, setzt auf eine „blaue Welle“, die durch eine Gegenreaktion auf die Politik der Trump-Administration, steigende Preise und den Krieg im Iran befeuert wird.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die MAGA-Loyalität in Texas ausreicht, um einen Kandidaten mit Paxtons rechtlichem Profil über die Ziellinie zu bringen, oder ob die Polarisierung innerhalb der GOP den Weg für den ersten demokratischen landesweiten Sieg seit über drei Jahrzehnten ebnet.