Das Unternehmen Tesvolt expandiert seinen Standort in Wittenberg durch den Bau eines neuen Batterieparks in Apollensdorf und einer Gigafactory.
In Wittenberg entstehen zwei massive Infrastrukturprojekte, die die Rolle der Stadt als Zentrum für Energiespeicherung festigen sollen. Während eine neue Produktionsstätte die Fertigung von Speichersystemen vervielfacht, dient ein geplanter Batteriepark in Apollensdorf primär dem wirtschaftlichen Ausgleich von Energieüberschüssen im Stromnetz.
Batteriepark Apollensdorf: 35 Millionen Euro für den Stromhandel
Für den Ortsteil Apollensdorf plant Tesvolt einen Großspeicher, dessen Investitionsvolumen bei rund 35 Millionen Euro liegt. Die Anlage soll eine Kapazität von 190 Megawattstunden erreichen und damit die bisher größte Anlage des Unternehmens in Worms, die über 65 Megawattstunden verfügt, deutlich übertreffen.

Das Projekt umfasst 36 Großspeicher mit einer Gesamtleistung von 60 Megawatt auf einem Gelände von mehr als 20.000 Quadratmetern. Die technische Anbindung erfolgt über eine bestehende Hochspannungsleitung, ergänzt durch ein neues Umspannwerk und eine Schallschutzwand. Laut Berichten von MDR soll die Anlage vor allem für den Stromhandel genutzt werden: Energie wird bei niedrigen Preisen gespeichert und später gewinnbringend verkauft.
Die Baugenehmigung wurde bereits Anfang der Woche erteilt. Der Betriebsstart ist für März 2028 geplant, wobei Finanzierung und Betrieb durch einen Investor erfolgen sollen.
Die Gigafactory: Produktionssteigerung auf 80.000 Systeme
Parallel zum Batteriepark investiert Tesvolt etwa 60 Millionen Euro in eine neue Gigafactory und ein Forschungs- und Entwicklungszentrum am Stammsitz in der Lutherstadt Wittenberg. Ziel ist es, die heutige Produktionsleistung zu verzehnfachen und künftig bis zu 80.000 Speichersysteme pro Jahr herzustellen.

Die Anlage wird eine jährliche Produktionskapazität von 4 Gigawattstunden aufweisen und damit zu einer der größten Anlagen für gewerbliche stationäre Batteriespeichersysteme in Europa gehören. Die Fertigung erfolgt auf zwei Etagen mit einer Fläche von fast 6.000 Quadratmetern, unterstützt durch eine Roboter-Fertigungslinie und ein vollautomatisiertes Hochregallager, das die Lagerkapazität vervierfachen soll.
Neben der Produktion setzt das Unternehmen auf eine CO2-neutrale Fertigung durch Photovoltaik-Anlagen und Kleinwindkraftanlagen am Gebäude. Für die Wärmeversorgung kommen Luftwärmepumpen und Wärmerückgewinnung zum Einsatz, während überschüssiger Strom in werkseigenen Speichern gesammelt wird.
Forschungszentrum und wirtschaftliche Auswirkungen
Ein zentraler Bestandteil der Erweiterung ist das neue Forschungs- und Entwicklungsgebäude. Es bietet auf drei Etagen Arbeitsplätze, ein Besucherzentrum mit Showroom, zwei Hörsäle mit Videostudio sowie einen Schulungsbereich für Installateure. Eine 64 Meter lange gläserne Fußgängerbrücke wird das F&E-Gebäude direkt mit dem Werk verbinden.
Zudem rechnet das Unternehmen mit einer Förderfähigkeit von bis zu 12 Millionen Euro durch die Investitionsbank Sachsen-Anhalt.
| Projekt | Investitionsvolumen | Kapazität / Ziel | Zeitplan / Status |
|---|---|---|---|
| Batteriepark Apollensdorf | ca. 35 Mio. Euro | 190 MWh / 60 MW | Inbetriebnahme März 2028 |
| Gigafactory Wittenberg | ca. 60 Mio. Euro | 80.000 Systeme p.a. | Bau bis 2024 geplant |
Die strategische Bedeutung dieser Projekte liegt in der Stabilisierung der Energiewende. Da der Bedarf an Batteriespeichern in Sachsen-Anhalt deutlich steigt, dienen diese Anlagen als Puffer für Strom aus Sonne und Wind. Während die Gigafactory die Hardware liefert, demonstriert der Park in Apollensdorf die kommerzielle Anwendung im Strommarkt.
