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Israel Besetzt 600 Quadratkilometer im Südlibanon und Zerstört Dörfer

Die israelischen Verteidigungskräfte (IDF) kontrollieren derzeit ein Gebiet von etwa 600 Quadratkilometern im Südlibanon, in dem sie mindestens sieben neue Militärstützpunkte errichtet und zahlreiche Dörfer vollständig zerstört haben. Trotz eines Ende Juni unterzeichneten, US-vermittelten Abkommens zur Beendigung des Konflikts setzen sich die Kämpfe und Evakuierungsaufforderungen in der Grenzregion fort.

Die israelische Armee vertieft ihre Präsenz im Süden des Libanons durch massive Infrastrukturmaßnahmen. Satellitenbilder und Berichte vor Ort belegen, dass die IDF eine Fläche von etwa 600 Quadratkilometern besetzt, die an einigen Stellen bis zu 12 Kilometer in libanesisches Territorium reicht. In diesem Gebiet wurden bereits dutzende Kilometer logistischer Straßen angelegt, wobei auch zivile Bauunternehmen mit gepanzerten Bulldozern und Walzen eingesetzt werden, berichtet Haaretz.

Die Strategie der verbrannten Erde in Khiam und Maroun al-Ras

In den besetzten Gebieten verfolgt die israelische Armee eine systematische Zerstörung ziviler Infrastruktur. In der Stadt Khiam, fünf Kilometer nördlich der Grenze, errichtete die IDF eine neue Basis auf dem Gelände des ehemaligen Khiam-Gefängnisses. Satellitenaufnahmen aus dem Juni und Juli 2026 zeigen dort Erdwälle, Gräben und Schutznetze gegen Drohnen. Gleichzeitig wurde die überwältigende Mehrheit der Gebäude in Khiam zerstört, wo vor der Wiederaufnahme der Kämpfe im März etwa 20.000 Menschen lebten, so Haaretz.

Ähnliche Muster zeigen sich im Dorf Maroun al-Ras, etwa zwei Kilometer von der Grenze entfernt, wo ebenfalls die meisten Gebäude dem Erdboden gleichgemacht wurden. Diese Maßnahmen decken sich mit Aussagen des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz, der auf einer Konferenz bestätigte, dass Israel 24 schiitische Dörfer im Südlibanon vollständig zerstört habe.

Wir haben alle Gebäude zerstört, nicht Haus für Haus, keine Diskriminierung. Alle diese Dörfer wurden vollständig zerstört, 15.000 bis 20.000 Häuser. Israel Katz, israelischer Verteidigungsminister, via Haaretz

Ein hochrangiger Verteidigungsbeamter räumte gegenüber Haaretz bereits im April ein, dass Israel in der Region eine Mentalität der verbrannten Erde schaffen wolle. Im Juni prognostizierte Minister Katz zudem, dass 200.000 Libanesen nicht in ihre Heimat zurückkehren würden.

Das US-vermittelte Abkommen und die „Pilotzonen“

Ende Juni unterzeichneten Israel und der Libanon ein von den USA vermitteltes Abkommen, das die Souveränität beider Länder sichern und den Konflikt beenden soll. Ein zentraler Punkt ist die Wiederherstellung der staatlichen Autorität des Libanon in dem Gebiet, sofern die Entwaffnung der Hisbollah und der Abbau ihrer Infrastruktur verifiziert sind. Die Umsetzung sieht die Einrichtung von zwei sogenannten „Pilotzonen“ in südlibanesischen Dörfern vor, in denen die IDF die Kontrolle an die libanesische Armee übergeben soll, nachdem diese von Hisbollah-Präsenz gereinigt wurden.”

Israel Besetzt 600 Quadratkilometer im Südlibanon und Zerstört Dörfer
Photo: welt.de

Trotz dieser diplomatischen Bemühungen bleibt die Lage volatil. Der libanesische Premierminister Nawaf Salam besuchte kürzlich das zerstörte Dorf Zawtar Al Gharbieh und betonte, dass das Ziel ein vollständiger israelischer Rückzug aus dem gesamten Territorium bleibe. Währenddessen forderte der libanesische Präsident Joseph Aoun einen vollständigen Abzug der israelischen Truppen als unumstößliche Forderung.

Fortgesetzte Kämpfe und Evakuierungsbefehle trotz Waffenruhe

Obwohl seit dem 17. April eine Feuerpause gilt, berichtet die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA von wiederholten israelischen Angriffen. Die IDF hat neue Evakuierungsaufforderungen für mehr als zehn Dörfer und Städte im Süden des Libanons herausgegeben, darunter viele in der Region Nabatäa. Die Bewohner wurden angewiesen, ihre Häuser sofort zu verlassen und sich mindestens 1.000 Meter von ihren Wohnorten auf offene Flächen zu begeben.

Israel Besetzt 600 Quadratkilometer im Südlibanon und Zerstört Dörfer
Photo: tagesschau.de

Die israelische Führung rechtfertigt diese Operationen mit Verletzungen des Waffenruhens durch die Hisbollah. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete die Situation als Krieg mit der Hisbollah und kündigte an, die Angriffe zu verstärken.

Israel Besetzt 600 Quadratkilometer im Südlibanon und Zerstört Dörfer
Photo: Haaretz

Benjamin Netanjahu, israelischer Ministerpräsident, erklärte via tagesschau.de, dass man nicht vom Gas gehe, sondern im Gegenteil noch stärker darauf drücken solle, um den Gegner hart zu treffen.

Die Hisbollah wiederum lehnt die Entwaffnungsforderungen ab. Ihr Generalsekretär Naim Kassim erklärte in einer Fernsehrede, dass die Miliz ihre Waffen so lange behalten werde, bis der libanesische Staat in der Lage sei, das Volk und die Ressourcen des Landes zu schützen. Er forderte zudem den Sturz der libanesischen Regierung, die er als amerikanisch-israelisches Projekt bezeichnete.

Strategische Positionen und territoriale Diskrepanzen

Neben den neuen Stützpunkten hat die IDF die Kontrolle über strategische Positionen übernommen, darunter das Beaufort-Schloss, eine Kreuzritterfestung etwa 10 Kilometer von der Grenze entfernt, sowie den Christofani-Kamm. Verteidigungsminister Katz betonte, dass Israel sich aus Beaufort nicht zurückziehen werde.

Israeli forces capture medieval castle as incursion into Lebanon deepens | ABC NEWS

Es gibt jedoch unterschiedliche Angaben über das tatsächliche Ausmaß der besetzten Gebiete.

AspektDetails der Besatzung / Maßnahmen
Fläche602 km² (Haaretz) bis 700 km² (Min. Katz)
InfrastrukturMindestens 7 neue Basen, 32 km Logistikstraßen
Zerstörung24 Dörfer komplett vernichtet, 15.000–20.000 Häuser
Strategische PunkteBeaufort-Schloss, Christofani-Kamm

Die Situation bleibt hochgefährlich, da die Hisbollah das Abkommen zwar nicht militärisch sabotiert, aber diplomatisch ablehnt. In den USA prüft Präsident Donald Trump einen vom Iran übermittelten Plan zum Ende des Krieges, äußerte sich jedoch skeptisch darüber, ob dieser akzeptabel sein werde. Die libanesische Armee ist derzeit mit der Räumung von Blindgängern in den betroffenen Dörfern beschäftigt, während Bewohner verzweifelt versuchen, zu ihren Häusern zurückzukehren.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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