Die Schweizerin Marlen Reusser hat am 4. August 2026 das Einzelzeitfahren der Tour de France Femmes auf der Strecke von Gevrey-Chambertin nach Dijon gewonnen. Mit einer Zeit von 27:30 Minuten sicherte sich die Weltmeisterin in dieser Disziplin damit erstmals in ihrer Karriere das Gelbe Trikot und übernahm die Gesamtführung mit einem Vorsprung von 14 Sekunden auf Demi Vollering. Es war ihr fünfter Saisonsieg und ihr dritter Etappensieg bei einer Tour de France.
Es war ein Erfolg, der bis ins Detail geplant war. Die 34-jährige Reusser vom Team Movistar realisierte mit dem Etappensieg in Dijon ihr sogenanntes „Projekt Dijon“. Bereits seit Weihnachten habe sie das Ziel verfolgt, genau an diesem vierten Tour-Tag in der Stadt des Senfs das Gelbe Trikot zu übernehmen, berichtete srf.ch. Die farbliche Analogie zwischen dem berühmten Dijon-Senf und dem Maillot Jaune diente dabei als mentaler Antrieb. Reusser erklärte: „Wir haben immer gesagt, dass es unser ‘Projekt Dijon‘ werden würde: Gelb wie der Senf. Man weiß vorher nicht, ob es klappen, aber weil es jetzt doch geklappt hat, bin ich superhappy“.’””
Die Bernerin betonte zudem die Bedeutung des Zeitpunkts und des Ortes. Sie wusste, dass die Rundfahrt am vergangenen Samstag in der Schweiz begonnen hatte und dass sie am Nationalfeiertag in Lausanne losgehen würde. „Diese Tour war schon lange mein Ziel, ergänzte sie.
Die Entscheidung in Dijon: Zeiten und Platzierungen
Auf dem 21 Kilometer langen Parcours setzte sich Reusser vor der Niederländerin Lieke Nooijen (Visma – Lease a Bike) durch, die mit nur vier Sekunden Vorsprung überraschend den zweiten Platz belegte. Demi Vollering (FDJ United – FDJ) folgte mit 18 Sekunden Rückstand auf dem dritten Rang. Die Britin Zoe Bäckstedt (Canyon – SRAM – We Femmes) sicherte sich mit 20 Sekunden Verzug den vierten Platz, noch vor Mischa Bredewold (SD Worx – Protime).
Bei großer Hitze nahmen insgesamt 138 Fahrerinnen das Einzelzeitfahren in Angriff. Die Strecke wies einen Anstieg zur Rennmitte auf, an dessen Ende nach 9,7 Kilometern in Lacets de Marsannay die Zwischenzeit genommen wurde. Ein erstes Statement gab die belgische Meisterin Lotte Claes (Fenix – Premier Tech) ab, die nach einer Zwischenbestzeit von 28:25 Minuten im Ziel gestoppt wurde und damit die Marke ihrer Landfrau Sandrine Tas (Lotto – Intermarché) um 24 Sekunden unterbot.
Die Bedingungen waren für viele Fahrerinnen eine Herausforderung. Reusser gab zu, dass das Rennen nicht perfekt verlaufen sei, da sie in der zweiten Hälfte Probleme mit dem Fahrrad und wechselnden Windverhältnissen hatte, die von der Besichtigung abwichen. „Ich bin super superhappy. Das war heute unser Plan, den wir schon lange hatten. Das ist die erste Tour de France, die ich als Jahresziel für mich sah. Ich habe mich darauf vorbereitet und bin als Leader hier, kommentierte die 34-Jährige ihren Sieg.
Während Reusser triumphierte, war die französische Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) die große Verliererin des Tages. Sie belegte lediglich den 34. Platz und büßte 2:13 Minuten ein, was sie laut Radsport News zur Verliererin der Etappe machte.
Auswirkungen auf das Gesamtklassement und die Trikots
Durch den Sieg übernimmt Reusser die Führung in der Gesamtwertung. Sie führt nun mit 14 Sekunden Vorsprung vor Demi Vollering. Die 29-jährige Vollering zeigte sich im Ziel gegenüber RSN glücklich darüber, so nah an Reusser geblieben zu sein, da sie mental darauf vorbereitet war, auf Spezialistinnen mit „großer PowerZeit zu verlieren.
Die bisherige Führende, die Norwegerin Sigrid Haugset (Uno-X Mobility), stürzte auf den vierten Platz zurück (+0:56), nachdem sie gegenüber Reusser gut drei Minuten verlor, wie nau.ch berichtete.

| Rang | Fahrerin | Zeitrückstand/Vorsprung |
|---|---|---|
| 1 | Marlen Reusser | Leaderin |
| 2 | Demi Vollering | +14 Sekunden |
| 3 | Cédrine Kerbaol | +54 Sekunden |
| 4 | Sigrid Haugset | +56 Sekunden |
Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly) rückte als beste Französin der Etappe (Tagessiebte) auf den dritten Platz im Gesamtranking vor. Dahinter folgen die Italienerin Elisa Longo Borghini (UEA – Team L’Imad / +1:03) und die Polin Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM – We Femmes / +1:09) als weitere Podiumskandidatinnen.
In den weiteren Wertungen: Puck Pieterse (Fenix – PremierTech) behält das Bergtrikot, während Lorena Wiebes (SD Worx – Protime) weiterhin die Punktewertung anführt. SD Worx-Protime verteidigte zudem die Führung in der Gesamtwertung. Paula Blasi (UAE – L`Imad) baute als Zeitfahrelfte ihre Führung im Kampf um das Weiße Trikot gegenüber Antonia Niedermaier auf 31 Sekunden aus. Blasi ist nun Gesamtsiebte (+1:12).
Deutsche Ergebnisse und taktische Ansätze
Für die deutschen Teilnehmerinnen verlief die Etappe unterschiedlich. Die Deutsche Zeitfahrmeisterin Franziska Koch (FDJ United – FDJ) belegte Rang 20 mit einem Rückstand von 1:28 Minuten. Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM – We Femmes), die bereits Gesamtzweite der Giro war, folgte vier Positionen dahinter. Niedermaier erklärte gegenüber der ARD, dass ihr das Pacing aufgrund von Rückenwind und Abfahrten schwierig gefallen sei, obwohl ihr der Berg sehr gut gefallen habe.
Niedermaier beendete das Zeitfahren mit einem Rückstand von 1:36 Minuten auf Reusser und rückte damit auf den neunten Platz der Gesamtwertung vor (+1:43), womit sie die beste der sechs deutschen Teilnehmerinnen ist.
Ausblick auf die kommenden Etappen
Reusser sieht gute Chancen, das Gelbe Trikot in den nächsten zwei Tagen zu verteidigen, da die Strecke über hügeliges Terrain führt. Ab Freitag folgt der entscheidende Wechsel in die Alpen, wo die Schweizerin laut srf.ch deutliche Fortschritte gemacht hat.
Die Tour de France Femmes wird am Mittwoch mit der fünften Etappe von Mâcon nach Belleville-en-Beaujolais fortgesetzt.
