Die US-Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen den ehemaligen Olympiateilnehmer David Hearn eingestellt, dem Vandalismus am renovierten Reflecting Pool in Washington vorgeworfen wurde.
Ein Fall von mutmaßlichem Vandalismus hat sich in eine politische Posse verwandelt. Im Zentrum steht David Hearn, ein 67-jähriger dreifacher US-Olympiateilnehmer im Kanuslalom, der im Juni während einer Radtour am Reflecting Pool in Washington angehalten hatte. Als er ein Stück der abblätternden blauen Farbe in die Hand nahm, griff die Parkpolizei ein. Hearn wurde festgenommen und später wegen schwerer Sachbeschädigung angeklagt, was ihm bis zu zehn Jahre Haft hätte einbringen können.
Baupfusch statt Vandalismus: Die Wende der Staatsanwaltschaft
Die Anklagebehörde vollzog eine radikale Kehrtwende. Staatsanwältin Jeanine Pirro, die Hearn ursprünglich als jemanden bezeichnete, der vorsätzlich Eigentum zerstört hat
, stellte das Verfahren am vergangenen Freitag ein. Laut einem 20-seitigen Dokument untergraben neue Erkenntnisse die Beweisgrundlage für die Anklage.
Die entscheidenden Beweise stammten vom US-Innenministerium. Dokumente belegen, dass die Schäden die Folge einer fehlerhaften Installation durch den Auftragnehmer Atlantic Industrial Coatings waren. Die Beschichtung löste sich großflächig im gesamten Becken ab, sogar in Bereichen der Mitte, in denen ein Vandalen-Angriff unwahrscheinlich wäre, berichtet Sueddeutsche. Zudem führte die extreme Eile bei der Fertigstellung zu Mängeln, da das Projekt rechtzeitig vor den Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der USA im Jahr 2026 fertiggestellt werden sollte.
Die 14-Millionen-Dollar-Renovierung und die Algenplage
Die Renovierung des Spiegelbeckens, das das Lincoln-Denkmal und den Obelisken für George Washington spiegelt, war von Beginn an problematisch. Donald Trump hatte versprochen, das Wasser so blau wie die amerikanische Flagge zu machen. Für die Umsetzung wurde eine Firma beauftragt, die mit Trump befreundet ist; eine öffentliche Ausschreibung gab es nicht, berichtet WELT.
Die Kosten für das Projekt werden unterschiedlich angegeben: Während WELT von rund 14 Millionen Dollar spricht, nennt Spiegel eine Summe von 14,7 Millionen Dollar, und Sueddeutsche beziffert die Kosten auf gut 13 Millionen Dollar. Trotz dieser Summen kam es zu massiven Mängeln. Neben der abblätternden Farbe wurde das Becken nach der Wiedereröffnung von Algen befallen. Um diese zu bekämpfen, setzten öffentliche Bedienstete Chemikalien ein, was laut Experten dazu führen kann, dass sich der Bodenbelag weiter ablöst.
Donald Trumps Reaktion: Festhalten an der Vandalismus-These
Trotz der Einstellung des Verfahrens und der Beweise für Baufehler weigert sich Donald Trump, die Verantwortung für die missglückte Reparatur zu übernehmen. Über seinen Dienst Truth Social griff er die Entscheidung von Staatsanwältin Pirro an und erklärte, er sei zu 100 Prozent anderer Meinung
.

Der Präsident bezeichnete die Verantwortlichen zuvor als radikal-linke Verrückte
, um von den Fehlern der beauftragten Unternehmer abzulenken.
Rechtliche Folgen und Forderungen nach Entschuldigung
Für David Hearn endete der Fall zwar ohne Verurteilung, doch seine Verteidiger, darunter Norm Eisen vom Democracy Defenders Fund, kritisieren die ursprüngliche Anklage scharf. Eisen warf Trump vor, unschuldige Bürger als Sündenböcke
für Pfusch am Bau zu benutzen. Die Anwälte betonten, dass der Fall niemals vor Gericht hätte kommen dürfen und die Einstellung des Verfahrens den Missbrauch staatlicher Macht
bei der Festnahme nicht ungeschehen mache.
Die Verteidigung fordert nun eine offizielle Entschuldigung der Regierung Trump gegenüber ihrem Mandanten. Dass dieselbe Firma, die die ursprünglichen Fehler verursachte, nun auch den Auftrag zur Ausbesserung der Schäden erhalten soll, unterstreicht die Kontroversen um die Vergabe dieses Projekts.