Kroatien: Leere Strände und Preissenkungen im Sommer 2026
In Kroatien sind im Sommer 2026 aufgrund von Wucherpreisen immer mehr Strände menschenleer. Laut Berichten sind freie Liegen, kurzfristige Stornierungen und Preissenkungen bei Unterkünften häufig zu beobachten. Besonders in Orten wie Makarska zeigen Videos auf TikTok nahezu leere Sonnenliegenreihen, wobei Nutzer die Preise als mögliche Hauptursache nennen. Ein Kommentator berichtete, dass ein vierköpfige Familie für eine vier Tage dauernde Unterkunft in Kroatien bereits über 3.800 Euro zahlen müsse, wobei Flug und Anreise nicht eingerechnet seien.
Preisanstieg und Euro-Einführung: Ursachen für den Rückgang
Seit 2015 sind die Preise in kroatischen Hotels und Restaurants um rund 70 Prozent gestiegen. Die Kroatische Nationalbank prognostizierte für 2026 eine weitere Teuerungsrate von 3,4 Prozent. Lukáš Kovanda, Chefvolkswirt der tschechischen Trinity Bank, sieht einen zentralen Faktor in der Euro-Einführung 2023. Reisende können nun Preise direkt mit anderen Euroländern vergleichen, was nach seiner Einschätzung teilweise zu Kroatiens Ungunsten ausfällt. Ein vergleichbarer Urlaub in Spanien inklusive Flug koste etwa 2.700 Euro, deutlich weniger als die bloße Unterkunft in Kroatien. Solche Preisvergleiche könnten Urlauber in andere Mittelmeerländer wie Griechenland, Spanien oder die Türkei lenken.
Rückgang der deutschen Touristen und verändertes Buchungsverhalten
Deutsche Urlauber spielten historisch eine zentrale Rolle für Kroatiens Tourismus. 2025 verzeichnete das Land in kommerziellen Unterkünften einen Rückgang von 30.913 deutschen Ankünften. Obwohl der deutsche Markt von Januar bis Mai 2026 wieder zulegte, sanken die Touristenzahlen in Split im Juni 2026 um 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, die Übernachtungen um rund vier Prozent. Gleichzeitig hat sich das Buchungsverhalten verändert: Immer mehr Reisende verzichten auf frühe Buchungen und warten auf Last-Minute-Angebote, was Unterkunftsanbieter unter Druck bringt. Dies führt zu Unsicherheit und kann einen Teufelskreis aus leerstehenden Apartments und weiteren Preissenkungen befeuern.
Kroatiens Tourismusbehörde bleibt optimistisch
Trotz der Herausforderungen gibt sich die kroatische Tourismusbehörde zuversichtlich. Nach vorläufigen Daten lagen die Gästezahlen in den ersten neun Tagen Juli 2026 landesweit etwa zwei Prozent über dem Vorjahr. Für das erste Halbjahr 2026 meldete das Land 7,6 Millionen Ankünfte und 29,5 Millionen Übernachtungen – ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Die Branche setzt nun weniger auf Wachstum, sondern auf Qualität, bessere Serviceleistungen und wettbewerbsfähige Preise. Einige Vermieter reagieren mit Preissenkungen, um Last-Minute-Angebote zu füllen, während andere auf attraktivere Destinationen wie Griechenland oder Spanien verweisen.
Langfristige Perspektiven und Herausforderungen
Zudem steigen Kosten für Energie, Lebensmittel und Personal, die letztlich auf Urlauber abgewälzt werden. Experten wie Ante Glavaš von der kroatischen Vereinigung HUOS berichten von zahlreichen Stornierungen kurze Zeit vor der Reise. Gleichzeitig bleiben die Preise in einigen Bereichen stark gestiegen: Private Ferienwohnungen wurden in den vergangenen Jahren bis zu 50 Prozent teurer, weshalb viele Vermieter nun Preissenkungen anbieten. Obwohl kein Einbruch des Tourismus zu verzeichnen ist, zeigt sich ein neuer Trend: Urlauber buchen kurzfristiger, vergleichen intensiver und wechseln häufiger zwischen Destinationen.
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