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Welt

Kolumbiens Kokabauern kehren wegen fehlender staatlicher Hilfe zum Anbau zurück

Trotz staatlicher Programme zur Substitution illegaler Nutzpflanzen hat der Kokaanbau in Kolumbien Rekordwerte erreicht. Die Anbaufläche stieg im Jahr 2023 auf 253.000 Hektar und kletterte in den Jahren 2024 und 2025 auf über 260.000 Hektar, so aktuelle Daten. Schätzungen zufolge stammen etwa 70 % des weltweiten Kokainangebots aus Kolumbien.

Probleme beim staatlichen Substitutionsprogramm

Das 2017 eingeführte nationale Programm zur umfassenden Substitution illegaler Nutzpflanzen (PNIS) entstand aus dem Friedensabkommen von 2016 zwischen der Regierung und der Guerillagruppe Farc. Rund 100.000 Familien sollten finanzielle Unterstützung und technische Hilfe erhalten, um Kokabüsche durch legale Kulturen wie Kakao, Kaffee, Bananen oder Zitronenbäume zu ersetzen. Pro Haushalt waren Zahlungen in Höhe von 36 Millionen kolumbianischen Pesos über zwei Jahre vorgesehen.

Viele Landwirte berichten jedoch, dass die versprochene Hilfe nicht ankam oder Zahlungen verzögert wurden. In abgelegenen Regionen wie der Provinz Meta erschweren fehlende Straßen und wiederkehrende Überschwemmungen den Verkauf legaler Erzeugnisse. Ein Landwirt aus Meta gab an, 2024 aufgrund fehlender Unterstützung und Arbeitslosigkeit wieder mit dem Kokaanbau begonnen zu haben.

Zudem verschoben sich politische Prioritäten: Unter Präsident Iván Duque (ab 2018) rückten Ausrottungs- und Sicherheitsstrategien wieder in den Vordergrund. Als Gustavo Petro 2022 sein Amt übernahm, war das PNIS im Verzug und erreichte viele Gemeinden nicht mehr.

Wirtschaftliche Anreize und Umweltfolgen

Laut dem Forscher Lucas Marín Llanes bietet Kokaanbau gegenüber anderen Pflanzen erhebliche Vorteile: Die Ernten erfolgen schnell – bis zu drei- oder viermal pro Jahr –, der Transport ist einfacher und die Preise sind stabil. Michael Weintraub von der Universität der Anden betont, dass die steigende Nachfrage dazu führen wird, dass Kolumbien auf absehbare Zeit weiterhin Koka anbauen wird.

Colombian Farmers Struggle to Quit Cocaine Industry

Der Anbau hat zudem schwerwiegende Auswirkungen auf die Umwelt. Im kolumbianischen Amazonas wurden zwischen 2015 und 2024 insgesamt über 800.000 Hektar Wald verloren, oft getrieben durch die Ausweitung von Kokaanbau und anschließende Viehzucht. Zudem belasten Chemikalien aus der Kokainverarbeitung, wie Schwefelsäure und Benzin, die Flüsse der Region.

Aktuelle Entwicklungen in Putumayo

In der Region Putumayo haben mehr als 8.000 Familien auf 14.500 Hektar Koka durch Kakao, Chili und Plantanen ersetzt. Die Regierung hat 82 Milliarden COP speziell für Kakao-Wertschöpfungsketten bereitgestellt. Im Juni 2026 begannen dort gemeinsame Teams aus Polizei und Landwirten mit der manuellen Rodung, was einen Gegensatz zu früheren Strategien der Luftbesprühung darstellt.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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