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Humboldt-Uni Prüft Rechtliche Folgen Nach Boykott-Beschluss Des Studierendenparlaments

Stupa beschließt Boykott israelischer Universitäten

Das Studierendenparlament der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) hat am Donnerstag einen Beschluss verabschiedet, der die Beziehungen zwischen der HU und israelischen Universitäten sowie Forschungseinrichtungen beenden soll. Mit nur zwei Gegenstimmen stimmte das Gremium einem Antrag der Linken Liste zu, der die Universität auffordert, wissenschaftliche Kooperationen und Austauschprogramme mit israelischen Partnern zu beenden. Der Antrag bezeichnet israelische Hochschulen als „vielfach direkt oder indirekt“ an „Menschenrechtsverletzungen gegen das palästinensische Volk“ beteiligt und wirft ihnen die Förderung eines „Genozids“ und einer „Apartheid“ vor. Zudem wird kritisiert, dass israelische Universitäten mit der Rüstungsindustrie und der Ausbildung von Soldaten zusammenarbeiten. Die Studierenden fordern zudem, die Zusammenarbeit mit palästinensischen und libanesischen Universitäten zu stärken und Stipendien für Studenten aus diesen Regionen zu vergeben. Der Beschluss orientiert sich laut dem Antrag an den Richtlinien der BDS-Bewegung, die einen umfassenden Boykott Israels anstrebt. Die Bewegung wird seit 2024 vom Bundesamt für Verfassungsschutz als extremistischer Verdachtsfall geführt und wurde 2019 vom Bundestag als antisemitisch verurteilt.

Universität prüft rechtliche Folgen des Beschlusses

Universität prüft rechtliche Folgen des Beschlusses
Photo: junge Welt

Die Humboldt-Universität reagierte auf den Stupa-Beschluss mit Ablehnung und kündigte an, „einzelne Passagen des Beschlusses“ im Rahmen der institutionellen Rechtsaufsicht juristisch zu prüfen. Eine Sprecherin der Universitätsleitung betonte, dass das Präsidium auf den wissenschaftlichen Dialog mit israelischen Kooperationspartnern setze. In einer Stellungnahme aus November 2025 betonte die HU, sich gegen einen pauschalen Boykott auszusprechen und hervorzuheben, dass es in Israel viele regierungskritische Wissenschaftler gebe. Laut Angaben der Universität laufen derzeit vier Forschungsprojekte mit israelischen Partnern, darunter Kooperationen zur Mikrobiologie und Armutsforschung. Die HU betonte zudem, den Austausch mit Universitäten im Nahen Osten zu pflegen, darunter auch die Birzeit University im Westjordanland. Einige der im Antrag genannten israelischen Hochschulen, darunter die Universität Tel Aviv, seien „direkt oder indirekt“ an Menschenrechtsverletzungen beteiligt, argumentiert das Studentenparlament. Die Universitätsleitung betonte jedoch, dass der Beschluss des Stupa eher symbolisch bleiben werde, da sie sich in der Vergangenheit mehrfach gegen pauschale Boykotte ihrer israelischen Partner-Unis ausgesprochen habe.

Antisemitismus-Vorwürfe und historischer Kontext

Antisemitismus-Vorwürfe und historischer Kontext
Photo: Jüdische Allgemeine

Die Humboldt-Universität ist seit 2023 wiederholt in Vorfälle mit antisemitischen Tendenzen verwickelt. Nach Angaben der Studentenvertreter besetzten Israelhasser Gebäude und beschmierten Wände mit antisemitischen Parolen. Jüdische Studenten fühlten sich auf den Campi nicht mehr sicher. Die Universitätsleitung kündigte ein Konzept gegen Antisemitismus an, während das Land Berlin einen Antisemitismusbeauftragten für Berliner Universitäten berufen will. Der Stupa-Beschluss stößt jedoch auf Kritik, da die BDS-Bewegung als antisemitisch eingestuft wird. Zudem wurde im November 2025 ein Unvereinbarkeitsbeschluss aufgehoben, der die Finanzierung und Zusammenarbeit mit BDS-nahen Gruppen ausschloss. Die Linke Liste, die den Antrag einbrachte, betonte, dass der Beschluss nicht antisemitisch sei und sich gegen „institutionellen Boykott“ richte. Kritiker warnen jedoch, dass die Regelung, eine Zusammenarbeit mit israelischen Wissenschaftlern nur zu erlauben, wenn diese nicht an Menschenrechtsverletzungen beteiligt seien, israelische und jüdische Studierende unter Generalverdacht stelle. Die Juso-Hochschulgruppe kritisierte den Beschluss als „antisemitischen Tiefpunkt“ und bezeichnete die Linke Liste als „Problem“ für die kritische Debatte im Stupa.

Reaktionen und Kontroversen innerhalb der Studierendenschaft

Innerhalb der Studierendenschaft gibt es starke Kontroversen über den Beschluss. Die Juso-Hochschulgruppe lehnte den Antrag ab und kritisierte, dass das Stupa die Zusammenarbeit mit BDS-nahen Gruppen wieder ermögliche, nachdem der Unvereinbarkeitsbeschluss aufgehoben worden sei. Ein Stupa-Mitglied der Juso-Hochschulgruppe kritisierte, dass das Gremium nicht nur Antisemitismus bei Partnern ausblende, sondern auch selbst damit Probleme habe. Die Linke Liste verteidigte den Antrag und erklärte, dass der Begriff „Antisemitismus“ in den letzten Jahren missbraucht worden sei. Eine der Antragstellerinnen, selbst Israelin, betonte, dass die unterschiedliche politische Meinung ein „gutes“ Element sei. Die StuPa-Sprecherin Lea erklärte, dass der Boykott sich gegen „verbrecherische Institutionen“ richte, nicht gegen Einzelpersonen, und betonte, dass individuelle Kooperationen mit kritischen Wissenschaftlern möglich blieben. Der Beschluss wird zudem von der Linke Liste als ethisch und völkerrechtlich geboten gesehen, da israelische Universitäten nach ihrer Einschätzung an Genoziden und Apartheid beteiligt seien. Die Universität kündigte an, den Beschluss im Rahmen ihrer Rechtsaufsicht zu prüfen, während die Diskussion um die Beziehungen zur israelischen Wissenschaft weiter anhaltet.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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