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Unternehmen

VW, BMW, Mercedes in Krise: Massenentlassungen und Gewinnwarnungen

Die deutsche Autoindustrie steckt in einer tiefen Krise: Volkswagen plant laut NDR-Informationen den Abbau von bis zu 100.000 Stellen und die Schließung von vier Werken in Deutschland. Parallel dazu kämpfen BMW und Mercedes-Benz mit Gewinnwarnungen und steigenden Kosten, während chinesische Konkurrenten wie BYD den Markt für Elektrofahrzeuge zunehmend dominieren.

Volkswagen: Massiver Stellenabbau und Werksschließungen

Volkswagen: Massiver Stellenabbau und Werksschließungen
Photo: Ntv
Der Wolfsburger Autobauer steht symbolisch für das Scheitern der aktuellen Industriepolitik. Um Milliardeneinsparungen zu realisieren, prüft das Management drastische Schnitte. Die Rede ist von bis zu 100.000 wegfallenden Arbeitsplätzen und dem Aus für vier deutsche Werke. Die Krise trifft ausgerechnet die Vorzeigewerke der Elektromobilität, was die Schwierigkeiten bei der Transformation vom Verbrenner zum E-Auto verdeutlicht. Die Probleme bei Volkswagen sind nicht nur struktureller Natur, sondern auch technischer Art. Die Software-Entwicklung, ein kritischer Faktor für moderne Fahrzeuge, verlief holprig, was sich insbesondere bei der Einführung des Golf 8 zeigte. Gleichzeitig treiben nicht ausgelastete Fabriken für Verbrennungsmotoren die Kosten in die Höhe, während die Produktion von E-Autos weniger Teile benötigt und somit weniger Personal bindet.

BMW: Gewinnwarnung und Kurssturz an der Börse

BMW: Gewinnwarnung und Kurssturz an der Börse
Photo: Der Aktionär
BMW galt lange als der stabilere Akteur im Trio der deutschen Premiumhersteller. Diese Einschätzung revidierte das Unternehmen kürzlich durch eine deutliche Dämpfung des Jahresausblicks. Die Märkte reagierten prompt: Laut Der Aktionär rutschte die Aktie auf den tiefsten Stand seit fünfeinhalb Jahren, mit einem Minus von 35 Prozent seit Jahresbeginn. Der aktuelle Kurs liegt bei etwa 60 Euro. Um den Kurs zu korrigieren, intensiviert der Konzern seine Kostensenkungsmaßnahmen. Die Auswirkungen dieser Struktur- und Effizienzmaßnahmen werden laut Unternehmensangaben in den Folgejahren sichtbar werden. „Neben den Belastungen im operativen Geschäft wird die BMW Group die laufenden Kostensenkungen durch weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen intensivieren und beschleunigen. Deren Effekte werden in den Folgejahren sichtbar. Diese Maßnahmen belasten das Ergebnis einmalig im zweiten Halbjahr 2026.“BMW Group

Mercedes-Benz: Der Kampf um die 40-Stunden-Woche

Wie VW, BMW, Mercedes und Co. zurück in die Spur wollen | Auto-Expertin bei ZDFheute live
Bei Mercedes-Benz wird die Krise über die Arbeitszeit und die Unternehmenskultur bekämpft. Während die 35-Stunden-Woche in der Branche Standard ist, fordert Aufsichtsratschef Martin Brudermüller die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit durch eine höhere Arbeitsintensität zurückzugewinnen. Begleitend dazu verschiebt der Konzern Sonderzahlungen und baut Kapazitäten im Ausland aus. Es geht nicht mehr nur um Kosten, sondern um einen fundamentalen Mentalitätswechsel. Britta Seeger, Personalvorständin bei Mercedes, spricht in diesem Zusammenhang von einer notwendigen Gewinnermentalität. Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management, unterstreicht die Dringlichkeit dieser Entwicklung in einem Gespräch mit n-tv.de. Er sieht die Gefahr, dass ohne diese Anpassungen mittelfristig noch mehr Stellen verloren gehen. „Die deutschen Hersteller müssen wieder effizienter werden. Sie müssen wieder wirklich angreifen. Wir müssen nicht nur mehr arbeiten, sondern auch schneller und besser werden.“Stefan Bratzel, Center of Automotive Management

Der Standort Deutschland: Kostenfalle und Abhängigkeiten

Der Standort Deutschland: Kostenfalle und Abhängigkeiten
Photo: tagesschau.de
Die Krise ist kein isolierter Betriebsunfall, sondern das Resultat systemischer Probleme. Die Produktion im Inland ist durch hohe Löhne, Energiekosten, Steuern und eine massive Bürokratie teuer geworden. Hinzu kommen hohe US-Zölle, die den exportabhängigen Herstellern zusätzlich schaden. Besonders kritisch ist die Abhängigkeit von China. Während chinesische Anbieter wie BYD, Geely oder Nio kostengünstige Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen, bleibt Europa bei der wichtigsten Komponente, der Batterie, stark von China abhängig. Laut Tichys Börsenwecker zerstört der Green Deal die industrielle Basis, da die Elektromobilität in der vom Markt getragenen Form nicht realisiert wurde. Die Zahlen zum Beschäftigungsrückgang verdeutlichen den schleichenden Verfall:
  • Beschäftigte 2019: rund 840.000 (Autobauer und Zulieferer)
  • Beschäftigte aktuell: knapp 700.000
  • Potenzieller zusätzlicher Abbau: bis zu 16.000 Stellen bei BMW und Mercedes (Schätzung Bratzel)
  • Extremfall VW: bis zu 100.000 Stellen unter Beobachtung

Börsenwerte im freien Fall

Die Kapitalmärkte haben das Vertrauen in das alte Geschäftsmodell der deutschen Autobauer weitgehend verloren. Die Kurse spiegeln die geringen Zukunftserwartungen wider. Besonders deutlich wird dies beim Vergleich der Volkswagen-Vorzugsaktien: Vor etwa fünf Jahren notierten diese noch bei knapp 220 Euro, aktuell liegen sie bei rund 75 Euro. Die Branche steht vor einem schmerzhaften Strukturwandel. Der Übergang vom hochprofitablen Verbrenner zum kapitalintensiven Elektroauto erfolgt in einem Umfeld, in dem Deutschland seine Rolle als kostengünstiger oder technologisch überlegener Produktionsstandort verliert. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die geforderte Angreifer-Mentalität und die drastischen Kostensenkungen ausreichen, um den Absturz zu stoppen oder ob die Deindustrialisierung des Sektors eine unaufhaltsame Dynamik erreicht hat.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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