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Unternehmen

Ex-Denner-Besitzer Philippe Gaydoul schiesst gegen die Migros

Der ehemalige Eigentümer von Denner, Philippe Gaydoul, kritisiert die Strategie der Migros und bereut den Verkauf der Kette aus dem Jahr 2007. In der „NZZ am Sonntag“ bemängelt er fehlende Investitionen und ein zu breites Sortiment. Die Kritik folgt auf den Rücktritt von Denner-CEO Torsten Friedrich Ende Mai 2026.

Die Fronten zwischen dem ehemaligen Familienbesitzer und dem Schweizer Detailhandelsriesen sind verhärtet. Philippe Gaydoul, der Denner 2007 an die Migros verkaufte und bis 2012 im Verwaltungsrat saß, sieht das Unternehmen heute in einer Identitätskrise. Was einst als strategisch kluger Schachzug galt, um gegen internationale Konkurrenten wie Aldi und Lidl zu bestehen, bewertet Gaydoul nun rückblickend kritisch.

Investitionsstau oder Modernisierung: Der Streit um 400 Millionen Franken

Im Zentrum der Kritik steht der Zustand der Filialen. Gaydoul wirft der Migros vor, die Substanz des Unternehmens über Jahre hinweg aufgezehrt zu haben, statt in die Zukunft zu investieren. Besonders der Mangel an modernen Technologien wie Self-Scanning-Systemen, die für ein Discount-Modell essenziell seien, wird als Versäumnis dargestellt.

Investitionsstau oder Modernisierung: Der Streit um 400 Millionen Franken
Photo: persoenlich.com
Viele Läden sehen fast so aus wie vor bald 20 Jahren. Es wurde kaum investiert – weder in Filialen noch in neue Technologien wie Self-Scanning, die für Discounter interessant wären.Philippe Gaydoul, ehemaliger Denner-Besitzer

Die Migros und Denner weisen diese Darstellung in einer gemeinsamen Stellungnahme entschieden zurück. Wie Blick berichtet, betonen die Unternehmen, dass in den vergangenen acht Jahren insgesamt 400 Millionen Franken in die IT, die Verteilzentren und den Umbau von Filialen geflossen sind. Dennoch stützt ein externer Blick die Sicht von Gaydoul: Der Detailhandelsexperte Marcel Stoffel bezeichnet das Erscheinungsbild der Läden als unzeitgemäss und sieht erheblichen Nachholbedarf.

Die Sortimentsfalle: Von 1.800 auf 3.700 Artikel

Ein weiterer Streitpunkt ist die Produktpalette. Unter der Führung von Gaydoul galt eine strikte Obergrenze von 1.800 Artikeln. Die Regel war simpel: Ein neues Produkt durfte nur ins Sortiment aufgenommen werden, wenn gleichzeitig ein anderes gestrichen wurde. Diese Disziplin sollte die Kosten niedrig halten und die Effizienz steigern.

Die Sortimentsfalle: Von 1.800 auf 3.700 Artikel
Photo: Inside Paradeplatz

Diese Strategie wurde unter der Migros-Ära aufgegeben. Laut Berichten der NZZ sprach eine Medienmitteilung Anfang 2026 von 3.700 Artikeln, während Inside Paradeplatz die Zahl auf 3.500 beziffert. Gaydoul argumentiert, dass die Erweiterung zwar kurzfristig durch Listungsgebühren der Hersteller attraktiv wirke, langfristig aber die Logistik und das Personal verteuere, was letztlich die Preise für die Kunden in die Höhe treibe.

Für einen echten Discounter sei eine solche Sortimentsausweitung fatal, da sie den Kern des Geschäftsmodells – die maximale Effizienz durch minimale Auswahl – untergrabe.

Führungskrise und der Abgang von Torsten Friedrich

Die strategischen Differenzen manifestierten sich Ende Mai 2026 im abrupten Rücktritt von CEO Torsten Friedrich. Der Deutsche war erst knapp ein Jahr im Amt, bevor er seine Position aufgab. Die Migros begründete das Ausscheiden mit unterschiedlichen Vorstellungen über die künftige Entwicklung von Denner.

Führungskrise und der Abgang von Torsten Friedrich
Photo: bilanz.ch

Hinter den Kulissen wird von einem zu engen Korsett gesprochen, das die Muttergesellschaft der Tochter aufzwang. Wie Inside Paradeplatz analysiert, ist die Führung von Denner nun wieder direkt in den Händen der Migros-Konzernleitung, konkret bei dem Verantwortlichen für Beteiligungen. Dies deutet auf eine weitere Zentralisierung hin, die den operativen Spielraum des Discounters weiter einschränkt.

Die Unruhe in der Belegschaft und der schnelle Wechsel an der Spitze signalisieren, dass Denner derzeit keine klare Richtung hat. Der Discounter scheint zwischen dem Anspruch eines Tiefpreisführers und der Integration in den Migros-Verbund gefangen zu sein.

Strategischer Kannibalismus: Migros gegen Denner

Die eigentliche Gefahr für Denner könnte jedoch aus dem eigenen Hause kommen. Migros-Chef Mario Irminger, der selbst von 2011 bis 2023 CEO von Denner war und die Kette damals erfolgreich auf 860 Filialen und einen Umsatz von 3,8 Milliarden Franken ausbaute, hat im Oktober 2024 eine aggressive Tiefpreisstrategie für die gesamte Migros-Gruppe ausgerufen.

Strategischer Kannibalismus: Migros gegen Denner

Damit rückt die Migros-Supermärkte in die direkte Konkurrenz zu ihrer eigenen Tochtergesellschaft. Persoenlich.com berichtet, dass bereits Migros-Supermarktchef Peter Diethelm öffentlich erklärte, es gebe keinen Grund mehr, gezielt einen Discounter aufzusuchen, wenn die Migros selbst die Preise senkt.

Dieser strategische Überlapp führt zu einer existentiellen Frage: Welchen Zweck erfüllt Denner noch, wenn die Migros dieselben Preisvorteile in einem moderneren Umfeld bietet? Während Irminger in seiner Zeit als Denner-Chef für Wachstum stand, wirkt seine aktuelle Strategie als Konzernchef für die Discount-Tochter wie eine Bedrohung.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Migros Denner durch eine radikale Neupositionierung retten kann oder ob die Kette in der neuen Tiefpreisstruktur des Konzerns überflüssig wird. Für Philippe Gaydoul ist das Ergebnis bereits absehbar – er sieht zwei verlorene Jahrzehnte, in denen die Identität eines der stärksten Schweizer Handelsmarken verwässert wurde.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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