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Weltmarktführer Novelis: Schweizer Alu für grüne Stromer

Novelis hat die Kapazitäten für kohlenstoffarmes Aluminium in seinem Werk in Neuchâtel, Schweiz, erweitert, um die steigende Nachfrage europäischer Elektrofahrzeughersteller zu bedienen. Laut aktuellen Unternehmensangaben zielt die Maßnahme darauf ab, den CO2-Fußabdruck von Batteriegehäusen und Karosserieteilen durch einen erhöhten Anteil an recyceltem Material signifikant zu senken.

Produktionsausbau am Standort Neuchâtel

Das Werk in Neuchâtel fungiert als strategischer Knotenpunkt für die Herstellung von hochfesten Aluminiumblechen, die speziell für die Anforderungen der Elektromobilität entwickelt wurden. Novelis, ein Tochterunternehmen der indischen Hindalco Industries, hat in den letzten zwei Jahren Investitionen getätigt, um die Effizienz der Walzprozesse zu steigern und die Integration von Sekundäraluminium zu optimieren.

Nach Angaben des Unternehmens ermöglicht die technische Aufwertung des Standorts eine präzisere Steuerung der Legierungen, was für die Sicherheit von Batteriegehäusen in Elektrofahrzeugen (EVs) essenziell ist. Die Schweizer Produktion konzentriert sich dabei auf dünnere, aber stabilere Bleche, die das Gesamtgewicht der Fahrzeuge reduzieren und so die Reichweite der Batterien erhöhen. Dies betrifft insbesondere die Produktion von 6000er- und 7000er-Legierungen, die für ihre gute Formbarkeit und hohe Festigkeit bekannt sind.

Reduktion des CO2-Fußabdrucks durch Recycling

Die Strategie von Novelis basiert auf dem Prinzip der geschlossenen Kreislaufsysteme. Anstatt auf Primäraluminium, dessen Herstellung extrem energieintensiv ist, setzt das Unternehmen verstärkt auf recycelten Schrott.

Laut dem Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens reduziert die Verwendung von recyceltem Aluminium den Energiebedarf bei der Produktion um bis zu 95 Prozent im Vergleich zur Gewinnung aus Bauxit. Novelis arbeitet mit Automobilherstellern an sogenannten Closed-Loop-Systemen, bei denen Produktionsabfälle aus den Presswerken der OEMs direkt an die Schmelzhütten von Novelis zurückgeführt werden. Dieser Prozess minimiert den Materialverlust und stellt sicher, dass die chemische Zusammensetzung des Aluminiums über mehrere Zyklen hinweg stabil bleibt.

Um die Nachhaltigkeitsversprechen zu untermauern, orientiert sich Novelis an Standards wie der Aluminium Stewardship Initiative (ASI), die eine zertifizierte Lieferkette von der Mine bis zum Endprodukt fordert.

wp:quote Die Transformation zur Kreislaufwirtschaft ist nicht mehr nur ein ökologisches Ziel, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit für die gesamte Automobilindustrie. Nur durch die Maximierung des Recyclinganteils können wir die strengen Emissionsziele der EU für die kommenden Jahre erreichen. Novelis-Unternehmenssprecher

Anforderungen der europäischen Elektrofahrzeughersteller

Europäische Automobilhersteller stehen unter dem Druck der EU-Flottenemissionsziele, was die Nachfrage nach grünem Aluminium massiv erhöht hat. Diese Ziele sind Teil des Fit for 55-Pakets der Europäischen Union, das eine drastische Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2030 vorsieht. Das Material wird vor allem in drei Bereichen eingesetzt: bei den Batteriegehäusen, den Crash-Strukturen und den Karosseriepaneelen.

Atlanta-based company Novelis breaks ground for $2.5 billion aluminum recycling and manufacturing…

Analysten der Branche weisen darauf hin, dass die Gewichtseinsparung durch Aluminium im Vergleich zu Stahl entscheidend ist, um das hohe Gewicht der Batterien zu kompensieren. Während Stahl kostengünstiger ist, bietet das in der Schweiz veredelte Aluminium eine höhere spezifische Festigkeit, was besonders bei den B-Säulen und anderen sicherheitskritischen Komponenten wichtig ist.

Ein Vergleich der Materialstrategien zeigt, dass Hersteller wie BMW und Volkswagen verstärkt auf kohlenstoffarme Lieferketten setzen. Novelis positioniert sich hier als Partner, der nicht nur das Material liefert, sondern auch die Zertifizierung des CO2-Gehalts pro Tonne Aluminium übernimmt, was für die Bilanzierung der Scope-3-Emissionen der Autohersteller unerlässlich ist.

Marktpositionierung im globalen Wettbewerb

Im Wettbewerb mit anderen Aluminiumriesen wie Norsk Hydro oder Alcoa setzt Novelis auf die Dominanz im Bereich des Walzens und Recyclings. Während einige Wettbewerber primär in die grüne Primärproduktion durch Wasserkraft investieren – wie etwa Norsk Hydro mit seiner CIRCAL-Linie für recyceltes Aluminium –, liegt der Fokus von Novelis auf der industriellen Aufbereitung von Sekundärrohstoffen in großem Maßstab.

Diese strategische Ausrichtung bietet einen Vorteil in Regionen mit volatilen Energiepreisen, wie sie Europa seit 2022 erlebt, da die Recyclingroute weniger abhängig von massiven Strommengen für die Elektrolyse ist, die bei der Primärproduktion nötig wäre. Die Schweizer Produktion dient dabei als Referenz für Hochpräzisionsprodukte, die in der Premium-EV-Klasse gefragt sind.

Risiken und zukünftige Entwicklungen

Trotz des Wachstums sieht sich Novelis mit Herausforderungen bei der Beschaffung von hochwertigem Aluminiumschrott konfrontiert. Es entsteht eine sogenannte Scrap Gap, da die Nachfrage nach sortenreinem, kontaminationsfreiem Aluminiumschrott schneller wächst als das Angebot an verfügbarem Altmaterial.

Die Konkurrenz um saubere Sekundärströme nimmt zu, da immer mehr Unternehmen versuchen, ihre Lieferketten zu dekabonisieren. Zukünftige Entwicklungen hängen maßgeblich von der Geschwindigkeit des EV-Ausbaus in Europa ab. Sollte die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen stagnieren, könnten die hohen Investitionen in spezialisierte Produktionslinien in Neuchâtel unter Druck geraten.

Derzeit deutet die Auftragslage jedoch auf eine stabile Integration in die Lieferketten der nächsten Fahrzeuggenerationen hin, die ab 2027 auf den Markt kommen sollen. Diese neuen Modelle werden voraussichtlich noch höhere Anforderungen an die Materialeffizienz und den Anteil an Sekundärrohstoffen stellen, um den regulatorischen Vorgaben der EU-Kreislaufwirtschaftsstrategie zu entsprechen.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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