Ein fünfjähriger Junge wird seit Samstagnachmittag vermisst, nachdem ein Schlauchboot mit seiner Familie auf der Reuss bei Mühlau im Kanton Aargau gekentert ist. Der Unfall geschah kurz vor 14 Uhr nach einer Kollision mit einem Baum. Während Eltern und die siebenjährige Tochter sich retten konnten, läuft die Suche weiter.
Kollision mit Baum führt zum Kentern
Das Unglück ereignete sich am Samstagnachmittag kurz vor 14 Uhr. Eine vierköpfige Familie war mit einem Schlauchboot auf der Reuss unterwegs, als das Boot mit einem im Fluss liegenden Baum kollidierte. Durch den Aufprall kenterte das Boot unmittelbar.
Die beiden Erwachsenen sowie die siebenjährige Tochter konnten sich eigenständig an das Ufer retten. Der fünfjährige Sohn hingegen verschwand in den Fluten und konnte seit diesem Zeitpunkt nicht mehr ausfindig gemacht werden. Die Eltern erhalten derzeit psychologische Betreuung.
In solchen Situationen ist die Reaktionszeit extrem kurz. Ein plötzliches Kentern in einem fliessenden Gewässer führt oft dazu, dass Personen durch die Strömung schnell vom Unfallort weggetragen werden, was die erste Phase der Rettung massiv erschwert. Die Überlebenden der Familie konnten zwar das Ufer erreichen, doch das Kind wurde unmittelbar nach dem Aufprall vom Wasser erfasst.
Massive Suchaktion mit Tauchern und Drohnen
Nach dem Notruf wurde eine umfassende Rettungsoperation eingeleitet. Die Suche erfolgte über mehrere Stunden hinweg gleichzeitig im Wasser, vom Ufer aus sowie aus der Luft. Trotz des hohen personellen Aufgebots blieb die Suche bis zum Sonntagvormittag erfolglos.

Wie 20 Minuten berichtet, waren zahlreiche spezialisierte Einheiten im Einsatz:
- Patrouillen der Regionalpolizeien Wohlen, Muri und Bremgarten sowie der Kantonspolizei Aargau
- Ein Rettungshelikopter der Rega und mehrere Polizeidrohnen
- Die Flussrettungsgruppe der Regionalpolizei Brugg und die Gewässerpolizei
- Polizeitaucher der Kantonspolizei Zürich
- Die Feuerwehr Mühlau, eine Ambulanz und das Careteam des Kantons Aargau
- Ein Boot des Flusskraftwerks Bremgarten
Die Koordination einer solchen Suche erfordert das Zusammenspiel verschiedener Behörden. Während die Regionalpolizeien die Uferabschnitte absuchen, übernehmen die Taucher der Kantonspolizei Zürich die Sichtung des Flussbetts, um mögliche Hindernisse oder tiefer liegende Stellen zu prüfen. Drohnen und der Rega-Helikopter dienen der Überwachung grosser Flussabschnitte aus der Vogelperspektive, um Sichtungen zu beschleunigen, die vom Boden aus unmöglich wären.
Das Beizuziehen eines Bootes des Flusskraftwerks Bremgarten ist in diesem Gebiet strategisch wichtig, da das Kraftwerk über detaillierte Kenntnisse der Strömungsverhältnisse und der Topografie des Flussbettes verfügt. Die Behörden gaben bekannt, dass die Suchmassnahmen am Sonntag fortgesetzt werden, wobei insbesondere das Flussgebiet erneut abgesucht wird.
Risiken fliessender Gewässer und Sicherheitsausrüstung
Ein kritischer Punkt in den Ermittlungen ist die Sicherheitsausrüstung des Kindes. Laut Angaben der Kantonspolizei Aargau, die Blick gegenüber ausführte, soll der Junge eine Schwimmweste getragen haben. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass die Weste aufgrund der starken Strömung im Wasser verloren ging.
In der Wasserrettung ist bekannt, dass Schwimmwesten zwar den Auftrieb sichern, aber bei extremen Strömungen oder Kollisionen mit festen Objekten – wie in diesem Fall einem Baum – durch mechanische Einwirkung oder starke Zugkräfte beschädigt werden oder vom Körper rutschen können, falls sie nicht perfekt angepasst sind. Zudem kann eine starke Strömung Personen auch trotz Weste unter Wasser drücken oder in Wirbel ziehen.

Die Reuss gilt im Sommer als beliebtes Ziel für Schlauchbootfahrten, wird jedoch von Experten als tückisch eingestuft. Hindernisse wie Treibholz und unvorhersehbare Strömungen stellen ein permanentes Risiko für Freizeitsportler dar. Besonders in Abschnitten mit engem Flusslauf oder nach Regenfällen kann die Strömungsgeschwindigkeit stark zunehmen, was die Manövrierfähigkeit von Schlauchbooten einschränkt.
Obwohl für den Samstag keine speziellen Warnungen der Polizei vorlagen, mahnen die Behörden generell zur Vorsicht bei starken Strömungen. Die Diskrepanz zwischen der Freizeitnutzung des Flusses und der plötzlichen Gefahr wurde am Sonntagvormittag deutlich: Während die Suchaktion für das vermisste Kind noch lief, befanden sich an der Unfallstelle bereits wieder Badegäste und andere Schlauchboote auf dem Wasser, wie Beobachtungen vor Ort belegen.
Psychologische Unterstützung und weitere Ermittlungen
Aufgrund der Schwere des Ereignisses wurde das Careteam des Kantons Aargau beigezogen. Dieses spezialisierte Team bietet psychologische Erste Hilfe für Betroffene und Angehörige unmittelbar nach traumatischen Erlebnissen an, um die akute Belastungsreaktion zu mildern.
Wie es genau zu der Kollision mit dem Baum kam, ist derzeit Gegenstand weiterer Abklärungen, wie Nau berichtet. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun darauf, ob vermeidbare Faktoren zu dem Unfall beigetragen haben oder ob es sich um ein unvorhersehbares Ereignis handelte. Dabei werden unter anderem die Strömungsverhältnisse zum Zeitpunkt des Unfalls sowie die Sichtverhältnisse auf dem Fluss analysiert.
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