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Gesundheit

TikTok: Desinformation über Sonnencreme verbreitet sich schneller – Studie

Eine neue Studie im Fachjournal PLOS Digital Health zeigt, dass auf TikTok zwar die Mehrheit der Inhalte zur Sonnencreme korrekt ist, gezielte Desinformation jedoch deutlich höhere Interaktionsraten erzielt. Während 87 Prozent der Videos den Schutz empfehlen, verbreiten sich Falschinformationen über Toxizität und Hormonstörungen überproportional schnell unter den Nutzern.

Virale Desinformation überholt korrekte Gesundheitsratschläge

Obwohl die große Mehrheit der Beiträge auf der Videoplattform wissenschaftlich fundierte Ratschläge gibt, erzeugen skeptische Inhalte eine enorme Dynamik. Laut einer Untersuchung von Forschern der University of Alberta wurden fast 1.000 Videos unter den fünf populärsten Hashtags zu Sonnencreme analysiert. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Videos, die Zweifel säen, erreichen weitaus mehr Likes, Kommentare und Teilungen als die Inhalte, die zur Verwendung von Sonnenschutz aufrufen.

Virale Desinformation überholt korrekte Gesundheitsratschläge
Photo: New York Post

Alessandro Marcon, ein Forscher der University of Alberta, der die Verbreitung von Gesundheitsinformationen untersucht, identifizierte eine Reihe von gefährlichen Behauptungen. Die <a href="https://nypost.

  • Sonnenbrände seien nicht gefährlich.
  • Sonnencreme wirke als endokriner Disruptor und störe den Hormonhaushalt.
  • Die Produkte enthielten Karzinogene oder Mikroplastik.
  • Die Inhaltsstoffe könnten die Muttermilch verunreinigen.

Obwohl nur etwa 6 Prozent der untersuchten Videos explizite Kritik an Sonnencreme übten, dominiert die Qualität der Interaktion die schiere Menge der korrekten Informationen. Die Desinformation nutzt die algorithmische Struktur von TikTok, um gezielt Ängste vor „toxischen“ Inhaltsstoffen zu schüren.

Das gefährliche Wissensdefizit der Generation Z

Die Auswirkungen dieser digitalen Fehlinformationen zeigen sich bereits in realen Kompetenzunterschieden. Eine Umfrage der American Academy of Dermatology ergab, dass ein Drittel der Gen Z bei einem Test zum Sonnenschutz eine ungenügende Note erhielt. Während 64 Prozent dieser Altersgruppe angaben, online mit Desinformation über Sonnencreme konfrontiert worden zu sein, nutzen 36 Prozent Influencer als ihre primäre Informationsquelle für Hautpflege.

Das gefährliche Wissensdefizit der Generation Z
Photo: NBC News

„Ich würde sagen, dass wir 95 Prozent der Desinformation auf soziale Medien zurückführen können.

Dr. Marisa Garshick, Dermatologin bei MDCS Dermatology

Dieser Trend wird durch eine Rückkehr zu veralteten Schönheitsidealen verstärkt. In Großbritannien ist der Anstieg der Melanom-Fälle besorgniserregend: Die Zahl der Diagnosen der schwersten Hautkrebsart ist erstmals auf über 20.000 gestiegen, wobei jährlich etwa 2.600 Menschen in Großbritannien an Melanomen sterben – das entspricht sieben Todesfällen pro Tag. Experten warnen, dass die kumulative UV-Schädigung durch Trends wie absichtliche Bräunungsstreifen oder die Nutzung von Sonnenliegen massiv zunimmt.

Wissenschaftliche Fakten zu Vitamin D und chemischen Filtern

Ein zentrales Argument der Anti-Sonnencreme-Bewegung ist die Sorge vor einem Vitamin-D-Mangel. Dermatologen weisen jedoch darauf hin, dass dieser Zusammenhang wissenschaftlich nicht haltbar ist. Dr. Anthony Rossi vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center betont die Notwendigkeit der Aufklärung in der Praxis.

Neuer Bericht untersucht Falschinformationen über Sonnencreme auf TikTok
Dr. Anthony Rossi, Memorial Sloan Kettering Cancer Center

Zudem wird häufig zwischen mineralischen und chemischen Filtern unterschieden. Während viele Nutzer „natürliche“ mineralische Produkte bevorzugen, besteht kein Grund, chemische Filter zu meiden. Laut den Forschern „gibt es derzeit keine wissenschaftlichen Anzeichen dafür, dass eine der in ‚chemischen‘ Sonnencremes weit verbreiteten Inhaltsstoffe (z. B. Oxybenzon) der Gesundheit schaden“. Dr.

Dr. Molly Hales, University of Chicago

Hoffnung durch neue FDA-Zulassungen für moderne Filter

Trotz der Desinformation gibt es technologische Fortschritte, die das Vertrauen in den Sonnenschutz stärken könnten. Lange Zeit litt der US-Markt unter minderwertigen Formulierungen im Vergleich zu Europa oder Asien, was die Akzeptanz senkte. Ein Wendepunkt zeichnet sich nun ab, da die FDA kürzlich einen neuen chemischen Filter zugelassen hat – den ersten seit dem Jahr 1999.

Hoffnung durch neue FDA-Zulassungen für moderne Filter

Bei dem neuen Wirkstoff handelt es sich um Bemotrizinol (auch bekannt als Tinosorb S oder BEMT).

  • Breitbandschutz gegen sowohl UVA- als auch UVB-Strahlen.
  • Höhere Photostabilität.
  • Geringere Wahrscheinlichkeit der Absorption in den Blutkreislauf aufgrund der größeren Molekülstruktur.

Diese technologische Entwicklung könnte dazu beitragen, die Argumente der Anti-Sonnencreme-Bewegung zu entkräften, indem sie sicherere und angenehmere Produkte auf den Markt bringt. Für die öffentliche Gesundheit bleibt jedoch die Herausforderung bestehen, die digitale Informationspolitik und die Rolle von Influencern effektiver zu regulieren, um die Prävention von Hautkrebs langfristig zu sichern.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Fragen zu Hautkrebsprävention oder Sonnenschutzprodukten wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder eine dermatologische Fachkraft.

<!– /wp:paragraph Die identifizierten Behauptungen stellen eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar und könnten das Vertrauen in medizinische Ratschläge schädigen.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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