Das Drama In die Sonne schauen
von Mascha Schilinski dominierte am Freitagabend in Berlin den 76. Deutschen Filmpreis und sicherte sich insgesamt zehn Auszeichnungen, darunter die Goldene Lola. Neben den filmischen Erfolgen prägten eine kontroverse Reflexion von Wim Wenders sowie eine massive technische Panne den Abend im Palais am Funkturm.
In die Sonne schauenein neues Meisterwerk kanonisierte, erinnerte ein technischer Totalausfall die Anwesenden an die Fragilität von Live-Events. Das Werk von Mascha Schilinski, das bereits in Cannes für Aufsehen gesorgt hatte, ging als der große Abräumer in die Geschichte ein. Mit elf Nominierungen war der Film der Favorit, und er rechtfertigte diesen Status, indem er fast alle Kategorien fegte. Die Geschichte, die in Sachsen-Anhalt gedreht wurde, verwebt die Leben von vier Frauen aus unterschiedlichen Epochen auf einem Bauernhof. Diese zeitliche Tiefe spiegelt sich in der Breite der Auszeichnungen wider. Laut der Übersicht von rbb24 gewann der Film nicht nur die Goldene Lola für den besten Spielfilm, sondern auch Preise für die beste Regie, das beste Drehbuch sowie in technischen Kategorien wie dem Szenenbild (Cosima Vellenzer und Maike Kiefer), dem Kostümbild und der Tongestaltung.
Senta Berger und die Dynamik zwischen Mutter und Regisseur

Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lückeals beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Die Konstellation hinter den Kulissen machte den Gewinn besonders: Regie führte ihr Sohn Simon Verhoeven. Der Film, eine Adaption des Romans von Joachim Meyerhoff, sicherte sich zudem die Lola in Bronze.
Ich bin erst morgen glücklich. Heute ist es einfach zu viel.Senta Berger, Schauspielerin Die Standing Ovations für Berger waren nicht nur ein Tribut an ihre Karriere, sondern auch an die spezifische Chemie am Set. Wie der BR berichtete, scherzte Verhoeven auf der Bühne darüber, dass es für einen Regisseur nicht unbedingt autoritätsfördernd sei, wenn man am Set ständig
Mamasagen müsse, es in diesem Fall jedoch wunderbar funktioniert habe. Ergänzt wurde der Erfolg des Films durch Michael Wittenborn, der als bester Nebendarsteller geehrt wurde.
Wim Wenders und die moralische Neubewertung von 1975
Falsche Bewegungaus dem Jahr 1975, in der die damals 13-jährige Nastassja Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen ist.
Das würde ich heute nie mehr so machenWim Wenders, Regisseur Wie DIE ZEIT berichtet, räumte Wenders ein, dass er Schwierigkeiten damit habe, Filme nachträglich zu bearbeiten. Dennoch suchte er den Diskurs und bat die Filmakademie explizit um eine Diskussion über dieses Thema, insbesondere unter Einbeziehung jüngerer Generationen. Dieser Moment markierte den analytischen Kern des Abends: die Erkenntnis, dass künstlerische Freiheit der 70er Jahre heute an anderen ethischen Maßstäben gemessen wird.
Technische Pannen und politische Spannungen
nochmal neu ansetzt. Laut T-Online war die Verwirrung groß, bis die Übertragung mit dem Hinweis
Es geht gleich weiter!wieder anlief. Neben der Technik gab es auch politische Reibungspunkte. Ingo Fliess, Produzent des Politthrillers
Gelbe Briefe(Lola in Silber), nutzte seine Rede, um Kritik an den Vorgängen rund um den Buchhandlungspreis zu äußern. Dass er dies in Gegenwart von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer tat, unterstrich seine Aussage über die Freiheit in Deutschland, Befremden und Fassungslosigkeit ohne Angst vor Sanktionen äußern zu können.
Die weiteren Gewinner und das System der Filmakademie

Das Verschwinden des Josef Mengeleals bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde. Das Geschichtsdrama, eine BR-Koproduktion, beleuchtet die Flucht des NS-Lagerarztes nach Südamerika. Die Vergabe der Preise folgt einem System, das an die US-amerikanischen Oscars erinnert. Wie n-tv erläuterte, stimmten rund 2.400 Mitglieder der Deutschen Filmakademie über die Preisträger ab. Die Verteilung der Hauptpreise lässt sich wie folgt zusammenfassen:
| Auszeichnung | Gewinner / Film | Besonderheit |
|---|---|---|
| Goldene Lola | In die Sonne schauen | 10 Preise insgesamt |
| Silberne Lola | Gelbe Briefe | Politthriller über Repression |
| Bronzene Lola | Ach, diese Lücke… | Buchverfilmung von J. Meyerhoff |
| Beste Hauptdarstellerin | Senta Berger | 85 Jahre alt |
| Bester Hauptdarsteller | August Diehl | In einer BR-Koproduktion |
In die Sonne schauenein Signal, dass anspruchsvolle, zeitübergreifende Erzählweisen derzeit den höchsten Stellenwert genießen.