Zum Inhalt springen
Welt

Russland: Hyperschallangriff auf Kiew löst innere Kritik aus

Am vergangenen Wochenende verübte Russland einen massiven Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew, bei dem unter anderem die neue Hyperschallrakete Oreschnik zum Einsatz kam. Der Angriff, der laut ukrainischen Behörden mindestens vier Menschen tötete, markiert eine neue Eskalationsstufe und löst auch innerhalb russischer Militärkreisen heftige Kritik aus.

Massive Zerstörung in Kiew und die neue Dimension der Angriffe

Die Nacht von Samstag auf Sonntag war geprägt von einem Ausmaß an Explosionen, das die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt erschütterte. Wie zeit.de beschreibt, war niemand in Kiew überrascht, als die ersten Drohnen und Raketen eintrafen. Die Druckwellen ließen Wohnhäuser beben, zerbarsten unzählige Fenster und verwüsteten die Infrastruktur der Stadt. Unter den Schäden befinden sich eine ausgebrannte Markthalle sowie ein vollständig zerstörtes Museumsgebäude. Während die Zahl der Toten mit vier Opfern vergleichsweise gering blieb, führten die Fluchtbewegungen in U-Bahn-Stationen und Tiefgaragengalerien dazu, dass viele Menschen den Schlägen entgehen konnten. Trotz der massiven Verteidigungsbemühungen gelang es der ukrainischen Luftabwehr nicht, alle Geschosse abzufangen. Ein Arsenal aus Ch-101-Marschflugkörpern, Iskander-M/S-400, Ch-47M2 Kinzhal, 3M22 Zirkon und der Hyperschallrakete Oreschnik traf die Stadt. Die Verteidigungslinien konnten zwar 44 der 54 eingesetzten Ch-101 und 11 der 30 M/S-400 abfangen, doch ein Teil der Raketen und mehrere dichte Drohnenformationen durchbrachen die Sperren.

Ein teurer Schlag gegen die eigenen Reserven

Hinter der militärischen Demonstration steht eine enorme finanzielle Belastung für den russischen Staatshaushalt. Ein Paket aus Raketen und Drohnen kostete laut fr.de rund 311,75 Millionen €. Allein die für den Einsatz der Hyperschallrakete Oreschnik aufgewendeten Mittel beliefen sich auf 43,08 Millionen €. Dieser massive Einsatz von Feuerkraft steht in einem auffälligen Kontext zur vergangenen Zeit:
  • Im Mai 2025 feuerte Russland insgesamt 83 Raketen ab.
  • Am vergangenen Wochenende übertraf Moskau diese Zahl mit einem einzigen Schlag auf 90 Raketen.
  • Die Oreschnik-Rakete wurde bei diesem Angriff zum dritten Mal im bisherigen Kriegsverlauf eingesetzt.
Kritiker sehen in dieser Strategie ein „Plündern der Kriegskasse“, um eine politische Botschaft zu senden, während die langfristigen Auswirkungen auf die russischen Raketenreserven ungewiss bleiben.

Kritik aus dem Kreml-Lager: „Teures Eisen im Boden“

Während der Westen die Eskalation verurteilt, regt sich auch innerhalb Russlands Unmut. Die Entscheidung, die hochmoderne Oreschnik-Rakete einzusetzen, hat laut merkur.de sogar im Kreml-Lager für Wut gesorgt. Prorussische Militärblogger werfen der Führung vor, teure Spektakel ohne echten militärischen Nutzen zu inszenieren.

„einfach nur sehr teures Eisen in den Boden“.

Ein teurer Schlag gegen die eigenen Reserven
cluster (priority): DIE ZEIT
Russland bereitet Sturm auf Kiew vor / neue Verhandlungen / Flucht-Korridore | ZDF spezial
Andere Beobachter, wie der Blogger Anatolij Radov, sehen in den „teuren Vergeltungsschlägen“ lediglich einen Versuch, von den katastrophalen Engpässen an der Front abzulenken. Dort fehle es laut seiner Einschätzung massiv an Soldaten und Drohnen. Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) stützt diese Analyse der Ablenkungsstrategie. Es weist darauf hin, dass Russland Angriffe auf die Ukraine in der Vergangenheit häufig verstärkt hat, um von eigenen Rückschlägen abzulenken – ein Muster, das bereits während der ukrainischen „Operation Spiderweb“ im Juni 2025 sichtbar wurde. Zudem wird vermutet, dass Moskau versucht, die aktuelle Knappheit westlicher Patriot-Abfangraketen gezielt auszunutzen.

Diplomatische Eskalation und Drohungen mit Massenvernichtungswaffen

Die politische Rhetorik hat eine gefährliche Schärfe erreicht. Wie welt.de meldete, dass der Chef des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, mit dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen drohte, sollten Angriffe gegen die russische Zivilbevölkerung anhalten.

„Das alles kann dazu führen, dass wir die Waffe einsetzen, die von niemandem mehr eine Spur übrig lässt“.

Diplomatische Eskalation und Drohungen mit Massenvernichtungswaffen
cluster (priority): WELT
Auslöser für diese Drohungen war ein Drohnenangriff auf ein Wohnheim in Starobilsk im besetzten Gebiet Luhansk, bei dem laut russischen Behörden 21 Zivilisten ums Leben kamen. Die ukrainische Generalstabsführung widersprach dem und gab an, dass der Angriff gezielt einer russischen Drohneneinheit galt. Die internationale Gemeinschaft reagierte prompt auf die verbalen Drohungen und die militärische Eskalation. Sowohl die Bundesregierung als auch die EU bestellten russische Vertreter vor. Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas bezeichnete die russische Rhetorik und die Aufforderung an Diplomaten, Kiew zu verlassen, als eine inakzeptable Eskalation. Gleichzeitig informierte der russische Außenminister Sergej Lawrow den US-Außenminister Marco Rubio über mögliche weitere Angriffe, um die Evakuierung von US-Bürgern zu forcieren.
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.