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Reiche schafft Einspeisevergütung ab

Die Energiewende in Deutschland droht an einer bürokratischen und finanziellen Hürde zu scheitern, die Millionen von Menschen betrifft, die keine eigenen Dachziegel besitzen. Das Bundeswirtschaftsministerium plant, die feste Einspeisevergütung für kleine Solaranlagen abzuschaffen. Was auf den ersten Blick wie eine technische Anpassung der Förderstruktur wirkt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als massiver Schlag gegen das Modell des Mieterstroms. Wenn die Rendite wegbricht, bleiben die Dächer in unseren Städten leer – und die Mieter ohne Zugang zu bezahlbarem Solarstrom.

Das Kalkül der Rendite: Warum kleine Anlagen aussteigen

Im Zentrum des Konflikts steht eine einfache mathematische Gleichung. Immobilienbesitzer investieren nicht aus reinem Altruismus in Photovoltaik; sie rechnen mit einer Rendite. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die exklusiv dem Handelsblatt vorliegt, liegt die kritische Schwelle für die Umsetzung solcher Projekte bei etwa zwei Prozent. Sinkt die Erwartung darunter, wird das Projekt in der Schublade gelassen. Eine ideale Rendite von vier Prozent hingegen macht den Ausbau fast schon zum Selbstläufer.

Bisher half die Einspeisevergütung dabei, diese Hürden zu nehmen. Besonders bei großen Komplexen mit rund 150 Wohneinheiten war dies der Fall. Aber auch bei kleineren Gebäuden ab 30 Einheiten war mit einer Rendite von 2,8 Prozent noch ein Spielraum vorhanden. Ohne diese staatliche Stütze kippt das Blatt. Die Ökonomen des IW warnen, dass Gebäude mit 30 oder weniger Wohnungen sogar mit negativen Renditen rechnen müssten. Das bedeutet im Klartext: Wer ein kleineres Mietshaus besitzt, wird sich eine Solaranlage kaum noch leisten wollen, da sie zum Verlustgeschäft wird.

Der Mieterstrom-Check Bei diesem Modell verkauft der Vermieter den auf dem Dach erzeugten Strom direkt an die Bewohner des Hauses, meist zu Preisen, die unter den Tarifen der großen Netzbetreiber liegen.

Eine soziale Schieflage in der Energiewende

Hier zeigt sich eine bittere Ironie. Während Eigenheimbesitzer oft die Mittel und die Motivation haben, ihre Energieversorgung autark zu gestalten, hängen Mieter von den Entscheidungen ihrer Vermieter ab. Sönke Tangermann von Green Planet Energy bringt es auf den Punkt: Der Zugang zu günstigem Solarstrom bricht genau dort weg, wo er am dringendsten gebraucht wird. Wenn die Förderung fällt, werden Millionen Menschen faktisch von der Energiewende ausgeschlossen.

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Das Potenzial ist gewaltig. Technisch könnten heute bis zu 20 Millionen Wohngebäude von Mieterstrommodellen profitieren. Doch Technik allein baut keine Anlagen. Wenn die wirtschaftliche Attraktivität schwindet, bleibt die Hardware im Lager. Die Energiewende droht so zu einem Privileg für Hausbesitzer zu werden, während die Bewohner von Mehrfamilienhäusern weiterhin den vollen Preis für Strom aus dem Netz zahlen.

Direktvermarktung als schwacher Trost

Das IW schlägt als Alternative die sogenannte Direktvermarktung vor. Dabei wird der Strom nicht über eine feste Vergütung, sondern direkt am Markt verkauft. Doch diese Option ist kein Allheilmittel. Die Ökonomen stellen klar, dass die Renditen bei der Direktvermarktung spürbar niedriger ausfallen als bei der klassischen Einspeisevergütung. Es ist ein Tausch von einer stabilen Garantie gegen ein Marktrisiko, das viele kleinere Vermieter abschrecken dürfte.

Wir sehen uns hier mit einer gefährlichen Dynamik konfrontiert. Die Politik will die Kosten der Förderung senken, riskiert dabei aber den Stillstand bei einer der wichtigsten Säulen der urbanen Energiewende. Wenn die Rentabilität für den Vermieter stirbt, stirbt auch die Chance auf günstigen Strom für den Mieter.

Was bedeutet die Abschaffung der Einspeisevergütung konkret?

Der Staat plant, die feste Zahlung pro Kilowattstunde für den in das Netz eingespeisten Strom kleiner Anlagen zu streichen. Das entzieht vielen Projekten die finanzielle Sicherheit und macht die Investition für Vermieter unattraktiv.

Welche Gebäude sind am stärksten betroffen?

Besonders hart trifft es kleinere Mehrfamilienhäuser mit 30 oder weniger Wohneinheiten. Hier könnten die Renditen laut IW sogar in den negativen Bereich rutschen, was eine Realisierung der Anlagen nahezu unmöglich macht.

Welche langfristigen Folgen hat dieser Plan für die Mieter?

Mieter könnten den Zugang zu günstigerem Solarstrom verlieren. Da viele nicht über eigene Anlagen verfügen, sind sie auf die Initiative ihrer Vermieter angewiesen. Ohne Förderung sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Solaranlagen auf Mietshäusern installiert werden, was die Energiekosten für Millionen Menschen hochhält.

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Johann Falk

Über den Autor

Johann Falk ist Chief Editor von Germanic Nachrichten und verantwortet die redaktionelle Linie, Themenauswahl und finale Qualitaetssicherung der Veroeffentlichung. Sein Schwerpunkt liegt auf klarer, verifizierter und schnell einordenbarer Berichterstattung fuer ein deutschsprachiges Publikum.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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