Der TSV 1860 München droht am 3. Juni 2026 die Lizenz für die 3. Liga zu verlieren, da dem Verein rund 2,7 Millionen Euro fehlen. Investor Hasan Ismaik kündigte den Darlehensvertrag einseitig, woraufhin der Klub die Notgeschäftsführung einleitete und sämtliche Gehaltszahlungen vorerst einstellte.
Es ist ein Szenario, das die Fans der Löwen wie ein schlechter Traum aus der Vergangenheit zurückholt. Während der Verein eigentlich die 60-jährige Meisterschaft von 1966 feiern möchte, steht der Traditionsklub erneut am finanziellen Abgrund. Die Situation ist nicht bloß eine interne Machtprobe, sondern ein Wettlauf gegen die Uhr, bei dem es um die reine Existenz im Profifußball geht.
Die Deadline am 3. Juni und das finanzielle Loch
Die Fakten sind brutal: Bis zum 3. Juni, 12 Uhr, muss der TSV 1860 München den Liquiditätsnachweis beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) erbringen. Laut Informationen von BILD fehlen dem Verein derzeit etwa 2,7 Millionen Euro, um die Auflagen für die Drittliga-Lizenz der Saison 2026/27 zu erfüllen.
Was diese Summe so kritisch macht, ist die fehlende Zeit. Es geht nicht mehr um strategische Budgetplanungen, sondern um die harte Bedingung des Verbandes. Ohne diesen Nachweis folgt der automatische Absturz in die Regionalliga Bayern. Präsident Gernot Mang versucht zwar, die Lage nach außen hin zu relativieren und bezeichnet den Nachweis als regelmäßig wiederkehrenden Vorgang, doch die interne Realität sieht weitaus düsterer aus.
Ismaiks Kündigung und der Stopp der Gehälter
Der Auslöser für das aktuelle Chaos ist eine radikale Entscheidung des Mehrheitsgesellschafters. Wie SZ.de berichtet, hat Hasan Ismaik über seine Gesellschaft HAM International Limited den Darlehensvertrag zum 21. Mai einseitig gekündigt. Die Begründung: angebliche Verstöße der Geschäftsführung gegen Berichterstattungspflichten.

Die Reaktion der Vereinsführung war unmittelbar und drastisch.
Wir weisen die Kündigung als unwirksam zurück. Wir können aufgrund der Kündigung und der aufgestellten Forderungen nicht mehr von einer Durchfinanzierung ausgehen und wechseln vorsorglich in die Notgeschäftsführung. Wir können bis auf Weiteres keine Zahlungen leisten, auch keine Gehaltszahlungen.
Dass nun sogar die Gehaltszahlungen gestoppt wurden, signalisiert eine Eskalationsstufe, die weit über die üblichen internen Streitigkeiten beim TSV hinausgeht. Es ist ein faktischer Zahlungsstopp, der den Druck auf Ismaik erhöhen soll, aber gleichzeitig die Stabilität des gesamten Kaders gefährdet.
Die Bedingungen für eine Rettung durch HAM International
Trotz der Kündigung gibt es einen theoretischen Ausweg. HAM International sucht derzeit nach einer Ersatzfinanzierung, um die Lizenz doch noch zu sichern. Doch diese Rettung ist an einen hohen Preis geknüpft. Laut Merkur gibt es sieben relevante Bedingungen, die erfüllt werden müssen.
Eine der zentralen Forderungen ist, dass der e. V. auf sein Vorkaufsrecht beim Anteilskauf verzichtet.
- Neun Prozent der Anteile an der KGaA.
- 30 Prozent der Anteile an der TSV 1860 Merchandising GmbH.
- Die entsprechenden Gewinnansprüche an der Merchandising-Gesellschaft.
Hier zeigt sich die strategische Dimension des Konflikts. Es geht nicht nur um 2,7 Millionen Euro, sondern um die Kontrolle und die rechtlichen Hebel innerhalb der Vereinsstruktur.
Das sportliche Risiko: Nur acht Verträge für die 4. Liga
Sollte die Rettung scheitern, wäre der sportliche Absturz verheerend. Ein Zwangsabstieg in die Regionalliga Bayern würde das aktuelle Mannschaftsgefüge innerhalb von Tagen auflösen. Das Problem ist rechtlicher Natur: Aktuell besitzen nur acht Spieler gültige Verträge, die auch in der vierten Liga Bestand hätten.
Ein solcher Szenario-Wechsel würde höchstwahrscheinlich auch das Ende der Zusammenarbeit mit Trainer Markus Kauczinski bedeuten. Der Verein müsste sich quasi über Nacht neu aufstellen. Die einzige positive Nachricht in diesem Chaos ist die erfolgreiche U21, die als Meister der Bayernliga Süd bereitsteht und intern als Basis für einen möglichen Neustart betrachtet wird.
Das Trauma von 2017 und die 50+1-Strategie
Für viele Beobachter ist die aktuelle Lage eine fast exakte Kopie des „schwarzen Freitags“ vom 2. Juni 2017. Damals verweigerte Ismaik ebenfalls die finanzielle Unterstützung, was den Verein in die Regionalliga stürzte. Es ist ein Muster, das sich wiederholt: Finanzielle Abhängigkeit, plötzlicher Entzug der Mittel und die daraus resultierende existenzielle Not.
Im Hintergrund steht Ismaiks langfristiges Ziel, die 50+1-Regel zu kippen, um mehr Macht im Verein zu erlangen. Doch während der Wert seiner Anteile bei einem Abstieg massiv sinken würde, scheint die rechtliche Front durch das Bundeskartellamt, das die Regel weiterhin für zulässig hält, fest gefahren zu sein.
Die Löwen befinden sich in einer paradoxen Situation: Sie sind auf den Mann angewiesen, der sie gerade in den Abgrund treibt. Ob die Gespräche des e. V., die laut eigener Aussage noch andauern, bis zum 3. Juni zu einem Ergebnis führen, bleibt die alles entscheidende Frage. Bis dahin herrscht im Grünwalder Stadion nicht die Stimmung einer Meisterschaftsfeier, sondern die eines finanziellen Überlebenskampfes.