Tausende Menschen demonstrierten am Freitag, den 16. Oktober 2026, in sieben österreichischen Landeshauptstädten für entschlossenere Klimaschutzmaßnahmen. Nach Angaben der Veranstalter von Fridays for Future nahmen allein in Wien rund 10.000 Personen an dem Protest teil, der als Reaktion auf die Hitzerekorde des vergangenen Sommers stattfand und den Stopp fossiler Großprojekte forderte. Insgesamt seien bei allen Demonstrationen in Österreich rund 15.000 Menschen auf die Straße gegangen.
Proteste in sieben Bundesländern nach Hitzerekorden
Unter dem Motto Ohne Klimaschutz ist alles nix!
mobilisierte die Klimabewegung am Freitag landesweit. Während Wien mit einem Aufmarsch vom Praterstern, der um 14.30 Uhr startete, den größten Zulauf verzeichnete, fanden auch in Graz, Salzburg, Linz, Innsbruck, Bregenz und Klagenfurt Kundgebungen statt. Lediglich in Niederösterreich und im Burgenland blieb es nach Angaben der Bewegung ruhig. In Innsbruck versammelten sich rund 700 Personen, um vom Marktplatz durch die Innenstadt bis zum Landhausplatz zu ziehen. In Linz registrierte die Polizei etwa 350 Teilnehmende, während in Salzburg rund 400 Personen den Protestmarsch begleiteten, der am Hauptbahnhof begann und über den Mirabellplatz und die Staatsbrücke zum Residenzplatz führte. In Salzburg wurde mit der Aktion zudem die dortige Untergruppe der Organisation neu gegründet.
Die Aktivisten begründeten die erneute Mobilisierung mit den direkten Folgen der Erderhitzung, die im Sommer 2026 deutlich spürbar waren. In einer Aussendung wies die Organisation auf eine Reihe von Belastungen hin, darunter überhitzte Wohnungen, die den Schlaf unmöglich machen, sowie überlastete Krankenhäuser und Bildungseinrichtungen. Zudem wurden Ernteausfälle auf trockenen Feldern und der Zusammenbruch von Personen auf Baustellen als Anlass für den Protest angeführt.
Forderungen an die Bundesregierung und Kritik am Klimagesetz
Die zentralen Forderungen der Bewegung richten sich auf eine verbindliche Verankerung der Klimaneutralität bis 2040 im Klimagesetz. Zudem verlangt die Gruppe einen beschleunigten Klimafahrplan, der nicht erst Ende 2027 vorliegen soll, sowie einen sofortigen Stopp aller fossilen Großprojekte. Unterstützung erhielt die Bewegung von Umweltorganisationen wie dem WWF und Greenpeace.
Jasmin Duregger von der Umweltschutzorganisation Greenpeace betonte, dass der mutige Schritt hin zu heimischen, erneuerbaren Energien notwendig sei, um Energie für alle leistbar zu machen. Gleichzeitig warnte die NGO Global 2000 vor den ökologischen Folgen des KI-Booms. Hannah Keller, Klima- und Energiesprecherin der NGO, forderte einen Stopp beim Bau neuer Rechenzentren, da diese immense Mengen an Wasser und Strom verbrauchen und den Ausstieg aus Öl und Gas verzögern würden. Laut Keller seien die für den KI-Ausbau notwendigen Strommengen aktuell nicht aus erneuerbaren Quellen verfügbar. Das bestehende Klimagesetz bezeichneten Aktivisten in der Ankündigung des Streiktages als nach wie vor zahnlos
.

Verkehrsbehinderungen in Graz und Salzburg
In mehreren Städten beeinflussten die Demonstrationszüge den Nachmittagsverkehr. Die Route führte über den Bahnhofgürtel, Eggenberger Gürtel, Lazarettgürtel, die Triester Straße, den Weblinger Gürtel, den Verteilerkreis Webling, die Kärntner Straße, Lazarettgasse, Elisabethinergasse, Volksgartenstraße und Lendplatz bis zur Mariahilfer Straße und dem Mariahilferplatz, wo ab 18.15 Uhr die Abschlusskundgebung stattfand. Nachdem Veranstalter ursprünglich eine Route über die Pyhrnautobahn A9 angedeutet hatten, stellte die Polizei klar, dass eine solche Fahrt nicht genehmigt war und nicht stattfinden würde. Die Polizei kündigte vorübergehende Verkehrsanhaltungen an, insbesondere auf den Gürtelfahrbahnen sowie der Triester und Kärntner Straße.
Die Demonstration begann um 16.00 Uhr am Hauptbahnhof. Auch in Wien kam es aufgrund der Demonstration, die am Praterstern begann und mit einer Kundgebung inklusive Musik-Acts am Maria-Theresien-Platz endete, zu temporären Straßensperren im Bereich der Ringstraße und der Innenstadt, wovor der ÖAMTC bereits im Vorfeld warnte.
Beteiligung der pro-palästinensischen Gruppe in Salzburg
Ein besonderes Merkmal der Salzburger Kundgebung war die Teilnahme der pro-palästinensischen Organisation Voice for Palestine
. Auf Nachfrage erklärten die Organisatoren, dass die Kriegsmaschinerie
massive Ressourcen binde und durch ihre Zerstörungskraft wesentlich zur Klimakatastrophe beitrage. Neben dieser Gruppe beteiligten sich in Salzburg auch Initiativen wie Platz für Salzburg
, Plant-based Universities
, Students for Palestine
und Aktion kritischer Schüler:innen mit Reden an der Veranstaltung. Diese Verknüpfung der Anliegen war Teil eines Tages, an dem die Klimabewegung versuchte, nach den großen Mobilisierungen der Jahre 2019 und 2020 wieder verstärkt als politische Kraft wahrgenommen zu werden.

Auch interessant