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SVP baut Führung laut SRG-Wahlbarometer deutlich aus

Ein Jahr vor den eidgenössischen Wahlen 2027 baut die SVP ihre Führungsposition laut dem aktuellen SRG-Wahlbarometer deutlich aus. Mit 29,9 Prozent der Stimmen erreicht die Partei einen historischen Höchstwert, während die bürgerlichen Traditionsparteien FDP und Mitte an Rückhalt verlieren. Die Umfrage deutet auf eine zunehmende politische Polarisierung in der Schweiz hin.

SVP auf Rekordkurs und die Dynamik der Parteienlandschaft

Wären heute Nationalratswahlen, würde die Schweizerische Volkspartei (SVP) mit 29,9 Prozent als klare Siegerin hervorgehen. Das vom Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag der SRG erstellte Wahlbarometer zeigt, dass die Partei seit Oktober 2023 den deutlichsten Zuwachs verzeichnet hat. Zwar liegt ihr Prognose-Höhepunkt von 30,4 Prozent aus dem Oktober 2025 bereits hinter ihr, doch festigt die SVP ihre Position als stärkste Kraft des Landes deutlich.

Während die SVP ihre Basis festigt, verzeichnet das rot-grüne Lager ebenfalls Gewinne. Die SP klettert auf 19,3 Prozent (+1 Prozentpunkt), was ihr bestes Ergebnis seit 2007 markieren würde. Politologe Michael Hermann vom Forschungsinstitut Sotomo, der das Projektteam gemeinsam mit Sarah Bütikofer, Elia Heer und Simon Stückelberger leitet, ordnet die Entwicklung als Ausdruck einer wachsenden Polarisierung ein. Rechts gewinnt die SVP, links Rot-Grün, während die bürgerlichen Traditionsparteien dazwischen an Boden verlieren. Von einer erneuten «grünen Welle» nach dem Hitzesommer 2026 könne dennoch keine Rede sein; vielmehr sei die aktuelle Lage für die Grünen ein «Kämpfen aus dem Tal» nach Verlusten bei kantonalen Wahlen.

SVP baut Führung laut SRG-Wahlbarometer deutlich aus
Foto: NZZ

Die GLP rutscht gemäss der Umfrage auf 7,1 Prozent (-0,5 Prozentpunkte). Laut Sotomo ist dieser Rückgang jedoch angesichts des Fehlerbereichs von ±1,2 Prozentpunkten eher als eine Stabilisierung nach den Verlusten der vergangenen Jahre zu werten. Die EVP hingegen verzeichnet einen Anstieg auf 2 Prozent.

FDP und die Mitte im Kampf um den dritten Platz

Für die bürgerlichen Traditionsparteien ist das Stimmungsbild herausfordernd. Die Mitte verliert 1,5 Prozentpunkte und kommt auf 12,6 Prozent, während die FDP mit 13,3 Prozent (-1 Prozentpunkt) ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei Nationalratswahlen riskieren würde. Historisch betrachtet haben die Vorgängerparteien dieser beiden Gruppierungen – FDP, Liberale und CVP – Anfang der 1990er-Jahre noch über 40 Prozent der Stimmen erreicht; aktuell kommen sie gemeinsam nur noch auf knapp 26 Prozent.

Die Mitte hatte angekündigt, einen zweiten Sitz zu beanspruchen, sollte sie 2027 die FDP überholen, wobei sie auf Unterstützung aus dem linken Lager hoffen könnte. FDP-Co-Präsident Benjamin Mühlemann, der die Partei gemeinsam mit Susanne Vincenz-Stauffacher führt, bedauert die zunehmende Polarisierung und stellt fest, dass seine Partei diesbezüglich noch Arbeit vor sich habe. Er betonte, dass die Umfrage nichts an der Ausgangslage ändere, da für die Bundesratswahlen das Wahlergebnis im Oktober 2027 massgeblich sei.

Wichtigste politische Herausforderungen und Themen

Die Bevölkerung identifiziert verschiedene Herausforderungen als prioritär. Die Krankenkassenprämien stehen mit 39 Prozent an erster Stelle, gefolgt vom Klimawandel (36 Prozent). Asylpolitik und die Beziehungen zur Europäischen Union folgen mit je 26 Prozent. Dabei zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede: Frauen nennen den Klimawandel (40 Prozent) und die Krankenkassenprämien (41 Prozent) häufiger als Männer. Bei der Wahrnehmung der Klimadringlichkeit zeigen sich tiefe Gräben: Während 90 Prozent der Grünen-Wählerschaft das Thema als prioritär einstufen, sind es bei der SVP-Basis lediglich 5 Prozent.

SVP baut Führung laut SRG-Wahlbarometer deutlich aus
Foto: SRF

Obwohl die Zuwanderung als Kernthema der SVP gilt, brennt sie den Menschen laut den Ergebnissen deutlich weniger stark unter den Nägeln als noch bei den Wahlen 2023. Dass die SVP dennoch profitiert, lässt sich laut den Experten nicht allein mit der Themenkonjunktur erklären. Bei der SVP selbst zählen Asyl (69 Prozent) und Zuwanderung (63 Prozent) zu den wichtigsten Themen, während bei FDP-Wählern die Wirtschaft (61 Prozent) dominiert und bei der Mitte die Krankenkassenprämien (47 Prozent) am stärksten ausschlagen.

Popularität der Parteipräsidien und öffentliche Wahrnehmung

Die Parteibasis bewertet den Einfluss ihrer Führungspersonen unterschiedlich. 56 Prozent der SVP-Basis sehen in Parteichef Marcel Dettling einen Trumpf für die Partei. Bei der Mitte bewerten hingegen nur 39 Prozent der Anhänger den Parteipräsidenten Philipp Matthias Bregy als Zugpferd, was weit unter den 62 Prozent liegt, die sein Vorgänger Gerhard Pfister einst erreichte. Das FDP-Duo Susanne Vincenz-Stauffacher und Benjamin Mühlemann wird von 34 Prozent der eigenen Wähler als positiv für die Wahlchancen beurteilt; ihr Vorgänger Thierry Burkart kam im Vorjahr noch auf 58 Prozent.

SVP baut Führung laut SRG-Wahlbarometer deutlich aus
Foto: Schweiz heute

Im Bereich der Bundesräte führt Finanzministerin Karin Keller-Sutter (FDP) das Einfluss-Ranking mit 63 Prozent an, gefolgt von Umweltminister Albert Rösti (SVP) mit 53 Prozent. Ein grosser Aufsteiger im Ranking ist Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP), dessen Einfluss mit 42 Prozent bewertet wird – ein Plus von 25 Prozentpunkten. Sein Rücktritt wurde erst nach der Erhebung der Umfrage angekündigt.

Die Datenerhebung fand zwischen dem 10. und 23. September 2026 unter 25.092 Stimmberechtigten statt. Bei der Analyse wurden statistische Gewichtungsverfahren angewandt, um die Stichprobe den soziodemografischen Merkmalen der Bevölkerung anzupassen. Der Stichprobenfehler beträgt bei einem beobachteten Prozentsatz von 50 Prozent +/- 1,2 Prozentpunkte.

Zum Austausch über diese Ergebnisse begrüsste Sandro Brotz am 16. Oktober 2026 in der «Arena» diverse politische Akteure: Manuel Strupler (SVP), Mattea Meyer (SP), Benjamin Mühlemann (FDP), Philipp Matthias Bregy (Die Mitte), Greta Gysin (Grüne) und Patrick Hässig (GLP). Trotz der Umfragewerte bleibt der Ständerat ein wichtiger Faktor: Dort halten FDP und Mitte zusammen fast 60 Prozent der Sitze, während die SVP lediglich auf 13 Prozent kommt. Wer nur auf die Nationalratswahlen schaue, übersehe die weiterhin starke Vertretung der bürgerlichen Parteien in der kleinen Kammer.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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