120.000 Menschen versammelten sich am Freitagabend auf dem Wiener Heldenplatz, um die 75. Ausgabe der Wiener Festwochen unter dem Motto „Republic of Gods“ feierlich zu eröffnen. Die Großveranstaltung markierte eine symbolträchtige Rückkehr auf den geschichtsträchtigen Platz, geprägt durch einen kraftvollen Auftritt der Punk-Ikone Patti Smith.
Die Verschiebung zum Heldenplatz: Logistik trifft auf Symbolik
Die traditionelle Heimat für den Auftakt der Wiener Festwochen ist der Rathausplatz. Doch für diese Jubiläumsausgabe musste das Team um Intendant Milo Rau auf den geschichtsträchtigen Heldenplatz ausweichen. Der Grund dafür war rein organisatorischer Natur: Vor dem neugotischen Machtzentrum der Wiener Kommunalpolitik war bis zum vergangenen Wochenende das Fan-Village des Eurovision Song Contest untergebracht, was für einen schnellen Umbau nicht ausreichend Zeit gelassen hätte.

Diese zeitliche Verschiebung um eine Woche nach hinten brachte jedoch einen unerwarteten Vorteil mit sich. Während die Community des Song-Contests in der Vorwoche noch mit Regen und Kälte zu kämpfen hatte, wurde das Eröffnungspublikum der 120.000 Besucherinnen und Besucher von einem milden Frühsommerabend gesegnet. Die Wetterbedingungen schienen der „Republic of Gods“ sichtlich wohlgesonnen zu sein.
Patti Smith: Ein Triplett der Punk-Geschichte
Der absolute Höhepunkt des Abends war die Anwesenheit von Patti Smith, der mittlerweile 79-jährigen US-Musikikone. Für Smith war der Auftritt auf dem Heldenplatz der krönende Abschluss eines besonderen Triplets in Wien: Nach Auftritten im kleinen Theater Akzent am Dienstag und in der Arena am Donnerstag vollendete sie ihre Trilogie am Freitag.
Trotz ihres Alters überzeugte Smith mit einer beeindruckend kraftvollen Stimme. Ihr Set bot eine Mischung aus zeitlosen Klassikern und politisch aufgeladenen Momenten.
- People Have The Power
- Because The Night
- Peaceable Kingdom
Besonders emotional war der Moment, als Smith den Song Peaceable Kingdom spielte, den sie 2003 für die Palästinenser geschrieben hatte. Sie widmete das Stück „allen Kindern, die unter Krieg, Hunger, Armut und Gewalt leiden“. Die als Godmother of Punk apostrophierte Künstlerin bewies damit einmal mehr, dass ihre Kunst untrennbar mit ihrem sozialen Engagement verbunden ist.
„Republic of Gods“: Kunst als politisches Statement am Heldenplatz
Die Wahl des Veranstaltungsortes war weit mehr als eine logistische Notwendigkeit; sie war eine bewusste Inszenierung des politischen Raums. Milo Rau nutzte die historische Schwere des Heldenplatzes, um die Bedeutung der Kunst in der Gesellschaft zu unterstreichen.

Mit diesen Worten konfrontierte Rau das Publikum direkt mit der Ambivalenz des Ortes und leitete den, wie er es nannte, „Gottesdienst der Kunst“ ein. Die Eröffnungsshow, die zwischen der Punk-Göttin Patti Smith und dem Heiler Braco changierte, unterstrich das Motto der 75. Ausgabe: „Republic of Gods“.
Musikalisch wurde das Programm von Herwig Zamernik, bekannt als Fuzzman, geleitet und zeichnete sich durch einen bunten Stilmix aus. Den Auftakt bildete die eigens komponierte Ode „Oh Wien“, begleitet vom Wiener Schmusechor und einer speziell zusammengestellten Festivalband, die mit Fantasiefahnen für eine dauerhaft volle Bühne sorgten. Die Kombination aus politischer Schwere und feierlicher Euphorie setzte einen hohen Standard für das, was die Wiener Festwochen in diesem Jubiläumsjahr noch vorhaben.