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ZHAW-Studie: 45 Prozent der Schweizer haben kaum Reserven

Fast die Hälfte der Bevölkerung in der Schweiz verfügt bei einem plötzlichen Einkommensausfall über finanzielle Reserven von höchstens drei Monaten. Dies zeigt eine repräsentative Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, für die im Juni 2026 insgesamt 963 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren online befragt wurden. An der Untersuchung waren zudem die Bank Cler und Netcetera beteiligt, wie der Tages-Anzeiger berichtet.

Schweizer Sparer riskieren Liquiditätslücken

Obwohl die Schweiz traditionell als Sparnation gilt, offenbart die Untersuchung eine deutliche Lücke bei der tatsächlichen Liquidität. Rund 83 Prozent der Befragten legen zumindest gelegentlich Geld auf die Seite. Immerhin 43 Prozent tun dies regelmässig.

Rund 15 Prozent der Teilnehmenden besitzen gar keine flüssigen Rücklagen für Notfälle. Weitere 30 Prozent können mit ihren Ersparnissen ein bis drei Monate überbrücken. Zusammengerechnet hätten knapp 45 Prozent der Befragten nach drei Monaten ohne Lohn oder Einkommen ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten, ihren bisherigen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Demgegenüber gibt gut ein Viertel an, mehr als ein Jahr ohne Einnahmen auskommen zu können.

ZHAW-Studie: 45 Prozent der Schweizer haben kaum Reserven
Foto: Tages-Anzeiger

Gutverdiener kämpfen mit Alltagssorgen

Die Studienergebnisse verdeutlichen laut 20 Minuten, dass ein hohes Einkommen keinen automatischen Schutz vor knappen Rücklagen bietet. Selbst unter Haushalten mit einem monatlichen Einkommen von mindestens 10'000 Franken verfügt gut jede vierte Person über liquide Mittel, die höchstens drei Monate reichen. «Regelmässiges Sparen bedeutet noch nicht, dass ein Haushalt ausreichend auf einen Einkommensausfall vorbereitet ist», erklärte ZHAW-Expertin Selina Lehner, wie unter anderem Bluewin festhält.

Die finanziellen Belastungen spiegeln sich im Alltag wider:

  • Fast jede vierte befragte Person musste im vergangenen Jahr Geld im Umfeld leihen.
  • 29 Prozent gerieten in den letzten fünf Jahren mindestens einmal in Rückstand bei der Steuerrechnung.
  • Als grösste finanzielle Sorge nennen 22 Prozent der Befragten die steigenden Fixkosten, gefolgt von einer ungenügenden Altersvorsorge mit 12 Prozent und der Angst vor unerfüllten Wünschen mit 11 Prozent.

Die Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Situation fällt moderat aus. Sie liegt auf einer Skala von 0 bis 10 bei lediglich 5,6 Punkten. Damit rangiert sie deutlich unter der allgemeinen Lebenszufriedenheit von 7,2 Punkten.

ZHAW-Studie: Vielen in der Schweiz fehlen finanzielle Reserven
Foto: europesays.com

Vier finanzielle Profilgruppen

Basierend auf den Antworten unterteilt die ZHAW-Studie die Bevölkerung in vier unterschiedliche Gruppen:

  • Resiliente (50,1 Prozent): Sie sparen regelmässig und besitzen Reserven für mehr als drei Monate.
  • Starterinnen und Starter (32,7 Prozent): Sie legen zwar Geld zurück, haben bislang aber nur einen kleinen Puffer von höchstens drei Monaten aufgebaut.
  • Verletzliche (12,3 Prozent): Sie sparen derzeit nicht und verfügen über kaum oder keine Reserven. Mehr als die Hälfte von ihnen musste sich im vergangenen Jahr Geld leihen, und über zwei Drider hatten Probleme bei Steuerzahlungen.
  • Entsparerinnen und Entsparer (5,0 Prozent): Eine meist pensionierte Gruppe, die über solide Polster verfügt, aber planmässig von ihrem Ersparten lebt.

Für eine echte finanzielle Stabilität ist laut den Studienautoren nicht allein die Sparsamkeit im Alltag entscheidend. Massgeblich ist die konkrete Liquidität, die einen plötzlichen Lohnausfall tatsächlich auffangen kann.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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