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Technik und Wissenschaft

Wüstenmoos Syntrichia caninervis übersteht laut chinesischer Expedition Raumflug

Getrocknetes Wüstenmoos hat laut der chinesischen Forschungsexpedition zur Xinjiang-Expedition einen Aufenthalt in einer niedrigen Erdumlaufbahn überstanden und ergrünte nach einer sparsamen Wassergabe wieder. Die im März 2026 gestartete Mission testete die Reaktivierung der Art Syntrichia caninervis in einer kontrollierten Nutzlastkammer.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, wechselte das Wüstenmoos Syntrichia caninervis dabei seine Farbe von grau-schwarz zu gelb-grün. Eine getrocknete Moosprobe hat einen Aufenthalt im Erdorbit überstanden und ist dort nach einer sparsamen Wassergabe wieder ergrünt.

Forscher bezeichnen die Art als die widerstandsfähigste Wüstenpflanze, die bislang gefunden wurde. Für die Weltraumbiologie dient der Versuch als Testlauf, um zu klären, ob getrocknetes Moos als Baustein kleiner, regenerierbarer Ökosysteme im All infrage kommt. Die Veröffentlichung bildet Teil der Abschlussergebnisse der dritten wissenschaftlichen Xinjiang-Expedition, die in Urumqi im Nordwesten Chinas vorgestellt wurden.

Moos im Erdorbit und der Test im März 2026

Nach Angaben des beteiligten Xinjiang-Instituts für Ökologie und Geographie befanden sich die Proben in einer geschlossenen, technisch kontrollierten Kulturkammer. Ein System dosierte eine winzige Menge Wasser, woraufhin die Pflanzen rehydrierten, sich verfärbten und nach Angaben der Forschenden das Wachstum wieder aufnahmen. Der Auslöser für die aktuelle Meldung war ein Versuch aus dem Frühjahr. Im März 2026 transportierte der chinesische Testfrachter Qingzhou getrocknete, vollständige Moospflanzen in eine niedrige Erdumlaufbahn.

Die Präsentation im Oktober bündelt den Test nun mit dem Abschluss der fünfjährigen Expedition, die im Jahr 2021 vom chinesischen Wissenschaftsministerium gestartet worden war. Die Orbiterprobung war bereits Ende Juni 2026 öffentlich bekannt geworden.

Forschende weisen darauf hin, dass es sich dabei um keinen Test im offenen Weltraum gehandelt hat. Das Moos war weder dem Vakuum noch der ungefilterten UV-Strahlung oder den extremen Temperaturschwankungen des freien Weltraums ausgesetzt, sondern befand sich in einer eigens entwickelten Kapsel. Getestet wurde folglich die Reaktivierung innerhalb eines kontrollierten Nutzlastsystems. Die rund 600 Kilometer hohe Umlaufbahn liegt zudem im geschützten Bereich des Erdmagnetfelds. Zahlen zur genauen Strahlendosis während des Fluges wurden den zugänglichen Quellen zufolge bislang nicht veröffentlicht.

Werte aus früheren Bodenversuchen und die Kraft der Art Syntrichia caninervis

Demnach übersteht das getrocknete Moos einen Verlust von mehr als 98 Prozent seines Zellwassers. Ein Großteil der oft zitierten Extremwerte stammt aus früheren Bodenversuchen, die in einer 2024 im Fachjournal The Innovation veröffentlichten Studie dokumentiert wurden. Es regenerierte sich nach fünf Jahren Lagerung bei minus 80 Grad Celsius sowie nach bis zu 30 Tagen bei minus 196 Grad. Die geschätzte halbletale Dosis lag laut der Studie bei rund 5000 Gray, während eine moderate Dosis von etwa 500 Gray das Wachstum in den Versuchen offenbar anregte. Auch hohe Gammastrahlung steckten die Pflanzen weg.

Das Moos selbst stammt unter anderem aus der Gurbantunggut-Wüste in Xinjiang, wo es feste Bestandteile biologischer Bodenkrusten bildet. Eine weitere, im Oktober 2026 veröffentlichte Studie stützt diese Austrocknungstoleranz und zeigt, dass getrocknete Triebe selbst nach 17 Jahren noch photosynthetische Aktivität entwickelten.

Ein Nachweis dauerhaften Wachstums unter echten Marsbedingungen ist damit nicht erbracht, zumal eine niedrige Erdumlaufbahn kein Mars-Analog darstellt und Faktoren wie Marsregolith oder Perchlorate im Orbit nicht gemeinsam getestet wurden. Unter simulierten Marsbedingungen – etwa 650 Pascal Druck, rund 95 Prozent Kohlendioxid, starken Temperaturwechseln und UV-Strahlung – überlebte das Moos im Labor nur wenige Tage. Dennoch gibt es Grenzen für diese Widerstandskraft.

Li Xiaoshuang bewertet den Versuch im All

Dies ist der erste Fall, in dem eine vollständige Pflanze in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht und erfolgreich wiederbelebt wurde.

Li Xiaoshuang, Forscherin am Xinjiang-Institut für Ökologie und Geographie

Auf gestörten Wüstenflächen könnte eine ausgebrachte Moos-Kruste die Oberfläche zusammenhalten und Staub- sowie Winderosion verringern, bevor andere heimische Pflanzen folgen. Obwohl Pflanzen seit Jahrzehnten im All kultiviert werden und auch die Nasa mit dem Projekt Artemoss ähnliche Forschung betreibt, zielen die Überlegungen vor allem auf konkrete terrestrische und biotechnologische Szenarien ab. Ein weiterer Ansatz betrifft die Genetik: Das aus dem Moos stammende Gen ScALDH21 erhöhte in mehrjährigen Feldversuchen die Widerstandskraft gentechnisch veränderter Baumwolle gegen die Verticillium-Welke, wodurch der Ertrag unter Infektionsdruck um rund 23,8 Prozent höher ausfiel.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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