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Wildtierhandel erhöht Risiko für Epidemien

Ein kleiner Wüstenfuchs mit riesigen Ohren, ein verspielter Otter im Planschbecken oder exotische Äffchen. Auf Plattformen wie TikTok und Instagram sind diese Tiere die neuen Stars. Doch hinter den niedlichen Videos verbirgt sich ein riskantes Geschäft. Wir importieren nicht nur Tiere, sondern laden uns unsichtbare Passagiere ins Haus: Viren, Bakterien und Parasiten, die das Potenzial haben, die nächste globale Gesundheitskrise auszulösen.

Die unsichtbare Gefahr im Wohnzimmer

Viele Käufer exotischer Haustiere ahnen nicht, welches Risiko sie eingehen. Ein internationales Forschungsteam der Universität Lausanne hat nun systematisch untersucht, wie der globale Wildtierhandel die Verbreitung von Zoonosen beschleunigt. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal „Science“, sind alarmierend. Die Wissenschaftler analysierten über 40 Jahre Handelsdaten aus der Zeit von 1980 bis 2019 und betrachteten mehr als 1.500 Säugetierarten.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Über 40 Prozent der gehandelten Säugetierarten tragen mindestens einen Krankheitserreger in sich, der auch Menschen infizieren kann. Bei Wildtieren, die nicht gehandelt werden, liegt dieser Wert lediglich bei sechs bis acht Prozent. Das Risiko, dass eine Tierart Erreger mit uns teilt, ist bei gehandelten Arten also um 50 Prozent höher.

Statistisches Risiko Bei wilden Säugetieren ist es rund 1,5-mal wahrscheinlicher, dass sie Krankheitserreger mit Menschen teilen als nicht gehandelte Wildtiere.

Ein Teufelskreis aus Handel und Zeit

Ökologin Cleo Bertelsmeier von der Universität Lausanne erklärt, dass die Gefahr mit der Dauer des Handels wächst. Die Daten zeigen ein beunruhigendes Muster: Statistisch gesehen teilt eine Tierart alle zehn Jahre, in denen sie im Handel ist, einen neuen Krankheitserreger mit dem Menschen. Je länger eine Art kommerziell genutzt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Überspringens der Erreger.

Dieser Prozess betrifft ein Viertel aller Säugetierarten weltweit. Die Motive für den Handel sind vielfältig. Tiere werden als Jagdtrophäen, für die Forschung, für traditionelle Medizin oder wegen ihres Fleisches und Fells verkauft. Schuppentiere, Elefanten, Bären und Igel gehören zu den am häufigsten betroffenen Arten. Der Kontakt zwischen Mensch und Tier ist dabei oft extrem eng, sei es bei der Jagd, während des Transports oder im Alltag als Haustierhalter.

Von der Nische zur Pandemie

Die Geschichte kennt bereits verheerende Beispiele für solche Übertragungen. Ebola, HIV und Mpox sind Resultate eines zu engen Kontakts zwischen Menschen und Wildtieren. Das prominenteste Beispiel der letzten Jahre bleibt Covid-19. Die gängige Annahme besagt, dass das Virus Sars-CoV-2 über gehandelte Wildtiere in China auf den Menschen überging, auch wenn endgültige Nachweise aufgrund mangelnder Kooperation chinesischer Behörden fehlen.

Jérôme Gippet, Erstautor der Studie, betont, dass es bisher keine präzise Bestandsaufnahme dieses Problems gab. Sein Team schloss Haus- und Nutztiere explizit aus, um die spezifische Gefahr des Wildtierhandels zu isolieren. Sie nutzten dafür unter anderem die CITES-Datenbank des internationalen Artenschutzabkommens sowie die US-amerikanische LEMIS-Importdatenbank.

Gesetzliche Verbote gegen die Realität

Einige Staaten versuchen bereits, gegenzusteuern. Vietnam hat beispielsweise im Juli 2020 den Import von Wildtieren und Wildtierprodukten verboten, um das Risiko neuer Pandemien zu senken. Das Verbot umfasst auch Märkte und Online-Verkäufe. Doch die Praxis hinkt der Politik hinterher. In Vietnam werden beispielsweise Affen trotz Verbot weiterhin illegal angeboten.

Kriminelle Netzwerke nutzen das Land weiterhin als regionalen Hub für den Schmuggel von Elfenbein, Rhinohorn und Schuppentier-Schuppen aus Afrika. Selbst wenn ein Staat Verbote erlässt, bleibt der illegale Markt eine gefährliche Quelle für Zoonosen. Erreger, die heute noch harmlos erscheinen, könnten durch den fortgesetzten Handel und den engen Kontakt künftig zu einer ernsthaften Bedrohung werden.

Welche Rolle spielen soziale Medien beim Infektionsrisiko?

Plattformen wie TikTok und Instagram machen exotische Tiere zu Trends. Dies steigert die Nachfrage nach Arten wie Wüstenfüchsen oder Ottern, die nicht in menschliche Haushalte gehören. Je mehr Menschen diese Tiere als Status- oder Trendobjekte kaufen, desto häufiger kommt es zum engen Kontakt mit potenziell gefährlichen Krankheitserregern.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass gehandelte Tiere Erreger übertragen?

Die Studie der Universität Lausanne zeigt, dass über 40 Prozent der gehandelten Säugetierarten Erreger tragen, die Menschen infizieren können. Im Vergleich dazu sind es bei nicht gehandelten Wildtieren nur etwa sechs bis acht Prozent. Das bedeutet, dass gehandelte Arten eine etwa 1,5-mal höhere Wahrscheinlichkeit haben, Pathogene mit uns zu teilen.

Könnten zukünftige Pandemien durch den Handel mit derzeit „harmlosen“ Tieren entstehen?

Ja, das ist möglich. Ökologin Cleo Bertelsmeier warnt, dass auch Erreger, bei denen bisher keine Übertragung auf Menschen dokumentiert ist, gefährlich werden können. Der ständige, enge Kontakt im Handel schafft die notwendigen Bedingungen, damit Viren oder Bakterien mutieren und schließlich die Artgrenze überspringen.

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Johann Falk

Über den Autor

Johann Falk ist Chief Editor von Germanic Nachrichten und verantwortet die redaktionelle Linie, Themenauswahl und finale Qualitaetssicherung der Veroeffentlichung. Sein Schwerpunkt liegt auf klarer, verifizierter und schnell einordenbarer Berichterstattung fuer ein deutschsprachiges Publikum.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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