Tausende Pendler in Niederösterreich und auf der Südstrecke sind am Montag, 12. Oktober 2026, von massiven Zugausfällen und Verspätungen betroffen. Zwei selbstständig weggerollte Güterwaggons prallten in den frühen Morgenstunden gegen einen Oberleitungsmast im Bahnhof Wiener Neustadt, zerstörten die Stromversorgung und legten den größten Bahnknotenpunkt des Bundeslandes weitgehend lahm.
Selbstständig weggerollte Güterwaggons verursachen Schäden im Ausfahrtsbahnhof
Gegen 1 Uhr nachts setzten sich am Montag zwei Güterwagen im Bereich des Ausfahrtsbahnhofs Wiener Neustadt aus ungeklärter Ursache unkontrolliert in Bewegung und prallten gegen einen Oberleitungsmast. Durch den heftigen Aufprall sprangen die Waggons aus den Schienen, während an den Gleisen und der Stromversorgung beträchtliche Schäden entstanden laut Berichten der ÖBB. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand, wie eine Aussendung der ÖBB bestätigte.
Wie weit die Waggons herrenlos unterwegs waren und warum sie ins Rollen gerieten, ist derzeit noch völlig unklar. Die genaue Ursache der Entgleisung muss laut ÖBB erst eruiert werden.
ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif erklärte auf Anfrage von MeinBezirk, dass die Bergung der entgleisten Güterwagen komplex sei und den Einsatz eines Hilfszuges erfordere. Zunächst müsse vor Ort geklärt werden, an welcher Stelle die Wagen wieder auf die Gleise gesetzt und abtransportiert werden können. Wie rasch das gelinge, hänge von den verfügbaren Ressourcen und dem Zeitpunkt ab, zu dem der Hilfszug einsatzbereit sei. Erst wenn die entgleisten Wagen entfernt sind, haben die Expertinnen und Experten freie Sicht auf die Unfallstelle, um zu beurteilen, welche Schäden an den Gleisen und der weiteren Infrastruktur entstanden sind, so Seif.

Tausende Pendler auf der Südstrecke und den Regionalbahnen betroffen
Mit täglich rund 580 Zügen gilt Wiener Neustadt als der wichtigste und größte Bahnknotenpunkt in Niederösterreich. Die Streckenunterbrechung trifft daher einheimische Berufspendler wie auch den Fernverkehr hart. Neben der wichtigen Südstrecke sind auch die Aspangbahn sowie die Puchberger- und Gutensteiner-Strecke massiv von den Sperren beeinträchtigt.
Die Auswirkungen reichen weit über den lokalen Bereich hinaus. Auf den Abschnitten zwischen Wiener Neustadt Hauptbahnhof und Neunkirchen NÖ Bahnhof sowie zwischen Lanzenkirchen Bahnhof und Bad Fischau-Brunn/Schneebergbahn Bahnhof ruht der Zugverkehr momentan vollständig. Verbindungen aus der Steiermark und Kärnten Richtung Wien sowie weiter in den Süden fallen teilweise komplett aus oder enden vorzeitig. So müssen Fernverkehrszüge aus dem Süden planmäßig in Mürzzuschlag wenden wie die ÖBB bestätigten. Züge zwischen Mürzzuschlag und Kärnten sind laut ÖBB hingegen nicht betroffen; Reisende kommen von Graz mit der Koralmbahn wie gewohnt nach Klagenfurt und Villach und umgekehrt.
Schienenersatzverkehr und Ticket-Kooperation mit der Westbahn
Um die Passagiere an ihre Ziele zu bringen, haben die Österreichischen Bundesbahnen umfangreiche Ersatzmaßnahmen organisiert. ÖBB-Sprecher Herbert Hofer teilte mit, dass für den Fernverkehr zusätzlich 25 Busse unterwegs sind. Zwischen Wiener Neustadt und Mürzzuschlag wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, was die Kapazitäten stark einschränkt und zu stundenlangen Verspätungen führt. Im Nahverkehr bedienen Ersatzbusse die Abschnitte zwischen Wiener Neustadt Hauptbahnhof und Neunkirchen, Bad Fischau-Brunn sowie Lanzenkirchen gemäß den aktuellen Verkehrsmeldungen.
Einzelne Fernverkehrszüge können derzeit weiterhin zwischen Wien Hauptbahnhof und Wiener Neustadt verkehren. Ersatzzüge, die verkehren, bestehen zum Teil aus Ersatzgarnituren oder wenigen Wagen, was Sitzplatzreservierungen hinfällig macht.

Als Erleichterung für gestrandete Reisende gilt am Montag eine Sonderregelung: Tickets zwischen den ÖBB und der Westbahn werden an diesem Tag ausnahmsweise anerkannt, was Westbahn-Sprecher Ademir Jatic auf Nachfrage bestätigte.
Reparaturarbeiten bis Mitternacht angesetzt
Doch eine aktualisierte Mitteilung der ÖBB von 6:20 Uhr revidierte den Zeitplan: Die Einschränkungen und Totalausfälle im betroffenen Bahnhofsbereich sollen voraussichtlich bis Montag um 23:59 Uhr andauern.
Techniker arbeiten vor Ort mit Hochdruck an der Instandsetzung der beschädigten Oberleitungsmasten und der Gleisanlagen. Mobilitätseingeschränkte Personen werden gebeten, sich vorab mit dem ÖBB-Kundenservice unter der Telefonnummer +43 (0)5-1717-5 in Verbindung zu setzen.
ORF-Reporter Tobias Hollerer berichtete vom Bahnhof über die Reaktionen der verärgerten und ratlosen Pendler sowie über die weitere Entwicklung vor Ort.
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