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Unterhaltung

Wien Modern: Pia Palme lässt die Donau im Konzerthaus klingen

Wien Modern startet in seine 39. Ausgabe und macht unter dem Motto Im großen Ganzen — Neue Musik und Ökosysteme die Donau und andere natürliche Lebensräume zur musikalischen Mitspielerin. Bis zum 30. November 2026 bietet das Festival rund fünf Wochen lang 159 Veranstaltungen an 31 Spielstätten in 15 Bezirken.

Pia Palme macht die Donau im Konzerthaus zur Komponistin

Mit einer abendfälligen Uraufführung von Pia Palme im Großen Saal des Wiener Konzerthauses ging am Freitagabend die 39. Ausgabe des Festivals Wien Modern los. Die Wiener Komponistin hatte zuvor monatelang im Nationalpark Donau-Auen recherchiert, in dem Fluss geschwommen und gepaddelt, um Geräusche, Bewegungen und Worte aus der Natur zu sammeln. Unter der musikalischen Leitung von Irene Delgado-Jiménez spielte das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, während die Sopranistin Juliet Fraser sang.

Der Konzertsaal präsentierte sich dabei grundlegend umgebaut. Eine gigantische Plane überspannte das Parkett, auf die Flussimpressionen und Unterwasser-Lichtstimmungen projiziert wurden. Darunter befanden sich Performerinnen, die sich der Fesselerotik widmeten, während Palme selbst Wortkaskaden zum Thema Fluss vortrug. Das Festival sprach von einem artenübergreifenden Prozess, bei dem die Strömung zum eigenwilligen Festspielauftakt wurde.

Ö1 übertrug die Eröffnung aus dem Großen Konzerthaussaal Wien in Surround-Sound 5.1. Im Foyer waren zudem Insektensounds zu hören, während das Festival 158 Veranstaltungen an 31 Spielstätten in 15 Wiener Bezirken anbietet.

Die italienische Komponistin Francesca Verunelli sitzt in türkiser Bluse, mit entrücktem Blick vor unscharfem Hintergrund
Foto: profil.at

Rekordsummen an Spielstätten und der Kontrast zu Klassik-Vorurteilen

Gegründet im Jahr 1988 von Dirigent Claudio Abbado, ist das Festival zu einem in verschiedene Kunstsparten ausfransenden Experimentierraum und weltweit zu einem der größten Festivals für zeitgenössische Musik gewachsen. Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin profil ordnete Festivalleiter Bernhard Günther die Dimensionen ein und erklärte, dass das Publikum des Festivals etwa 50 Mal das Salzburger Landestheater, 70 Mal das Akademietheater oder 170 Mal das Schauspielhaus füllen würde. Günther betonte zudem, dass Wien Modern für 50 bis 70 Produktionen mit weniger Geld auskommen müsse, als ein besseres Opernhaus für eine einzige Inszenierung ausgibt.

Günther wehrte sich zugleich gegen das hartnäckige Vorurteil, dass Neue Musik prinzipiell unhörbar oder zu kompliziert sei. Atonal war Schönberg um 1908, die Donaueschinger Musiktage wurden 1921 und die Darmstädter Ferienkurse 1946 gegründet, weshalb der Vorwurf nach mehr als einem Jahrhundert veraltet wirke.

Wien Modern: Pia Palme lässt die Donau im Konzerthaus klingen
Foto: The Gap

Das Programm umfasst insgesamt 197 vertretene Komponistinnen und Komponisten, darunter viele junge Talente. Zu den weiteren Programmpunkten zählen eine Carte-blanche-Veranstaltung der italienischen Komponistin Francesca Verunelli im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins mit eigenen Werken sowie Kompositionen von Beat Furrer, Cassandra Miller oder Gérard Pesson.

Klanginstallationen vom Otto Wagner Areal bis zur Mülldeponie Rautenweg

Das Programm führt das Publikum weit über klassische Konzertsäle hinaus in Kellergewölbe, Kirchen, Museen und sogar auf die Mülldeponie Rautenweg. Dort lädt die österreichische bildende Künstlerin Katrin Hornek gemeinsam mit der Komponistin Judith Unterpertinger zu „Modified Grounds #3ein, bei dem Restmüllanalysen und Bohrkerndaten in eine Komposition einfließen (mit Terminen am 7. November um 11.30 und 14.30 Uhr bei freiem Eintritt nach vorheriger Anmeldung).

Auf der Baumgartner Höhe im Garten beim MUK-Pavillon 10 am Otto Wagner Areal führt die neuseeländisch-amerikanische Komponistin Annea Lockwood ihr performativ-installatives Werk „Piano Garden. Piano Transplant 3“ gemeinsam mit Kompositionsstudierenden der MUK auf. In „Future Forest“ treffen zudem Field Recordings aus dem Schwarzwald und dem Lainzer Tiergarten auf Musik von Kirsten Reese, während Annea Lockwood in „Sound Map of the Danuberund fünfzig Orte entlang des Flusses hörbar macht.””

Wien Modern: Pia Palme lässt die Donau im Konzerthaus klingen
Foto: MeinBezirk.at

Das Interuniversitäre Forschungsnetzwerk Elfriede Jelinek veranstaltet von 2. bis 4. November einen dreitägigen Workshop im MUK-Pavillon 10. Zudem findet dort am 29. November das Doppel-Event „Silent Ecologies“ sowie die Clubreihe „PARTY MODERN | MUK@OWAmit Lehrenden und Studierenden der MUK statt. Theater am Werk im Kabelwerk zeigt zudem Waldaufnahmen in Kombination mit Elektronik und dem Ensemble Recherche.”

Komponistinnen-Schwerpunkte und Literaturnobelpreis

Neben den Ökosystem-Projekten rücken in diesem Jahr zahlreiche Komponistinnen ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Dazu zählen Aufführungen von Werken der australischen Komponistin Liza Lim, deren Oper „Tree of Codes“ gemeinsam mit der Neuen Oper Wien erstmals in Österreich gezeigt wird, sowie die Texte der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Unter dem Titel „Besser wird’s nichtbringen drei Text-Musik-Performances aktuelle Arbeiten von Jelinek mit Livemusik auf die Bühne, unter anderem präsentiert von Petra Slottová und Samouil Stoyanov.”

Das Programm bietet Uraufführungen und österreichische Erstaufführungen. Zusätzliche Führungen, Workshops und Künstlergespräche werden über das Format „Plusangeboten. Festivalpässe sind zu Preisen von 140, 112 sowie 56 Euro erhältlich.

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Sophie Krueger

Über den Autor

Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.

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