Die Schweiz erlebt Ende Mai eine außergewöhnliche Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 33 Grad, die am Sonntag durch kräftige Gewitter beendet wird. Besonders im Jura und in den Voralpen ist mit Starkregen und Hagel zu rechnen, bevor die Temperaturen ab Montag auf bis zu 25 Grad sinken.
Rekordtemperaturen und die Anatomie eines Hitzetages
Die aktuelle Wetterlage in der Schweiz ist weit mehr als ein früher Sommerbeginn; sie ist statistisch gesehen eine Anomalie. Während die Temperaturen am Donnerstag und Freitag verbreitet zwischen 28 und 30 Grad lagen, erreichten Städte wie Basel und Genf bereits die 31-Grad-Marke. Im Wallis kletterten die Werte lokal sogar auf 32 Grad.
Für die meteorologische Einordnung ist die Definition eines Hitzetages entscheidend. Laut SRF-Wetterexperte Simon Eschle spricht man von einem Hitzetag, wenn die Temperatur 30 Grad oder mehr erreicht. Dass dies Ende Mai in einer solchen Intensität und Dauer geschieht, ist höchst ungewöhnlich.
Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) überwachte die Entwicklung dieser Phase durch eine Serie von Hitzewarnungen. In den betroffenen Regionen wurden die Warnstufen angepasst, da die nächtlichen Tiefstwerte in den Städten kaum unter 15 bis 18 Grad sanken, was die thermische Belastung für die städtische Bevölkerung erhöhte.
Die Intensität dieser Phase spiegelt sich in mehreren lokalen Rekorden wider. In Stabio (Tessin) wurde ein neuer Mai-Höchstwert von 31,9 Grad gemessen.
| Ort | Temperatur | Besonderheit |
|---|---|---|
| Stabio (TI) | 31,9 °C | Rekordwert für den Mai |
| Güttingen (TG) | 31,1 °C | Rekordwert |
| Scuol (GR) | 30,4 °C | Auf 1304 Metern Höhe |
| Rünenberg (BL) | 29,8 °C | Rekordwert |
Diese Werte unterstreichen die Instabilität des aktuellen Frühjahrs. Dass selbst in Höhenlagen wie Scuol die 30-Grad-Grenze durchbrochen wurde, zeigt, wie tiefgreifend die warme Luftmasse in die verschiedenen Regionen der Schweiz eingedrungen ist. Die Messstationen von MeteoSchweiz registrierten dabei eine ungewöhnlich starke Kompression der Luftmassen in den Alpentälern, was die lokalen Spitzenwerte zusätzlich befeuerte.
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Die Gewitterfront am Sonntag: Risikogebiete und Gefahren
Die Phase der extremen Hitze erreicht ihren Höhepunkt am Samstag, an dem in Basel und im Wallis lokale Spitzenwerte von bis zu 33 Grad erwartet werden. Doch diese Stabilität ist trügerisch. Am Sonntag kippt die Wetterlage massiv.
Wie Meteorologe Peter Wick ausführt, führt die Kombination aus großer Wärme und der Zufuhr feuchterer, labiler Luft zu einer hohen Gewitterwahrscheinlichkeit. Besonders im Fokus stehen dabei der Jura und die Voralpen. Sollte sich eine organisierte Gewitterlinie bilden, könnten auch das Mittelland und Teile des Flachlands von den Auswirkungen getroffen werden.

MeteoSchweiz gab für den Sonntag in den exponierten Regionen des Juras und der Voralpen die Warnstufe Gelb aus. Diese Warnung gilt insbesondere für die Zeit ab dem frühen Nachmittag, wenn die Konvektion ihre maximale Stärke erreicht. Die Behörden in den betroffenen Kantonen wurden über die Gefahr von Sturzbächen und lokalen Überflutungen informiert, da die Bodenfeuchtigkeit in einigen Gebieten bereits gesättigt ist.
Die Risiken am Sonntag sind vielfältig.
- Kräftigen Regengüssen und punktuellen Starkregenereignissen.
- Starken Windböen, die lokale Schäden verursachen können.
- Intensiver Blitzaktivität.
- Stellenweise auftretendem kleinen Hagel.
Die Gefahr resultiert aus der enormen Energie, die sich während der vorangegangenen Hitzetage in der Atmosphäre angestaut hat. Sobald die stabilisierende Wirkung des Hochdruckgebiets nachlässt, entlädt sich diese Energie in Form von schweren Gewitterzellen. Die Radarüberwachung von MeteoSchweiz wird am Sonntag in Echtzeit eingesetzt, um die Zugbahnen der Zellen zu verfolgen und kurzfristige Warnungen über die Meteo-App an die Bevölkerung zu senden.
Meteorologische Ursachen und der Ausblick auf die nächste Woche
Der abrupte Wetterwechsel hat eine klare physikalische Ursache: Das dominierende Hochdruckgebiet schwächt sich ab. In den oberen Luftschichten fließt kühlere Luft ein, was einen starken Kontrast zur aufgeheizten Bodenluft schafft. Diese warme Luft steigt rapide auf, kondensiert und bildet die massiven Gewitterwolken, die am Sonntag erwartet werden.

Die meteorologischen Daten zeigen, dass eine Kaltfront aus dem Nordatlantik über Frankreich in die Schweiz vordringt. Diese Front ersetzt die stabile, trockene Luftmasse durch feuchtere und instabilere Luft. Dieser Prozess beendet die außergewöhnliche Hitzephase, die laut Experten selbst im Hochsommer selten in dieser Form auftritt.
Für die kommende Woche zeichnet sich eine spürbare Abkühlung ab. Ab Montag sinken die Temperaturen auf ein moderateres Niveau von 23 bis 25 Grad. Die Wetterlage bleibt jedoch volatil; für Dienstag drohen bereits erneut Gewitter, was darauf hindeutet, dass die atmosphärische Ruhe erst verzögert einkehren wird. Die Vorhersagemodelle des Europäischen Medium-Range Weather Forecast Centre (ECMWF) bestätigen diesen Trend einer instabilen Übergangsphase.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Schweiz einen Mai erlebt hat, der an vielen Orten so viele Hitzetage wie nie zuvor seit Messbeginn verzeichnet. Während die Bevölkerung die frühen Sommertage an den Seen und in den Bergen genoss, erinnert der abrupte Umschwung am Sonntag an die Volatilität aktueller Wetterphänomene. Die Aufzeichnungen des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie belegen, dass die Abweichung vom langjährigen Mittelwert in diesem Mai signifikant positiv ausfällt.