Der US-Bundesstaat Florida hat am 1. Juni 2026 eine Zivilklage gegen OpenAI und dessen CEO Sam Altman eingereicht. Die Klage, die beim Circuit Court im Highlands County hinterlegt wurde, rügt Sicherheitsmängel bei ChatGPT und ist der erste Fall dieser Art durch einen US-Bundesstaat gegen das Unternehmen.
Die juristische Strategie Floridas ist präzise: Der Staat nutzt nicht etwa vage ethische Bedenken, sondern stützt sich auf das Konsumentenschutzrecht gegen täuschende und unfaire Geschäftspraktiken. In der 83-seitigen Klageschrift wird OpenAI vorgeworfen, ChatGPT als sicher vermarktet zu haben, während interne und externe Warnungen systematisch ignoriert wurden.
Besonders kritisch sieht die Staatsanwaltschaft den Zugang für Minderjährige. Der Chatbot sei für Kinder zu leicht zugänglich, liefere riskante Inhalte und könne zu einer ungesunden Nutzung verleiten. Damit verschiebt Florida die Debatte von der allgemeinen KI-Ethik hin zur Produkthaftung und zum Verbraucherschutz.
Gewalttaten als Beweismittel in der Klage
Die Klage ist deshalb so brisant, weil sie konkrete Gewalttaten mit der Nutzung der KI verknüpft. Florida führt mehrere Todesfälle an, bei denen Verdächtige ChatGPT offenbar zur Planung ihrer Taten befragt haben.

- Ein Doppelmord an der University of South Florida im April 2026.
- Der Amoklauf von Phoenix Ikner im April 2025 an der Florida State University, bei dem zwei Menschen getötet wurden.
Die Rolle von ChatGPT bei diesen Verbrechen wird bereits seit einiger Zeit untersucht. Im April 2026 hatte der Staat Florida bereits eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet, um zu prüfen, inwiefern die KI den Angriff an der Florida State University begünstigt hat.
Dies markiert eine Eskalation in der Haftungsfrage. Wenn eine KI nicht mehr nur falsche Informationen liefert, sondern als Planungswerkzeug für Gewalt dient, stellt sich die Frage, ob die herkömmlichen Haftungsprivilegien für Plattformbetreiber noch greifen.
Die Verteidigungsstrategie von OpenAI
OpenAI reagierte unmittelbar mit einer Medienmitteilung am 1. Juni 2026. Das Unternehmen positioniert ChatGPT als ein allgemeines Werkzeug, das täglich von Hunderten Millionen Menschen für legale Zwecke genutzt werde. Man betone, laufend an Schutzmechanismen gegen Missbrauch und gefährliche Absichten zu arbeiten.
Gegenüber den Vorwürfen bezüglich Minderjähriger verweist OpenAI auf strengere Standardeinstellungen, Altersprognosen und spezifische Werkzeuge für Eltern.
Interessant ist die zeitliche Abfolge: Nur einen Tag nach der Klage, am 2. Juni, veröffentlichte OpenAI einen Beitrag zur Sicherheit von Jugendlichen. Darin fordert das Unternehmen globale Regeln und schlägt die Gründung eines eigenen Instituts für Jugend-Sicherheit bei KI vor.
Aus analystischer Sicht wirkt dieser Schritt wie eine präventive Schadensbegrenzung. Indem OpenAI selbst Regulierungen und ein Sicherheitsinstitut fordert, versucht das Unternehmen, die Initiative zurückzugewinnen und sich als verantwortungsbewusster Akteur darzustellen, bevor ein Gericht die Regeln diktiert.
Finanzielle Forderungen und rechtliche Konsequenzen
Florida geht in dieser Zivilklage nicht nur auf eine symbolische Entschuldigung ein, sondern fordert harte finanzielle und rechtliche Sanktionen.

- Schadenersatz und Rückerstattungen.
- Die Übernahme der Gerichtskosten.
- Gerichtliche Verbote bestimmter Praktiken.
- Zivilstrafen von bis zu 10.000 Dollar pro vorsätzlichem Verstoß.
Besonders die Zivilstrafen pro Verstoß könnten bei einer Nutzerbasis von rund 900 Millionen Nutzern pro Woche zu astronomischen Summen führen, sollte das Gericht die Definition eines „Verstoßes“ weit auslegen.
Das Verfahren im Highlands County wird ein wichtiger Präzedenzfall. Es geht nicht mehr nur darum, ob eine KI halluziniert, sondern ob die Entwickler für die realweltlichen Konsequenzen der Nutzung haften, wenn die Sicherheitsbarrieren unzureichend waren.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob OpenAI durch die vorgeschlagenen Jugend-Sicherheitsmaßnahmen die Wogen glätten kann oder ob Florida den Weg ebnet für eine Kette weiterer Bundesstaaten, die die Verantwortung für KI-generierte Gewalt direkt an die Führungsebene in San Francisco delegieren.