70 Prozent der Reizdarm-Betroffenen sind Frauen, laut aktuellen Forschungsergebnissen aus zwei deutschen Medien. Die Verbindung zwischen Hormonen, Darmgesundheit und Mikrobiom wird zunehmend untersucht, mit neuen Erkenntnissen aus Northwestern University und der Frankfurter Rundschau.
Hormonelle Umstellungen in den Wechseljahren
Die Wechseljahre bringen nicht nur körperliche, sondern auch gastrointestinale Veränderungen mit sich. Eine Studie der Northwestern University, veröffentlicht im Juni 2024 in Molecular Human Reproduction, zeigt, dass postmenopausale Ovarien immunologisch hochaktiv sind. Forscher um Dr. Aubrey Converse und Prof. Francesca E. Duncan fanden vermehrte T-Zellen und Makrophagen sowie erhöhte Entzündungsgene. Dies könnte erklären, warum Frauen im Alter häufiger gesundheitliche Probleme haben.
Prof. Dr. Julia Seiderer-Nack, Fachärztin für Innere Medizin, bestätigt, dass Hormone wie Östrogen und Progesteron direkt die Darmfunktion beeinflussen. „Progesteron verlangsamt die Darmpassage, Östrogen steuert das Schmerzempfinden“, erklärt sie in der Frankfurter Rundschau. In der Perimenopause verschärft der sinkende Östrogenspiegel die Symptome, was zu einem erhöhten Migränerisiko führt.
Darmmikrobiom und Immunsystem
Die Darmgesundheit hängt eng mit dem Mikrobiom zusammen. Eine Studie der Universität Wien, im Mai 2024 in Nature veröffentlicht, zeigt, dass Darmbakterien evolutionär getrennte Gruppen bilden, die miteinander konkurrieren. „Konnurrenzstarke Bakterienstämme können sich innerhalb weniger Jahrzehnte global verbreiten“, sagt Martin F. Polz. Dieses dynamische System ist besonders sensibel in hormonellen Umbruchphasen.
Die Frankfurter Rundschau betont, dass Frauen ein anderes Darmmikrobiom haben und ihre Immunabwehr nach Infekten unterschiedlich reagiert. „Frauendärme sind nicht nur länger, sondern auch gechillter, was zu Verstopfung führen kann“, erklärt Seiderer-Nack. Sie betont zudem, dass eine mikrobiomfreundliche Ernährung entscheidend ist, um Beschwerden zu lindern.
KI-Projekt zur Darmdiagnostik
Im Juni 2024 startete ein KI-Projekt zur Darmdiagnostik, um die klinische Auswertung zu verbessern. Die Technologie soll helfen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Darmkrebs und Typ-2-Diabetes frühzeitig zu erkennen. Dieses Projekt wird von der Northwestern University koordiniert und gilt als Schritt zur personalisierten Medizin.
Die Frankfurter Rundschau weist darauf hin, dass Frauen mit Endometriose oder PCOS ein höheres Risiko für Reizdarmsyndrom haben. „20 bis 30 Prozent dieser Patientinnen leiden zusätzlich unter Verdauungsproblemen“, sagt Seiderer-Nack.
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