Der Volkswagen-Konzern ruft weltweit rund 4,6 Millionen Fahrzeuge wegen korrosionsanfälliger Lenkungsbefestigungen zurück. Nach internen Prüfungen kann eine Schraube am Lenkgetriebe unter Streusalzeinfluss durchrosten, was im schlimmsten Fall zum Ausfall der Lenkung führt. Die Reparatur in den Werkstätten ist für Halter kostenfrei, stößt jedoch mancherorts auf Materialengpässe.
Millionen Rückruf bei VW, Audi, Seat und Škoda im Detail
Der Volkswagen-Konzern steht vor einer der größten Rückrufaktionen seiner jüngeren Geschichte, nachdem Qualitätsprüfungen ein gravierendes Problem an der Lenkung von vier Konzernmarken zutage förderten wie interne Unterlagen und Behördendaten belegen. Weltweit sind insgesamt rund 4,64 Millionen Fahrzeuge von Volkswagen, Audi, Škoda und Seat von der Maßnahme betroffen. Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg beziffert die Zahl der in Deutschland in die Werkstätten befohlenen Autos auf rund 1,37 Millionen.
Im Zentrum des Problems steht eine unscheinbare Stahlschraube mit zwölf Millimetern Durchmesser am Lenkgetriebe, die unter bestimmten Umweltbedingungen versagen kann. Laut den Behörden und Herstellerangaben müssen betroffene Fahrzeughalter ihren Wagen in die Fachwerkstatt bringen, wo die anfällige Befestigung gegen ein korrosionsresistenteres Bauteil ausgetauscht wird.

Korrosion an der Lenkung als Auslöser für den Werkstatttermin
Auslöser für den technischen Großeinsatz ist Feuchtigkeit, die im Laufe der Nutzungsdauer in den Bereich um die Befestigungsschraube des Lenkgetriebes eindringen kann. Wie der VW-Konzern im Detail erläuterte, führt dies im Zusammenspiel mit langjährigem Betrieb unter Streusalz-Einfluss zu starker Korrosion an dem Bauteil.
„Bei bestimmten Umwelteinflüssen und nach langjährigem Betrieb unter Streusalz-Einfluss kann es zu Korrosion an einer Befestigungsverschraubung der Lenkung kommen.“
Unternehmenssprecher, Volkswagen
Schreitet diese Korrosion über Jahre fort, kann der Schraubenkopf abbrechen. In einem solchen Fall verbleibt das Lenkgetriebe nur noch an einem einzigen Punkt mit dem Vorderachsträger verbunden. Unter hoher Belastung droht laut den technischen Beschreibungen ein vollständiger Ausfall der Lenkung, was insbesondere beim langsamen Rangieren oder Einparken brandgefährlich werden kann. Eine VW-Mitteilung an Werkstätten verweist darauf, dass die Schraube mit der Teilenummer WHT 013461 zu verwenden ist. Das Kraftfahrt-Bundesamt führt die offizielle Rückruf-Datenbank, in der die genauen Daten und technischen Maßnahmen festgehalten sind. Die zuständige US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA dokumentierte entsprechende Vorfälle ebenfalls in offiziellen Berichten.
Modelle, Produktionszeiträume und betroffene Marken im Überblick
Die Dimension des Rückrufs erfasst zahlreiche Volumenmodelle aus unterschiedlichen Produktionsjahren. Die tschechische Konzernmarke Škoda weitete die Aktion nach Bekanntwerden der ersten Wellen massiv aus und steuert allein rund 1,7 Millionen Fahrzeuge weltweit bei – davon entfallen etwa 370.000 Einheiten auf den deutschen Markt.
| Marke | Betroffene Baureihen | Produktionszeitraum | Deutschland-Zahlen |
|---|---|---|---|
| Volkswagen | Golf, Golf Variant, Golf Sportsvan, Tiguan, Touran, Caddy | September 2013 bis Juli 2024 | ca. 895.832 Fahrzeuge |
| Škoda | Kodiaq, Karoq, Octavia, Superb | November 2015 bis August 2026 | ca. 370.347 Fahrzeuge |
| Audi | Q3 | Oktober 2017 bis Mai 2024 | ca. 58.555 Fahrzeuge |
| Seat | Ateca, Tarraco | April 2016 bis September 2024 | nicht separat beziffert |
Interne Akten und die schrittweise Ausweitung der Untersuchung
Hinter den Kulissen beschäftigte das technische Problem die Wolfsburger Verantwortlichen bereits deutlich länger als öffentlich bekannt. Ein Bericht des Autobauers an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA offenbarte über Auszüge im Handelsblatt, dass der erste Schadensfall an einer korrodierten Befestigungsschraube bereits im Oktober 2024 registriert wurde.
Nachdem im August 2025 ein weiterer Vorfall und im Dezember ein dritter bekannt wurden, liefen umfangreiche Materialuntersuchungen an. Erst im September 2026 stuften die Sicherheitsgremien von Volkswagen und Audi den Defekt nach angepassten Risikobewertungen offiziell als sicherheitsrelevant ein, woraufhin am 4. September die Entschlussfassung für den weltweiten Rückruf fiel.
Werkstattengpässe und die organisatorische Umsetzung für Fahrzeughalter
Trotz der gewaltigen Dimension betonen die Behörden und der Hersteller, dass bislang keine Unfälle oder Personenschäden im Zusammenhang mit der fehlerhaften Verschraubung bekannt sind. Ein VW-Sprecher versicherte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass bis zum tatsächlichen Werkstatttermin uneingeschränkt weitergefahren werden könne und keine heiße Gefahr
bestehe. Für Rückfragen hat der ADAC eine technische Expertenhotline unter der Nummer 089 558 95 90 90 eingerichtet, die exklusiv für ADAC-Mitglieder mit fachlicher Unterstützung von Arnulf Thiemel vom ADAC Technik Zentrum erreichbar ist. Zudem schalteten die Hersteller direkte Hotlines für Autobesitzer: Volkswagen ist unter 0800/8655 792 436 erreichbar, Škoda unter 0800/4424 244, Seat unter 06150/1079991 und Audi unter 0800/2834 7378 423.
Die Benachrichtigung der Fahrzeughalter läuft über behördliche Zulassungsdaten an, wobei der Postversand nach Konzernangaben einige Tage bis Wochen beanspruchen kann. Da die Nachfrage nach den neu entwickelten, korrosionsbeständigen Schrauben gigantisch ist, berichtete der ADAC über drohende Materialengpässe in den Servicebetrieben. Interne Werkstattmeldungen zeigen, dass in Übergangsfällen vorübergehend Schrauben des bisherigen Typs N10552402 eingesetzt werden könnten, was für betroffene Autofahrer einen zweifachen Werkstattbesuch bedeuten würde, sobald die endgültigen Ersatzteile eintreffen.
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