Volkswagen und Audi rufen weltweit knapp 2,86 Millionen Fahrzeuge wegen einer korrodierenden Befestigungsschraube am Lenkgetriebe zurück. In Deutschland sind rund 954.000 Autos betroffen, während Seat mit Modellen wie dem Ateca ebenfalls einbezogen ist. Im schlimmsten Fall droht der Verlust der Lenkfähigkeit. Über den Rückruf berichtet auch der ADAC.
Ein weltweiter Rückruf von Volkswagen, Audi und Seat erfasst Millionen von Fahrzeugen, nachdem Untersuchungen eine potenzielle Materialschwächung an der Lenkung offenbart haben. Betroffen sind in Deutschland fast eine Million Autos, wie aus Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes und der Hersteller hervorgeht. Die betroffenen Halter müssen mit einem kostenlosen Werkstattbesuch rechnen, bei dem die anfällige Schraube gegen eine widerstandsfähigere Variante ausgetauscht wird.
Millionen Rückrufe bei Volkswagen und Audi wegen Lenkungsdefekt
Der Umfang der Serviceaktion ist beträchtlich. Weltweit müssen knapp 2,86 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten, wobei Volkswagen mit weltweit 2.159.054 betroffenen Wagen den Großteil ausmacht. Davon entfallen allein 895.832 Fahrzeuge auf den deutschen Markt. Audi verzeichnet weltweit 696.547 betroffene Autos, von denen 58.555 in Deutschland gemeldet sind. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) führt die Maßnahmen unter den Referenznummern 17016R für Volkswagen mit dem Herstellercode 48VS und 17014R für Audi mit dem Code 48LG im offiziellen Register.
Wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am 22. September 2026 mitteilte, umfasst die Liste der betroffenen Baureihen bei Volkswagen die Modelle Golf, Golf Variant, Tiguan, Touran und Caddy aus einem Produktionszeitraum vom 24. September 2013 bis zum 1. Juli 2024. Bei Audi ist der Q3, gebaut zwischen dem 31. Oktober 2017 und dem 23. Mai 2024, eingeschlossen. Ergänzend dazu hat der ADAC darauf hingewiesen, dass auch Seat-Modelle wie der Ateca und der Tarraco mit der Referenznummer 17017R und dem Herstellercode 48 T7 einbezogen wurden. Die spanische VW-Tochter ordnete daraufhin für 43.574 in Deutschland registrierte Fahrzeuge aus dem Produktionszeitraum von April 2016 bis September 2024 ebenfalls den Werkstattbesuch an.
Feuchtigkeit und Korrosion als Auslöser für den Schraubenabriss
Auslöser des technischen Problems ist die rechte Befestigungsschraube, welche die Zahnstangenlenkung mit dem Vorderachsträger verbindet. Im Laufe der Fahrzeuglebensdauer kann Feuchtigkeit in diesen Bereich eindringen. Treffen nun Sauerstoff und Streusalzreste hinzu, kann am Metall Rost entstehen, wodurch der wirksame Durchmesser der Schraube schrumpft und das Material geschwächt wird.
Unter wiederholter hoher Belastung, also vor allem beim langsamen Rangieren und Einparken, kann der geschwächte Schraubenkopf abreißen. Der Bruch führt allerdings nicht zwangsläufig sofort zum vollständigen Lenkungsausfall. Das Lenkgetriebe bleibt zunächst an einem weiteren Befestigungspunkt mit dem Vorderachsträger verbunden. Wird diese verbleibende Verbindung jedoch weiter belastet, kann auch das Gehäuse des Lenkgetriebes brechen. Damit würde die Lenkfähigkeit verloren gehen.
Kostenlose Nachbesserung in der Fachwerkstatt
Verlässliche, allgemein gültige Vorwarnzeichen nennen weder KBA noch Hersteller. Das Problem könnte sich theoretisch durch ein ungewohntes Lenkspiel, ein verändertes Lenkgefühl oder durch Klopf- und Schlaggeräusche aus der Vorderachsumgebung bemerkbar machen. Betroffene Halter sollten bei solchen Symptomen das Fahrzeug nicht weiter bewegen, sondern fachgerecht überprüft oder abgeschleppt werden.
In der Werkstatt wird die bisherige Schraube durch eine korrosionsresistentere Variante ersetzt. Für die US-Version des parallel laufenden Rückrufs beschreibt Volkswagen eine Schraube mit hoch korrosionsbeständiger Polymerbeschichtung. Ob diese genaue Ausführung auch für den hiesigen Rückruf verwendet wird, lässt sich den vorliegenden KBA-Unterlagen nicht eindeutig entnehmen. Spezifische technische Angaben wie Materialbeschaffenheit, Festigkeit, Beschichtung oder das nötige Anzugsmoment hat Volkswagen für den deutschen Markt bisher nicht publik gemacht. Die Reparatur dauert laut Medienberichten etwas mehr als eine Stunde und ist für Halter kostenlos.
Bislang sind nach Angaben der Hersteller keine Sach- oder Personenschäden im Zusammenhang mit dem Mangel bekannt. VW rechnet damit, dass nur bei rund einem Prozent der betroffenen Autos eine kritische Verrostung der Schraube vorliegt; der massenhafte Rückruf ist stattdessen eine Vorsichtsmaßnahme für alle Wagen mit einer bestimmten Bauteil- und Produktionskombination. Auskünfte für Fahrzeughalter erteilt das Kraftfahrt-Bundesamt zudem über die Service-Hotlines 0800/8655 792 436 für Volkswagen, 06150/1079991 für Seat sowie 0800/2834 7378 423 für Audi.
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