Serbien und Ungarn weisen überraschende Parallelen auf: In beiden Ländern führte die gezielte Mobilisierung von Wählern und der Einsatz von Wahlbeobachtern zum Sturz langjähriger nationalistischer Machthaber. Nach über einem Jahrzehnt an der Macht verloren Aleksandar Vučić in Serbien und Viktor Orbán in Ungarn ihre vermeintlich unbesiegbare Position.
Sowohl Viktor Orbán in Ungarn als auch Aleksandar Vučić in Serbien galten jahrelang als unantastbare Führungspersönlichkeiten. Wie die BBC berichtet, waren beide Politiker 16 beziehungsweise 14 Jahre im Amt, hatten staatliche Institutionen übernommen und grenzüberschreitende Geschäftsimperien aufgebaut.
Wahlbeobachter und Studenten stoppen Manipulationen in Subotica und Vojvodina
Die entscheidende Wendung in beiden Ländern brachte die gezielte Mobilisierung der Wählerschaft sowie die Präsenz von Wahlbeobachtern. Im Vorfeld der Abstimmung entsandte die ungarische Bürgerinitiative DE 70 Wahlbeobachter nach Serbien, die laut der Berichterstattung eng mit Vertretern von Studentenbewegungen in der nordserbischen Provinz Vojvodina zusammenarbeiteten. Bereits im Sommer hielten die Gruppen Workshops ab, um Methoden aus den ungarischen Wahlen an die serbischen Studenten weiterzugeben.
Ein Schwerpunkt lag auf der Identifizierung sogenannter infizierter Wahldokale. Dabei handelt es sich um Stimmbezirke, in denen bei vergangenen Wahlen auffällig hohe Stimmenanteile für die Regierungspartei auf den Einsatz von Wähler Einschüchterung oder die sogenannte Kettengerinnung hindeuteten.
Dank dieser mobilen Teams und stationärer Beobachter wirkten nach Angaben der Berichte 20 bis 30 Freiwillige an gefährdeten Standorten als wirksame Abschreckung gegen Betrug und Einschüchterung.
Gemeinsame Geschäfte und internationale Allianzen von Vučić und Orbán
Die politischen Verflechtungen der beiden Regierungschefs reichten weit über die Grenzen ihrer Staaten hinaus. Ein Treffen im vergangenen Jahr in einer Kleinstadtbäckerei in Subotica, bei dem die traditionellen Teigwaren Burek verzehrt wurden, unterstrich die enge Partnerschaft. Bei einem anschließenden Besuch in einem lokalen Weingut besprachen Orbán und Vučić laut BBC Ölgeschäfte wie den geplanten ungarischen Erwerb der serbischen NIS-Raffinerie.
Beide Politiker pflegten enge Kontakte nach Russland zu Wladimir Putin und nach China zu Präsident Xi Jinping. Zudem unterstützten die beiden nationalistischen Führer Milorad Dodik, den separatistischen Anführer der bosnischen Serben. Auch die mit chinesischen Krediten und Know-how errichtete Schnellfahrstrecke zwischen Belgrad und Budapest zeugt von diesen geopolitischen und wirtschaftlichen Verbindungen.
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