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Unternehmen

Vanguard senkt Gebühren für FTSE All-World-ETF

Deutsche Anleger greifen zu ETFs wie dem Vanguard FTSE All-World und dem neuen FTSE Global All-Cap. Während globale Kapitalzuflüsse Rekordwerte erreichen, senkt Vanguard die Gebühren für den All-World-Fonds auf 0,14 Prozent.

Milliardenzuflüsse für den Vanguard FTSE All-World im September 2026

An den internationalen Finanzmärkten fließen weiterhin unermüdlich Gelder in passive Indexfonds. Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF verzeichnete im September 2026 Nettozuflüsse von 3,067 Milliarden US-Dollar und führte damit laut Daten von ETFGI die europäischen Exchange Traded Funds an. Weitere Datenauswertungen von LSEG Lipper bezifferten die September-Zuflüsse auf 2,7 Milliarden Euro.

Das Fondsvolumen erreichte zum Monatsende rund 87 Milliarden US-Dollar. Im ersten Halbjahr 2026 waren dem Fonds bereits rund 14 Milliarden Euro zugeflossen. Auch in der Kalenderwoche 42 setzte sich der Trend fort: Vanguard verzeichnete in Europa die höchsten Netto-Zuflüsse aller ETF-Anbieter, wobei die thesaurierende Anteilsklasse mit der ISIN IE00BK5BQT80 mit 535,2 Millionen Euro den größten Einzelbeitrag leistete.

Gebührensenkung und Kursentwicklung im Oktober 2026

Um die Attraktivität weiter zu steigern, reagierte die Vermögensverwaltung auf das starke Wachstum mit einer spürbaren Preissenkung. Für den Vanguard FTSE All-World UCITS ETF in der ausschüttenden Tranche sank die jährliche Gesamtkostenquote (TER) von bisher 0,19 Prozent auf nun 0,14 Prozent.

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Foto: inFranken.de

Diese Entwicklung traf jedoch auf volatile Märkte. Kursrücksetzer an den Technologiemärkten, Sorgen um US-Inflation sowie geopolitische Spannungen belasteten die Notierungen. Nach einem Technologie-Ausverkauf verzeichnete der Fonds auf Wochentstimmung leichte Verluste; die ausschüttende Variante schloss am Freitag bei 163,26 Euro, während die thesaurierende Tranche bei 168,88 Euro notierte. Trotz dieser Rücksetzer steht für das Jahr 2026 ein beachtlicher Zuwachs zu Buche.

Das Problem des Klumpenrisikos beim klassischen MSCI World

Hintergrund der starken Nachfrage nach global streuenden Produkten ist eine zunehmende Sättigung und Konzentration bei etablierten Indizes. Wie WELT im Oktober 2026 berichtete, entfallen inzwischen mehr als drei Viertel des MSCI World auf US-Aktien. Der Index, der rund 1.300 Large- und Mid-Caps aus 23 Industrieländern umfasst, gewichtet nach Marktkapitalisierung. Dadurch dominiert die Region USA mit rund 70 bis 75 Prozent, während der IT-Sektor etwa ein Viertel ausmacht.

Experten weisen darauf hin, dass die Rendite dadurch überproportional von wenigen Tech-Giganten wie Apple, Meta und Nvidia abhängt. Um diesem Klumpenrisiko zu begegnen, diskutieren Anleger und Portfoliomanager verschiedene Beimischungen:.

Vanguard senkt Gebühren für FTSE All-World-ETF
Foto: SuaraGarut.ID
  • MSCI World kombiniert mit Europa und Schwellenländern: Eine Gewichtung von 70 Prozent MSCI World, 15 Prozent Europa und 15 Prozent Schwellenländern reduziert den US-Anteil im Modell auf etwa 50 Prozent.
  • Erweiterung um Small Caps und Sektoren: Eine Mischung aus 60 Prozent MSCI World, 15 Prozent Europa, 10 Prozent Schwellenländern, 10 Prozent Small Caps und 5 Prozent Sektor-Gegengewicht drückt den US-Anteil weiter auf rund 45 Prozent.

Der neue „Super-Welt-ETF“ mit 10.000 Aktien im Praxistest

Als Alternative zu klassischen Indizes kam mit dem Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF ein weiterer Fonds auf den Markt, der Industrie- und Schwellenländer sowie Small Caps bündelt. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,07 Prozent pro Jahr ist das Produkt extrem günstig.

Finanzexperten bewerten das Konzept differenziert.

Mit einer TER von 0,07 Prozent pro Jahr ist der neue Vanguard-ETF günstig. Zum Vergleich: Von Finanztip empfohlene breit gestreute Alle-Länder-ETFs liegen derzeit beispielsweise bei 0,17 Prozent für den SPDR MSCI ACWI IMI, 0,14 Prozent für den Vanguard FTSE All-World oder 0,20 Prozent für den iShares MSCI ACWI.

Timo Halbe, Finanztip

Dennoch gibt es Hürden. Der Index bildet theoretisch mehr als 10.000 Aktien ab, um eine Marktabdeckung von 99,9 Prozent zu erreichen. In der Praxis enthielt der ETF Ende August jedoch rund 6.400 Titel. Yann Stoffel erläutert die Hintergründe zu kleineren Werten:.

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Foto: Finanztrends

Der Vorteil wird von den meisten Anlegern wahrscheinlich deutlich überschätzt. Im weltweiten Aktienmarkt gilt: Die Anzahl kleiner Aktien ist riesig, aber ihr Gewicht ist winzig. Wenn man den weltweiten Aktienmarkt abbildet, dann deckt man die ersten 20 % des Marktes mit nur 10 Aktien ab. Für die letzten 20 % des Marktes braucht man zirka 9000 Aktien. Hinzu kommt, dass kleinere Aktien weniger liquide gehandelt werden. Das geht dann typischerweise mit höheren Handelskosten und Liquiditätsrisiken im Falle eines Marktcrashs einher.

Yann Stoffel, Finanztip

Warum Finanztip den neuen XXL-ETF noch nicht empfiehlt

Trotz der günstigen Konditionen und des großen Volumens von über 2,5 Milliarden US-Dollar in wenigen Wochen hat das Verbraucherportal Finanztip den neuen Vanguard-ETF noch nicht in seinen Empfehlungen aufgenommen. Grund dafür sind strenge Kriterien für den ETF-Finder:.

  • Der ETF muss einen weltweiten Aktienindex abbilden.
  • Die Kostenquote muss unter 0,3 Prozent p. a. liegen oder in den letzten fünf Jahren eine bessere Rendite als der Index erzielt haben.
  • Das Fondsvolumen muss mehr als 100 Millionen Euro betragen.
  • Das Wertpapier muss mindestens fünf Jahre an der Börse handelbar sein.

Da der Global All-Cap diese fünfjährige Börsenhistorie noch nicht vorweisen kann, fehlt laut Experten die notwendige Erfahrung mit der Tracking Difference – also der Abweichung zwischen ETF-Rendite und Indexentwicklung unter realen Praxisbedingungen.

Zu diesem Punkt erklären die Experten in den Veröffentlichungen:.

Vanguard senkt Gebühren für FTSE All-World-ETF
Foto: ad-hoc-news.de

Den neuen Vanguard-ETF selbst empfehlen wir aktuell noch nicht. Für unsere ETF-Empfehlungen verlangen wir unter anderem eine Historie von mindestens fünf Jahren. Der new Fonds ist dafür schlicht noch zu jung. Das ist kein Urteil gegen das Produkt – bislang fehlen nur die Erfahrungswerte, um beurteilen zu können, wie zuverlässig der ETF seinen Index in der Praxis abbildet.

Expertenmeinung, via Finanztip

Für den neuen Vanguard ETF gilt: Es ist durchaus eine Herausforderung, in noch kleinere und illiquidere Aktien als bisher üblich investieren zu wollen. Ob das am Ende in einem noch besseren Rendite-Risiko-Verhältnis im Vergleich zu bisher existierenden ETF mündet, ist nicht garantiert. Wir empfehlen diesen ETF deshalb auch nicht eher als andere Welt-ETF.

Expertenmeinung, via Infranken

Empfehlungen für bestehende Depots und Neuinvestitionen

Sowohl Verbraucherschützer als auch Finanzportale raten bestehenden Anlegern von überstürzten Umschichtungen ab. Wer bereits Anteile an einem klassischen MSCI World oder FTSE All-World hält, sollte diese Positionen im Depot belassen. Ein Verkauf würde sofort Steuern auf realisierte Gewinne auslösen, die den Zinseszinseffekt schmälern.

Stattdessen empfiehlt es sich laut Stiftung Warentest und weiteren Berichten, zukünftige Sparpläne auf den Prüfstand zu stellen oder gezielt neue Bausteine wie Schwellenländer- und Small-Cap-ETFs hinzuzufügen, sofern eine noch breitere Diversifikation gewünscht ist. Ob der neue XXL-Index langfristig den etablierten Standard ablöst, bleibt angesichts fehlender historischer Langzeitdaten vorerst offen.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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