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VALIE EXPORT stirbt mit 85 – feministische Avantgardistin und Medienkünstlerin

Valie Export, die österreichische Medienkünstlerin und Pionierin der feministischen Kunst, ist am 14. Mai 2026 im Alter von 85 Jahren gestorben. Die Künstlerin, die unter dem Namen VALIE EXPORT weltweit bekannt wurde, prägte mit ihren provokativen Performances, Filmen und Installationen die Avantgarde der 1960er und 1970er Jahre und setzte sich dabei radikal mit der Darstellung von Frauen und gesellschaftlichen Machtstrukturen auseinander.

Die bewusste Namenswahl als politisches Statement und künstlerische Identität

Eine Künstlerin, die die Grenzen sprengte
VALIE EXPORT wurde am 17. Mai 1940 als Waltraud Lehner in Linz geboren. Schon früh distanzierte sie sich von den Namen ihrer Familie und übernahm 1967 den Künstlernamen VALIE EXPORT, inspiriert von der Zigarettenmarke „Smart Export“. Dieser Name stand für ihre Absage an patriarchale Strukturen und ihre Entscheidung, sich als eigenständige, kreative Persönlichkeit zu etablieren. „Ich wollte nicht mehr den Namen meines Vaters oder meines ehemaligen Mannes tragen“, erklärte sie später. „Mein Ziel war es, mich von innen und außen zu exportieren – und genau das tat ich.

Provokative Performances als Mittel der feministischen Provokation und Publikumsaktivierung

Ihre Kunst war von Anfang an politisch und provokant. In den 1960er Jahren setzte sie sich mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft auseinander, insbesondere mit der sexualisierten Darstellung von Frauen in Medien und Kunst. Ihre Performances, wie „Aktionshose: Genitalpanik“ (1968), bei der sie in einer Münchner Kinovorführung mit freigelegter Schamgegend durch den Saal ging, oder „Tap and Touch Cinema“ (1968), bei dem sie ihre Brust der Öffentlichkeit zum Anfassen präsentierte, zielten darauf ab, die passive Rezeption von Kunst zu durchbrechen und das Publikum aktiv einzubinden. „Ich wollte herausfinden, was passiert, wenn man diese voyeuristische Haltung verlässt und die Menschen mit der Realität konfrontiert“, sagte sie in einem Interview mit Interview Magazine.

Expanded Cinema und die Dekonstruktion von Machtverhältnissen in der Kunst

Kunst als Mittel der gesellschaftlichen Auseinandersetzung
Export entwickelte in ihren Werken eine Form des „Expanded Cinema“, das über die klassische Filmprojektion hinausging und Performance, Fotografie und interaktive Installationen umfasste. Ihre Arbeiten thematisierten die Machtverhältnisse in der Darstellung von Frauenkörpern und forderten die Zuschauer heraus, sich mit diesen Themen aktiv auseinanderzusetzen. „Die Kunst muss revolutionäres Potenzial haben“, schrieb sie. „Frauen müssen alle Medien als Mittel des sozialen Kampfes und als Mittel für sozialen Fortschritt nutzen, um die Kultur von männlichen Werten zu befreien.

Das künstlerische Erbe und die ungebrochene Relevanz ihrer radikalen Ansätze

Ihre Werke wie „Die Geburtenmadonna“ (1976) oder „Adjunct Dislocations“ (1973), bei der sie mit Kameras an ihrem Körper durch den öffentlichen Raum ging, machten sie zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der feministischen Kunstszene. Export zeigte damit nicht nur ihren eigenen Körper als künstlerisches Material, sondern hinterfragte auch die gesellschaftlichen Normen und Erwartungen an Frauen.


Ein Vermächtnis der Provokation und des Widerstands
VALIE EXPORT starb am 14. Mai 2026, nur drei Tage vor ihrem 86. Geburtstag. Ihr Tod markiert das Ende einer Ära, in der Kunst als Werkzeug des gesellschaftlichen Wandels verstanden wurde. Ihre Arbeiten werden weltweit in Museen und Ausstellungen gezeigt und gelten als wegweisend für die feministische Kunstbewegung. „Export hat mit ihren Filmen und Performances eine neue Form des radikalen, körperbezogenen Feminismus in Europa eingeführt“, betonte ihre Galerie Thaddaeus Ropac in einer Stellungnahme.

Ihr künstlerisches Schaffen bleibt bis heute eine Herausforderung an die Kunstwelt, sich mit Fragen von Geschlecht, Macht und Repräsentation auseinanderzusetzen. VALIE EXPORT hinterlässt ein Werk, das nicht nur die Kunstgeschichte geprägt hat, sondern auch weiterhin zum Nachdenken anregt.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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