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Technik und Wissenschaft

US-Wahlkampf: Parteien kritisieren Rechenzentren wegen Stromkosten

In den US-Zwischenwahlen treiben Sorgen über steigende Stromkosten und den massiven Energiebedarf von KI-Rechenzentren den politischen Widerstand an. Republikaner und Demokraten haben seit Jahresbeginn Millionen für Kampagnenwerbung ausgegeben, in der Rechenzentren und deren steuerliche Begünstigungen als Kostentreiber kritisiert werden.

Der rasante Ausbau von Serverfarmen für die Tech-Branche gerät in den Fokus des US-Wahlkampfs. Wählerinnen und Wähler zeigen sich zunehmend besorgt über die Belastung der lokalen Stromnetze und steigende Versorgerrechnungen. Laut einer Analyse von Daten der Agentur AdImpact haben Wahlkämpfer und politische Aktionsgruppen seit Januar mehr als 45 Millionen US-Dollar für Werbung aufgewendet, die Rechenzentren thematisiert. Die Ausgaben verteilen sich nahezu hälftig auf beide Parteien, wobei Demokraten und Republikaner das Thema nutzen, um sich als Anwalt der Verbraucher zu positionieren. Von Januar bis August war die Spending mit über 22 Millionen US-Dollar für republikanische Kandidaten und mehr als 21 Millionen US-Dollar für demokratische Kandidaten nahezu identisch, wobei Independents den Rest antrieben. Dennoch schalteten die Demokraten fast doppelt so viele Anzeigen wie die Republikaner – 127 im Vergleich zu 67 – und verteilten ihre Botschaften auf mehr Bundesstaaten und Rennen.

Bipartisane Skepsis bei Energiepreisen und Steuervorteilen

Voters are fed up with data centers. Both parties

Während Tech-Giganten wie Google, Meta, Amazon und Microsoft versuchen, den ungestörten Ausbau ihrer Infrastruktur voranzutreiben, wächst in der Bevölkerung die Ablehnung. Eine im Juni veröffentlichte Reuters/Ipsos-Umfrage ergab, dass 77% der Amerikaner besorgt sind, dass Rechenzentren die Stromkosten in die Höhe treiben, und zwei Drittel der Demokraten sowie die Hälfte der Republikaner angaben, sie würden ein Rechenzentrum in ihrer Gemeinde ablehnen. Michael Franz, Co-Direktor des Wesleyan Media Project, erklärt dazu, dass das Thema beiden Parteien willkommene Argumente liefere.

Für die Republikaner biete die Kritik an den Großkonzernen hingegen eine Möglichkeit, so Franz weiter, „to go in opposition to big corporations, in opposition to a system that doesn’t care about you. Die Konvergenz der Positionen führt dazu, dass sowohl liberale Demokraten als auch MAGA-Republikaner in dieser Frage ungewöhnlich oft im selben Lager landen.

Millionenausgaben in umkämpften Bundesstaaten

Besonders intensiv wird die Debatte in Regionen geführt, in denen politische Rennen als offen gelten, wie etwa in Wisconsin und Michigan. Laut AdImpact-Daten hat mehr als die Hälfte der republikanischen Ausgaben für Anzeigen, die Rechenzentren erwähnen, in Georgia stattgefunden, und der Bundesstaat hat etwa 30% der Gesamtausgaben für Rechenzentrums-Anzeigen auf sich vereint. Auch in Iowa setzen Kandidaten beider Parteien auf Slogans gegen steigende Energiekosten durch Künstliche Intelligenz. So lief im August eine Anzeige des Believe in Wisconsin PAC für den demokratischen Gouverneurskandidaten David Crowley, für deren Ausstrahlung die Gruppe 634.795 US-Dollar aufwendete und versprach, dass Crowley „will lower costs, make housing affordable, stop AI data centers from making your energy bills skyrocket“.”

Data-center backlash poised to play critical role in midterms

Auf der republikanischen Seite positioniert sich beispielsweise Florida-Gouverneurskandidat Byron Donalds als Prüfstein für Rechenzentren. Das Friends of Byron Donalds PAC zahlte über 2,5 Millionen US-Dollar für die Ausstrahlung einer Anzeige, in der er verspricht, „to protect Florida families and communities from data centers that jack up utility rates and make everything else more expensive“ und „fight for a ratepayer protection plan“.””

Maßnahmen und Gegenwehr auf Gouvernehmsebene

Mehrere Gouverneure reagieren auf den öffentlichen Druck mit Schritten. Der demokratische Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, unterzeichnete kürzlich eine Exekutivverordnung, die die Entwicklung von Rechenzentren im Staat einschränkt, und bezog damit Stellung gegen sogenannte „predatory“ Entwickler. Der texanische Gouverneur Greg Abbott verhängte eine Pause für die Genehmigung neuer Rechenzentren und schuf eine Reihe von Standards, denen mehrere Unternehmen hinsichtlich der Wasser- und Stromnutzung sowie der Lebensqualität für Anwohner zustimmten. In New York erließ Gouverneurin Kathy Hochul im Juli ein branchenweit erstes Moratorium für den Bau großer Rechenzentren, das jedoch Gegenwind von KI-Befürwortern erntete, die warnen, das Verbot könnte Bauarbeitsplätze vernichten.”

US-Wahlkampf: Parteien kritisieren Rechenzentren wegen Stromkosten
Photo: nypost.com

Gleichzeitig stemmt sich die Tech-Branche gegen den Imageschaden. Meta-CEO Mark Zuckerberg startete diesen Sommer eine Kampagne für KI-Optimismus und schrieb in einem Meinungsartikel im Wall Street Journal, die neue Technologie werde allgemeinen Wohlstand freisetzen. Auch OpenAI veröffentlichte eine Welle von Anzeigen, die ihre Technologie in einem positiven Licht darstellen. Dennoch tauchen in Online-Suchen immer wieder Schauergeschichten über Rechenzentren auf, und Nutzer sozialer Medien nennen Umweltprobleme, Lärm- und Lichtverschmutzung sowie wirtschaftliche Sorgen als Gründe für ihre Ablehnung.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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