Bundesbeamte haben am Montag das Wohnhaus der US-Demokratin Ilhan Omar in der Region Washington durchsucht. Das US-Justizministerium bestätigte den richterlich angeordneten Einsatz im Rahmen einer laufenden strafrechtlichen Untersuchung zu Einwanderungsangelegenheiten, knapp drei Wochen vor den anstehenden Zwischenwahlen.
Mehrere Ermittler in Einsatzkleidung wurden vor dem Gebäude gesehen, während Einsatzkräfte Aktenkisten abtransportierten, wie ein Team der BBC beobachtete. Das Justizministerium teilte in einer offiziellen Erklärung mit, dass die Durchsuchung auf Basis eines richterlich genehmigten Durchsuchungsbeschlusses erfolgte.
Tom Homan, der Grenz-Zar der Trump-Administration, erklärte gegenüber dem Fox Business Network, dass das Justizministerium die Untersuchungen gemeinsam mit dem Ministerium für innere Sicherheit anführe. Das Department of Homeland Security ist dabei dem US Immigration and Customs Enforcement (ICE) zugeordnet.
Ermittlungen zu Papieren und harte politische Kritik
Zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen bestätigten gegenüber Medien, dass die strafrechtliche Untersuchung im Zusammenhang mit Einwanderungspapieren der somalischstämmigen Politikerin steht. Die entsprechenden Unterlagen waren von ihrem verstorbenen Vater ausgefüllt worden, als Omar noch ein Kind war.

Die 44-jährige Politikerin, die in den 1990er-Jahren mit ihrer Familie als Flüchtling in die Vereinigten Staaten kam und seit 2019 den Bundesstaat Minnesota im US-Repräsentantenhaus vertritt, wies die Vorbringungen entschieden zurück und wertete das Vorgehen als politischen Einschüchterungsversuch.
„Seit zehn Jahren überzieht Trump mich mit haltlosen Lügen und Schmutzkampagnen. Dies ist nur die jüngste Eskalation in seinem Feldzug der politischen Einschüchterung. Ich werde mich nicht mundtot machen lassen.“
Ilhan Omar, demokratische US-Abgeordnete
Jacklyn Rogers, die Kommunikationsdirektorin der Abgeordneten, bezeichnete die Razzia als einen ungeheuerlichen Machtmissbrauch der Trump-Regierung und betonte, dass sich die Kongressabgeordnete keinerlei Schuld bewusst sei.
Die Parteiführung der Demokraten im Repräsentantenhaus um den Abgeordneten Hakeem Jeffries sowie die Abgeordneten Katherine Clark und Pete Aguilar kritisierte den Einsatz scharf. In einer gemeinsamen Erklärung bezeichneten die Parteivertreter die Razzia als tief besorgniserregend und sprachen von einem rohen Machtmissbrauch der Regierungsmaschinerie gegen politische Gegner.
Auch Minnesotas Gouverneur Tim Walz verurteilte das Vorgehen öffentlich als Machtmissbrauch kurz vor den Wahlen.
Das Justizministerium verfügt traditionell über interne Richtlinien, die Ermittlungsschritte gegen politische Kandidaten innerhalb von rund 60 Tagen vor einer Vorwahl oder Hauptwahl untersagen, um jegliche Wahrnehmung einer Wahlbeeinflussung zu vermeiden.
Der Council on American-Islamic Relations (CAIR) in Minnesota kündigte für den Nachmittag eine Kundgebung zur Unterstützung der Politikerin an.

Kontext der Zwischenwahlen und frühere Aussagen
Die Durchsuchung erfolgt rund drei Wochen vor den Zwischenwahlen am 3. November, bei denen die Republikanische Partei ihre Mehrheit im Kongress verteidigen will. Präsident Donald Trump bestritt jegliche direkte Beteiligung an dem Vorgang.
Gegenüber Journalisten äußerte er sich kritisch über die Abgeordnete, bezeichnete sie als complainer beziehungsweise schreckliche Person und betonte, die Justizbehörden handelten eigenständig.
Republikanische Spitzenpolitiker hatten in den vergangenen Wochen mehrfach Ermittlungen angedeutet. So erklärte Heimatschutzminister Markwayne Mullin im Vormonat in einem Interview mit dem rechten Kommentatoren Benny Johnson, dass bezüglich des Aufenthaltsstatus der Familie weitere Schritte zu erwarten seien.
Auch der ranghohe Regierungsverantwortliche Tom Homan bestätigte im US-Fernsehen, dass entsprechende Überprüfungen laufen. Bis zum Nachmittag hatten die Bundesbehörden im Zuge der Razzia keine formellen Anklagen gegen die Abgeordnete bekannt gegeben.
Auch interessant