Fast eine halbe Million Kinder auf den Philippinen wurden im Jahr 2022 Opfer von sexuellem Online-Missbrauch, der oft über Live-Videostreams von Täter in wohlhabenden Ländern gesteuert wird. Eine weltweite CNN-Recherche bringt nun das Ausmass ans Licht und führt in einem Fall bis zu einer Verurteilung in der Schweiz.
Das Geschäft mit sogenanntem made-to-order
-Missbrauch floriert über Tausende Kilometer hinweg. Kunden aus wirtschaftlich starken Regionen bezahlen lokale Vermittler, um Kinder vor laufender Kamera sexuell auszubeuten, während sie die Taten via Videochat oder verschlüsselte Messenger in Echtzeit verfolgen und eigene Anweisungen erteilen.
Das Ausmass der Krise und die Daten der International Justice Mission
Eine gemeinsame Untersuchung der International Justice Mission (IJM) und der University of Nottingham förderte zutage, dass allein im Jahr 2022 fast 500.000 philippinische Kinder für die Erstellung neuen Missbrauchsmaterials ausgebeutet wurden. Dies entspricht statistisch rund einem von 100 Kindern im gesamten Land. Laut einem Bericht der IJM von 2023 sind allein in den Philippinen fast 500’000 Kinder betroffen, und die Philippinen gelten als Epizentrum für die Produktion von Kinderpornografie. Viele Täter sitzen in westlichen Ländern, darunter auch ein verurteilter Schweizer. Mit wenigen Klickern können Täter Tausende Kilometer entfernt bestimmen, was einem Kind angetan werden soll.
Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen. Für einzelne Aufnahmen oder den Zugriff auf einen Livestream werden mitunter geringe Beträge fällig. Nach Angaben der IJM reichen in manchen Fällen bereits rund 25 Dollar aus, damit ein Kunde einen sexuellen Übergriff live miterleben kann.
Die Rolle der USA als Hauptmarkt und die Geldströme seit 2015
Daten der philippinischen Anti-Geldwäschebehörde (AMLC) belegen, dass die Vereinigten Staaten von 2015 bis 2023 der grösste Abnehmer dieser Inhalte waren und das bedeutendste Herkunftsland für verdächtige Transaktionen im Zusammenhang mit Online-Kindermissbrauch sind. Eine erneute Analyse der Behörde bestätigte diese Spitzenposition.
Zwischen 2020 und 2022 zahlten Amerikaner über 7 Millionen Dollar aus den USA auf die Philippinen für solche Inhalte aus.
Verstrickung von Familienangehörigen und die Täter in westlichen Staaten
Besonders erschütternd ist der Umkreis, aus dem die Täter auf den Philippinen Unterstützung erhalten. Oftmals werden die Kinder von weiblichen Familienmitgliedern zu den sexuellen Angeboten gedrängt.
Die Konsumenten sitzen derweil in westlichen Ländern wie Grossbritannien, Schweden und der Schweiz, und das Rechercheteam konnte mehr als ein Dutzend Käufer von auf den Philippinen produziertem Missbrauchsmaterial identifizieren, die zwischen 20 und über 70 Jahre alt waren und unterschiedlichen Berufen nachgingen. Ein weiterer US-Amerikaner, Carey Lee Sackmann, wurde zu einer zehnjährigen Haftstrafe sowie zu einer Entschädigungszahlung von 50.000 Dollar verurteilt, nachdem Ermittler seine Kontakte zu Vermittlern und seine Zahlungen für Livestreams aufdeckten.
Schwierigkeiten für die Strafverfolgung und Sperren auf Telegram
Livestreams stellen Ermittlungsbehörden vor immense Hürden, da nach dem Ende der Übertragung keine physischen Dateien gespeichert bleiben und digitale Spuren schnell verblassen. Plattformen geraten deshalb zunehmend in den Fokus, wobei Täter oft anonym über verschlüsselte Plattformen wie Telegram oder Whatsapp agieren und CNN dabei aufdeckte, wie einfach es ist, in Gruppenchats mit Angeboten voller Missbrauchsinhalte einzutreten, die oft zu niedrigen Preisen offeriert werden.
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