Katholische Bischöfe in den USA werfen dem Weißen Haus Manipulation vor, nachdem Fotos und Videos eines gemeinsamen Gebets mit US-Präsident Donald Trump kurz vor den Kongress-Zwischenwahlen am 3. November 2026 veröffentlicht wurden. Die Kirchenvertreter betonen, sie hätten nie ihre Zustimmung zu einer parteipolitischen Nutzung gegeben.
Das Treffen im Weißen Haus und die Veröffentlichung des Bildmaterials
Wenige Tage vor den mit Spannung erwarteten Kongress-Zwischenwahlen am 3. November 2026 hat das Weiße Haus Bild- und Videomaterial eines gemeinsamen Gebets mit katholischen Bischöfen veröffentlicht. Die sogenannten Midterms gelten als wichtiger Stimmungstest zur Halbzeit einer Präsidentschaft und können die politischen Kräfteverhältnisse in Washington neu ordnen. Das Treffen der Kirchenvertreter mit US-Präsident Donald Trump sorgte rasch für ein großes mediales Echo.
Laut Angaben aus den Stellungnahmen waren die Bischöfe vom Büro für Glaubensfragen des Weißen Haus eingeladen worden. Als offizielle Gesprächsinhalte standen Themen wie die Migrations- und Sozialpolitik, die Reproduktionsmedizin sowie die Unterstützung von Bildungseinrichtungen auf der Agenda.

Erzbischof James R. Golka und die Kritik an der Darstellung
Allen voran wehrt sich der Erzbischof von Denver, James R. Golka, der das Gebet geleitet hatte, gegen den Eindruck einer politischen Schützenhilfe. Er hatte bei dem Treffen unter anderem Gott für das Amt gedankt.
für das Geschenk unserer Regierung. Wir danken dir für das Geschenk dieses Amtes und dieser Präsidentschaft.
James R. Golka, Erzbischof von Denver, via Kirche Und Leben
Gegenüber dem regionalen katholischen Portal Denver Catholic erklärte Golka, es sei niemals seine Absicht gewesen, das Treffen als Unterstützung für Trump und die Republikanische Partei verstanden wissen zu wollen. Er habe im Vorfeld mit sich gerungen, da einerseits persönliche Gespräche mit dem Präsidenten eine Gelegenheit zum Wohl der Kirche versprachen, andererseits aber erkennbar war, dass manche Menschen sich darüber aufregen könnten.
Nach seiner Schilderung seien die Bischöfe von Trump begrüßt und aufgefordert worden, sich hinter ihn zu stellen und zu beten. Zudem sei ohne ihr Wissen ein Video aufgenommen worden. Eine Erlaubnis zur Veröffentlichung des Foto- und Videomaterials habe zu keinem Zeitpunkt vorgelegen.
Ich empfinde tiefe Traurigkeit, nicht nur wegen des Leids, das ich verursacht habe, sondern auch wegen der Tatsache, dass etwas, das für eine Gruppe religiöser Führer so heilig ist – das Gebet zu unserem himmlischen Vater -, auf diese Weise manipuliert wurde.
James R. Golka, Erzbischof von Denver, via Kathpress
Bischof William Joensen und die Reaktionen aus des Moines
Ebenfalls kritisch äußerte sich Bischof William Joensen aus Des Moines in einer Stellungnahme an die Gläubigen seiner Diözese. Er übte offene Selbstkritik bezüglich seiner Teilnahme an dem Termin im Weißen Haus.
Ich wünschte, ich wäre klüger und weniger naiv gewesen, so wie jene, die unser Treffen für parteipolitische Zwecke ausgenutzt haben.
William Joensen, Bischof von Des Moines, via Kirche Und Leben
Den Bischöfen sei der sensible Zeitpunkt kurz vor der Wahl zwar durchaus bewusst gewesen, betonte Joensen. Doch keiner von ihnen habe im Entferntesten die Absicht gehabt, durch die eigene Anwesenheit eine politische Partei oder einen einzelnen Kandidaten zu unterstützen. Er bete für künftig mehr Umsicht und Weisheit im Dialog mit politischen Führungskräften.
Die Position des Weißen Hauses vor der Wahl
Von Regierungsseite wurde die Arbeit des amtierenden Präsidenten für gläubige Katholiken im Land vorab ausdrücklich hervorgehoben. Taylor Rogers, eine Sprecherin des Weißen Hauses, verwies auf die Bilanz der Administration.
Es gab noch nie einen besseren Präsidenten für katholische Amerikaner als Präsident Trump, und seine beeindruckende Bilanz beweist dies.
Taylor Rogers, Sprecherin des Weißen Hauses, via Kirche Und Leben
Zur Begründung verwies die Sprecherin darauf, dass Trump Abtreibungsgegner begnadigt, die religiösen Rechte verteidigt und ausgeweitet sowie die Instrumentalisierung der Bundesregierung gegen Christen gestoppt habe. Ob die US-Katholiken diese Einschätzung teilen, wird sich bei den anstehenden Stimmabgaben am 3. November zeigen.
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