Die UN-Generalversammlung hat am Freitag eine Resolution zur weltweiten Einführung flächentreuer Weltkarten wie Equal Earth
verabschiedet. Mit 164 Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme der USA soll die traditionelle Mercator-Projektion abgelöst werden, um Kontinente wie Afrika maßstabsgetreu darzustellen.
Die Vereinten Nationen haben mit breiter Mehrheit einen Kurswechsel in der globalen Kartografie eingeleitet. Die von Togo im Namen der afrikanischen Gruppe eingebrachte und von der Afrikanischen Union unterstützte Correct the Map
-Resolution wurde am Freitag mit 164 Stimmen angenommen. Lediglich die Vereinigten Staaten stimmten gegen den Vorstoß, während sechs Länder sich der Stimme enthielten.
Die Dominanz der Mercator-Projektion und das Problem der Verzerrung
Im Zentrum der Debatte steht die jahrhundertealte Mercator-Projektion, die im Jahr 1569 von dem flämischen Kartografen Gerardus Mercator entworfen wurde. Ursprünglich für die Seefahrt entwickelt, ermöglichte sie Seeleuten das Abtragen von Kursen auf geraden Linien bei konstantem Kompasskurs. Doch als allgemeine Weltkarte im Klassenzimmer oder in Medien sorgt sie nach Ansicht von Kritikern für gravierende optische Verzerrungen.
Da die Projektion eine dreidimensionale Kugel auf eine zweidimensionale Fläche überträgt, vergrößert sie Regionen in Polnähe massiv, während äquatornahe Gebiete optisch schrumpfen. So erscheint Grönland auf klassischen Mercator-Karten ungefähr genauso groß wie Afrika, obwohl der afrikanische Kontinent in der Realität rund 14-mal so groß ist. Ähnlich betroffen sind Südamerika, Indien und Südostasien.
Wenn man die Mercator-Karte als Weltkarte verwendet, zum Beispiel im Klassenzimmer, hätten die Schüler einfach ein völlig verzerrtes Bild von der Größe der Länder auf der Welt. Tom Patterson, ehemaliger leitender Kartograf des U.S. National Park Service, via NPR
Das Ziel der Equal Earth-Projektion und die Position Togos
Die angenommene Resolution ist rechtlich nicht bindend und verbietet die Nutzung der Mercator-Karte keineswegs, insbesondere da diese für die See- und Luftfahrt weiterhin voll geeignet bleibt. Stattdessen ermutigt sie Regierungen, internationale Organisationen und Bildungseinrichtungen dazu, flächentreue Alternativen wie die 2018 von Tom Patterson, Bojan Šavrič und Bernie Jenny entwickelte Equal Earth
-Projektion verstärkt zu nutzen.

Togos Außenminister Robert Dussey betonte im Vorfeld der Abstimmung die symbolische und politische Bedeutung des Schrittes für den globalen Süden.
Karten prägen unser Verständnis der Welt. Sie leiten die Bildung, nähren die Fantasie und beeinflussen kollektive Wahrnehmungen. Robert Dussey, Außenminister von Togo, via NPR
Togo kündigte an, als erstes Land noch in diesem Jahr die eigenen Geografiebücher und Schulmaterialien umzustellen. In den kommenden sechs Monaten plant das westafrikanische Land zudem Treffen mit Mitgliedern der Afrikanischen Union und Technologiekonzernen, um die praktische Implementierung auf digitalen Plattformen voranzutreiben.
Die internationale Reaktion: Frankreich begrüßt den Schritt, scharfe Kritik aus den USA
Während Länder wie Frankreich die Initiative ausdrücklich unterstützten und ankündigten, die flächentreue Darstellung innerhalb der französischen Regierungsstrukturen zu übernehmen, fiel die Reaktion der Vereinigten Staaten ablehnend aus. Yaryna Ferencevych, stellvertretende US-Vertreterin beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen, warf den Befürwortern vor, eine ideologische Agenda zu verfolgen.

Resolutionen wie diese und die ideologische Agenda, die sie fördern, sind Seepocken an unserer Arbeit hier und der Grund, warum diese Institution ihre Glaubwürdigkeit verliert. Yaryna Ferencevych, stellvertretende US-Vertreterin beim UN-Wirtschafts- und Sozialrat, via NPR
Zu den sechs Ländern, die sich bei der Abstimmung der Stimme enthielten, zählte unter anderem die Ukraine.
Auch die Afrikanische Union unterstrich auf Social Media, dass die Entscheidung dazu beitrage, dass die Weltkarte endlich das wahre Gewicht und die wahre Skala Afrikas widerspiegle.
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