Benjamin Netanyahu verteidigte vor der UN-Vollversammlung am 24. September 2026 den israelischen Militärkurs, während Dutzende Delegierte in New York aus dem Saal protestierten. Der israelische Ministerpräsident nutzte den Auftritt vor der Generalversammlung zu scharfen Angriffen auf internationale Kritiker und das iranische Nuklearprogramm.
Eklat im UN-Saal und Vorwürfe an die internationale Staatengemeinschaft
Als der israelische Regierungschef am 24. September 2026 das Rednerpult der 81. Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York City betrat, verließen Dutzende Delegierte demonstrativ den Raum. Der Ministerpräsident reagierte auf den Boykott mit harten Worten und bezeichnete die davongehenden Diplomaten als moralische Feiglinge, während Unterstützer auf der Zuschauertribüne laut in hebräischer Sprache riefen, dass das Volk Israel lebe.
Der Auftritt fiel in eine Phase massiver diplomatischer Isolation für Israel, das seit knapp drei Jahren den Krieg im Gazastreifen führt. Wegen eines 2024 vom Internationalen Strafgerichtshof erlassenen Haftbefehls ist der israelische Regierungschef in seiner Reisefreiheit stark eingeschränkt. Vor den Vereinten Nationen warf er europäischen Staaten vor, vor antisemitischen Protesten einzuknicken.
„They accuse Israel, tiny Israel, of colonialism – some colonialism. And who’s accusing us? Among them are people in Britain and in France. For God’s sake, they invented the term,“
Benjamin Netanyahu, Israel’s longest-serving leader
Kritik an New Yorks Bürgermeister und scharfe Reaktionen
Besonders scharf fiel die Abrechnung mit lokalen US-Politikern aus. Netanyahu attackierte den linken Bürgermeister von New York City, Zohran Mamdani, der zuvor angekündigt hatte, den israelischen Regierungschef bei einem Besuch verhaften zu lassen, später jedoch einräumte, hierfür keine rechtliche Befugnis zu haben. Mamdani hatte den Gast als Architekten eines Genozids an den Palästinensern bezeichnet.

Netanyahu wies diese Vorwürfe entschieden zurück und erklärte, Israel habe keinen Völkermord begangen, sondern einen solchen verhindert. In einer schriftlichen Erklärung entgegnete Mamdanis Büro, der Ministerpräsident nutze die UN-Bühne lediglich für halbe Wahrheiten, um die Gewalt im Gazastreifen zu rechtfertigen.
Auch gegenüber der Türkei sparte der Regierungschef nicht mit Kritik und nannte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan einen Tyrannen. Die türkische Regierung reagierte umgehend über den Kommunikationsdirektor des Präsidialamtes, Burhanettin Duran, der die Rede als unvereinbar mit den Idealen der Vereinten Nationen von Frieden und Dialog zurückwies.
Der Iran-Konflikt und die Partnerschaft mit Donald Trump
Im Zentrum der Ausführungen stand zudem die militärische Auseinandersetzung mit dem Iran. Der Regierungschef verteidigte die Schläge gegen iranische Nuklearanlagen als eine der härtesten, aber notwendigsten Entscheidungen seiner Amtszeit.

„In this battle against the barbarians, we’ve had no greater partner than President Trump. I thank him for his bold leadership. He boldly confronted an enormous danger to America, Israel, and the world… Israel and America acted together, not only to protect ourselves, but to save civilization,“
Benjamin Netanyahu, Israel’s longest-serving leader
Zur Veranschaulichung der militärischen Schläge gegen verbündete Milizen hielt er während seiner Ansprache einen Pager in die Höhe – eine Reminiszenz an die koordinierten Pager-Explosionen gegen Hisbollah-Mitglieder im Libanon aus dem Jahr 2024. Zudem zeigte er einen Starlink-Satelliteninternetempfänger, den er symbolisch für die iranische Delegation zurücklassen wollte, damit diese nach einem Sturz der Führung frei kommunizieren könne.
Innenpolitischer Wahlkampf und Proteste auf den Straßen
Die Rede fand vor dem Hintergrund bevorstehender Wahlen in Israel statt. Da Umfragen das Regierungslager unter Druck zeigen, wurde der rund 40-minütige Auftritt in den Abendnachrichten der großen israelischen Fernsehsender live übertragen. Im Vorfeld hatte die Regierung in Manhattan rund 500 Werbetafeln und Lastwagen mit Solidaritätsbotschaften platzieren lassen.
Draußen vor dem UN-Hauptquartier versammelten sich hunderte Demonstrierende. Sie blockierten zeitweise den Verkehr und forderten mit Rufen ein Ende der Waffenlieferungen. Die New Yorker Polizei nahm mehrere Demonstranten fest, während drinnen die diplomatischen Fronten verhärtet blieben.