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Welt

Ukraine-Krieg: Russland droht offen mit Einsatz von Atomwaffen

Russland und Belarus haben laut Angaben des russischen Vize-Außenministers Michail Galusin ihre Bereitschaft erklärt, zur Sicherung ihres Staatsverbundes notfalls Atomwaffen einzusetzen. Währenddessen meldet die Ukraine Todesopfer in der Region Charkiw, während innerhalb der EU heftige Streitigkeiten über Militärfinanzierungen und die Beteiligung Polens an Friedensgesprächen eskalieren.

Nukleare Drohungen und die Militärpräsenz in Belarus

Nukleare Drohungen und die Militärpräsenz in Belarus
Photo: T-Online
Die russische Führung verschärft ihre Rhetorik im Zusammenhang mit dem sogenannten Unionsstaat. Wie die taz berichtet, erklärte Vize-Außenminister Michail Galusin gegenüber der Zeitung Iswestija, dass Russland und Belarus jederzeit bereit seien, alle verfügbaren Mittel einschließlich Atomwaffen einzusetzen, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Diese Drohung ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil einer Strategie, die laut Spiegel bereits seit Beginn des Angriffskriegs wiederholt erfolgt, sobald Moskau eine existenzielle Bedrohung wahrnimmt. Die operative Basis für diese Drohung ist eine dauerhafte russische Militärpräsenz in Belarus. Galusin betonte, dass beide Länder regelmäßig gemeinsame Bereitschaftsprüfungen und Übungen durchführen. Ziel dieser Kooperation sei es, jeden potenziellen Aggressor abzuschrecken. Analysten sehen darin einen Versuch, den Westen durch eine permanente nukleare Pattsituation in Osteuropa zu lähmen. Die Einbindung von Belarus macht die Grenze zur NATO und zur Ukraine zu einer Zone extrem hoher Spannung, in der die Schwelle für eine Eskalation durch Fehlkalkulationen sinkt.

Angriffe auf Charkiw und russische Infrastruktur

Angriffe auf Charkiw und russische Infrastruktur
Photo: Spiegel
Die militärische Lage vor Ort bleibt brutal. In der nordöstlichen Region Charkiw forderte eine russische Angriffswelle mehrere Opfer. Der regionale Gouverneur Oleh Synjehubow meldete via Telegram, dass in der Stadt Tschuhujiw vier Menschen getötet und mehr als 20 weitere verletzt wurden. Drei Frauen und ein Mann verloren ihr Leben, während mindestens 18 Fahrzeuge und mehrere Wohngebäude beschädigt wurden, wie die Welt übermittelte Behördenangaben belegen. In der Regionalhauptstadt Charkiw benötigten zudem 15 Menschen medizinische Hilfe. Parallel dazu gerät die russische Energieinfrastruktur unter Druck. In der Stadt Kisiljurt kam es zu schweren Vorfällen an einer Gaspipeline. „Nach vorläufigen Informationen kam es an einer Gasfernleitung mit einem Durchmesser von 1.200 Millimetern zu drei Explosionen“ Tass, via MDR Laut Berichten des MDR griff ein Feuer in der Industriezone der Stadt auf eine Gasverteilerstation über. Gleichzeitig meldeten Rettungsdienste in der Oblast Krasnodar, dass ein durch ukrainische Drohnen ausgelöster Brand in einem Öldepot in Ust-Labinsk gelöscht wurde. In der Region Krasnodar wurde zudem die Afipsky-Raffinerie getroffen, wobei auch dort eine Gaspipeline beschädigt wurde, wie T-Online berichtet. Diese gezielten Schläge gegen die russische Öl- und Gaswirtschaft zielen darauf ab, die fiskalischen Ressourcen Moskaus weiter auszutrocknen. Eine im MDR zitierte Studie weist bereits darauf hin, dass die russische Wirtschaft Anzeichen von Erschöpfung zeigt, die Staatsfonds schrumpfen und die Verschuldung russischer Unternehmen dramatisch gestiegen ist.

Diplomatische Risse: Polen, Bulgarien und das E3-Format

50 TAGE UKRAINE-KRIEG: Russland droht mit Angriffen auf Kiew – CIA warnt vor Atomwaffen | WELT Thema
Während die Kämpfe toben, bröckelt die Einheit der westlichen Unterstützer. Ein zentraler Konfliktpunkt ist die Ausgrenzung Polens aus den sogenannten E3-Gesprächen, an denen nur Deutschland, Frankreich und Großbritannien teilnehmen. Polens Ministerpräsident Donald Tusk kritisierte diese Praxis scharf. Er stellte klar, dass Vereinbarungen, an denen Polen nicht beteiligt ist, von Warschau nicht respektiert werden. Tusk bezeichnete sein Land als unverzichtbares Bindeglied für jede ernsthafte Diskussion über die Zukunft der Region. Noch drastischer ist die Kehrtwende in Bulgarien. Die neue Regierung unter dem ehemaligen Präsidenten Rumen Radew hat die Waffenlieferungen an die Ukraine gestoppt. Verteidigungsminister Dimitar Stojanow erklärte, dass keine weiteren Waffen an die ukrainische Armee geliefert werden sollen. „Es ist nicht geplant, dass die bulgarische Seite der ukrainischen Armee weitere Waffen liefert“ Dimitar Stojanow, Verteidigungsminister Bulgariens Bulgarien, das in den Jahren 2024 und 2025 noch Panzerabwehrraketen und Haubitzen lieferte, plädiert nun für einen von beiden Kriegsparteien bestimmten, gerechten Frieden. Diese Entwicklung signalisiert eine gefährliche Erosion der NATO-Solidarität innerhalb Südosteuropas.

Der Streit um 6,6 Milliarden Euro aus der Friedensfazilität

Der Streit um 6,6 Milliarden Euro aus der Friedensfazilität
Ein finanzieller Machtkampf entbrennt zwischen Berlin und Warschau über die Europäische Friedensfazilität (EPF). Es geht um 6,6 Milliarden Euro an Mitteln, die kürzlich in der EU wieder freigegeben wurden. Deutschland, der größte Beitragszahler des Fonds, fordert, dass die gesamte Summe direkt zur Unterstützung der Ukraine verwendet wird. Polen wehrt sich dagegen vehement. Vize-Verteidigungsminister Cezary Tomczyk machte deutlich, dass die EPF-Mittel durch Beiträge der Mitgliedstaaten finanziert werden und daher auch diesen zustehen. „Dieses Geld ist unser Geld“ Cezary Tomczyk, polnischer Vize-Verteidigungsminister Die deutsche Seite, vertreten durch Staatssekretär Sebastian Hartmann, hält dagegen, dass sämtliche nicht unmittelbar genutzten Rückflüsse der Fazilität der Ukraine zugutekommen sollten. Das Bundesverteidigungsministerium bezeichnete die EPF in einer Stellungnahme als Solidaritätsmechanismus. Dieser Streit offenbart, dass die finanzielle Unterstützung der Ukraine zunehmend zu einem nationalen Rechenspiel wird, bei dem bilaterale Interessen gegen die europäische Gesamtstrategie ausgespielt werden.

Zelenskyjs US-Kontakte und die Aussichten auf einen Frieden

Trotz der Spannungen in Europa sucht Präsident Wolodymyr Zelenskyy den Dialog mit den USA. Er führte Gespräche mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über eine diplomatische Beilegung des Krieges. Zelenskyy äußerte sich dankbar über die Bereitschaft Washingtons, in den kommenden Wochen an einer Lösung zu arbeiten. Die Fortschritte sind jedoch begrenzt. Die Vermittlungsbemühungen stocken derzeit, da die US-Regierung ihre Aufmerksamkeit stark auf den Konflikt im Iran konzentriert. Dennoch bleibt das Ziel eines Friedens in Europa auf der Tagesordnung. Ein konkreter Anhaltspunkt für weitere Gespräche könnte der kommende G-7-Gipfel im französischen Évian sein. Die Kombination aus nuklearen Drohungen Russlands, der wirtschaftlichen Erschöpfung Moskaus und den Rissen in der EU-Koalition schafft eine hochvolatile Situation. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die diplomatischen Initiativen der USA die strategische Lähmung in Europa überwinden können oder ob die Fragmentierung der Unterstützer Russland den nötigen Raum für weitere Eskalationen gibt.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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