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Welt

Ukraine greift Marinestützpunkt bei St. Petersburg an

Die Ukraine hat am Samstag, dem 7. Juni 2026, massive Drohnenangriffe auf Militäranlagen und Ölinfrastruktur in der Region St. Petersburg durchgeführt. Die Attacken fielen mit dem Abschluss des russischen Wirtschaftsforums zusammen und trafen unter anderem den Marinestützpunkt Kronstadt sowie Öldepots, während Präsident Putin ein Treffen mit Wolodymyr Selenskyj offiziell ablehnte.

Das Timing ist kein Zufall. Während die russische Elite in St. Petersburg über wirtschaftliche Stabilität debattierte, brannte am Horizont der Metropole der Himmel. Die Ukraine hat die Intensität ihrer Operationen tief im russischen Hinterland gesteigert, um die psychologische und ökonomische Wirkung zu maximieren. Es geht nicht mehr nur um punktuelle Sabotage, sondern um eine systematische Zermürbung der russischen Logistik und Energieexporte.

Chaos am Flughafen Pulkowo und Evakuierungen in Leningrad

Die Angriffe am Samstag markierten einen dramatischen Höhepunkt der Woche. Laut Berichten von Spiegel kam es am Flughafen Pulkowo, dem zentralen Knotenpunkt für die internationalen Gäste des Wirtschaftsforums, zu kurzzeitigen Ausfällen bei Starts und Landungen. Die Drohnengefahr zwang die Behörden zu extremen Sicherheitsmaßnahmen.

Chaos am Flughafen Pulkowo und Evakuierungen in Leningrad
Photo: ORF

Gouverneur Alexander Beglow rief die Einwohner von St. Petersburg über Telegram dazu auf, in ihren Wohnungen zu bleiben und die Straßen zu meiden. Ein solcher Aufruf an die Zivilbevölkerung ist, wie die BBC über ORF berichtete, beispiellos seit dem Beginn der russischen Invasion.

Die Auswirkungen waren auch in der Oblast Leningrad spürbar. Der Gouverneur Alexander Drosdenko bestätigte, dass die Luftabwehr 141 Drohnen abgeschossen habe. Dennoch gab es Brände und schwere Störungen. Im Ort Bolschaja Ischora am Finnischen Meerbusen mussten etwa 600 Menschen ihre Häuser verlassen, nachdem ein Feuer in einem Militärobjekt ausgebrochen war. Ein Verletzter wurde ins Krankenhaus eingeliefert.

Die gezielte Zerstörung der russischen Ölinfrastruktur

Die Ukraine verfolgt eine klare Strategie: Den Geldhahn des Kremls zuzudrehen. Satellitenbilder belegen die Schwere der Schäden an Erdölterminals und Raffinerien. In St. Petersburg war bereits am Mittwoch, dem ersten Forumstag, eine schwarze Rauchwolke über der Altstadt sichtbar, nachdem eine Raffinerie getroffen worden war.

Die gezielte Zerstörung der russischen Ölinfrastruktur
Photo: Spiegel

Die Daten von Geoconfirmed zeichnen ein alarmierendes Bild für Moskau: Seit Anfang Mai wurden mindestens 17 Ölanlagen angegriffen, wobei einige Ziele mehrfach beschossen wurden, um Reparaturarbeiten zu erschweren. Die Trefferliste reicht von Rjasan über Perm und Lazarewo bis hin zu einem Öldepot in Ust-Labinsk, rund 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht mehr zu leugnen. Während der Kreml die Vorfälle lange herunterspielte, gab der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak beim Wirtschaftsforum erstmals öffentlich zu, dass die Ölfördermenge in diesem Jahr gesunken ist. Er rechtfertigte dies mit außerplanmäßigen Wartungsarbeiten an den Raffinerien.

Strategische Siege in Kronstadt und auf der Krim-Route

Neben der Energieinfrastruktur standen militärische Logistikknoten im Visier. Der ukrainische Geheimdienst SBU meldete erfolgreiche Angriffe auf den Ostseehafen von Kronstadt. Dort seien nicht nur Arsenale für Raketen und Munition getroffen, sondern auch Stützpunkte der Kriegsflotte. Bereits am Mittwoch wurde ein russisches Kriegsschiff in Kronstadt schwer beschädigt, wie Blick berichtet.

Ukraine greift mit Drohnen an, auch St. Petersburg betroffen

Parallel dazu meldete das 3. Sonderoperationsregiment der ukrainischen Streitkräfte einen bedeutenden taktischen Erfolg im Süden. Die Ukraine hat die Luftkontrolle über einem Teil der Versorgungsroute zur Krim zwischen Melitopol und Tschonhar übernommen. Dies erschwert den Nachschub an Treibstoff und Munition für die russischen Truppen auf der Halbinsel erheblich, die ohnehin unter Versorgungsengpässen leidet.

Die operative Reichweite der Ukraine hat sich sichtlich ausgeweitet. Neben den Angriffen in St. Petersburg und auf der Krim wurden auch Eisenbahnanlagen in den besetzten Gebieten Luhansk und Donezk sowie ein Wärmekraftwerk in Suhres attackiert. Es ist ein koordinierter Versuch, die russische Kriegsfähigkeit an mehreren Fronten gleichzeitig zu schwächen.

Putins Reaktion und die politische Sackgasse

Wladimir Putin reagierte auf die Angriffe mit einer Mischung aus Herabspielung und Hartnäckigkeit. Er räumte zwar ein, dass die Attacken einen gewissen Schaden für die Wirtschaft verursacht hätten, betonte jedoch, dass keine existentiellen Risiken für die russische Wirtschaft bestünden. Seine Lösung: Eine Stärkung der Flugabwehr.

Putins Reaktion und die politische Sackgasse

Diese Attacken führen natürlich zu nichts Gutem.

Diplomatisch bleibt die Situation eingefroren. Wolodymyr Selenskyj forderte Putin in einem offenen Brief erneut zum Ende des Krieges auf und schlug ein Treffen für Friedensverhandlungen vor. Putin blockte diese Initiative jedoch ab und erklärte, aktuell sehe er keinen Sinn in einem solchen Gespräch.

Währenddessen steigen die Verluste auf dem Schlachtfeld. Laut Angaben des ukrainischen Generalstabs, die die Frankfurter Rundschau zitierte, verlor Russland allein innerhalb von 24 Stunden 1.350 Soldaten. Die Gesamtzahl der russischen Militärverluste seit Februar 2022 wird auf rund 1,37 Millionen Angehörige geschätzt, wobei insbesondere schwere Artilleriesysteme massiv zerstört wurden.

Die Ukraine hat mit dieser Welle von Angriffen ein klares Signal gesendet: Die Tiefe des russischen Territoriums bietet keinen Schutz mehr. Die Kombination aus wirtschaftlichem Druck auf die Ölindustrie, der Störung von Prestige-Events und der Unterbindung von Nachschubwegen zur Krim zeigt, dass Kiew die Initiative zurückgewinnt, auch wenn die politischen Verhandlungen derzeit im Keim ersticken.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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