Ukrainische Streitkräfte haben eine neue Abwehrwaffengestaltung gegen hochmoderne russische Jet-Drohnen im eigenen Land entwickelt und bereits erfolgreich eingesetzt. Das neue System bekämpft Drohnen, die bisher für die Flugabwehr kaum zu bewältigen waren. Parallel dazu bringen Truppen im Gebiet Charkiw modifizierte Panzer an die Front.
Der technologische Wettlauf im Luftraum über der Ukraine hat eine neue Stufe erreicht. Um den jüngsten russischen Vorsprung bei Hochgeschwindigkeitsdrohnen zu brechen, setzen ukrainische Einheiten auf neu entwickelte Abfangwaffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj verkündete, dass eine entsprechende Technologie im eigenen Land entwickelt und erfolgreich getestet wurde.
Vom iranischen Vorbild zur Jet-Drohne: wie sich die Bedrohung über Odessa und Kiew wandelte
Russland stellt sie als Weiterentwicklungen iranischer Shahed-Drohnen her. Die russischen Geran-5 Drohnen ähneln durch ihren Jet-Antrieb einem Marschflugkörper und stellen weiterhin eine Bedrohung dar. Durch ihre hohe Geschwindigkeit konnten sie das ukrainische Verteidigungsnetz immer wieder durchdringen.
Die Weiterentwicklungen Geran-4 und Geran-5 sind nun mit einem Jet- oder Strahl-Triebwerk ausgestattet. Laut Radar sind sie fast 600 Kilometer pro Stunde schnell, was sie zu schnell für die ukrainische Flugabwehr und herkömmliche Abfangdrohnen macht.

Die Jet-Modelle ziehen ihre Kreise zu weit entfernt und sind zu schnell. Dmytro Pletenchuk, Sprecher der ukrainischen NAVY, erklärte im Interview mit dem NDR-Podcast Streitkräfte und Strategien: Wir haben bereits begonnen, die neuen Drohnen abzufangen.
Näher ins Detail ging er nicht.
Einsatz neuer Katapultsysteme und der Abwehrdrohne Sting S
Die Antwort aus ukrainischer Produktion zeigt sich inzwischen in Videomaterial. Videos zeigen erste Abschüsse russischer Geran-5 Drohnen durch ukrainische Kräfte mit dem neu entwickelten System, wobei auch Starts des neuen Verteidigungssystems mit Hilfe von Katapulten zu sehen sind. Der ukrainische Drohnenhersteller Wild Hornets nennt die neuen Abwehrflugkörper „Sting S, und auf dem X-Account der Firma sind mindestens zwei erfolgreiche Abschüsse der Jet-Drohnen zu sehen.
Parallel zu diesen Erfolgen im Luftraum verändert sich auch das Geschehen am Boden. Im Nordosten des Landes greifen ukrainische Verbände mit modifizierter schwerer Technik an, um russische Stellungen zu bedrängen.
Panzeroffensive im Gebiet Charkiw mit zusätzlicher Schutzausrüstung
Das ukrainische 475. Sturmregiment (Regiment „CODE 9.2) hat russische Stellungen im Dorf Wilchuwatka in der Region Charkiw mit sogenannten Schildkröten-Panzern angegriffen. Zwei Panzer rückten im direkten Feuergefecht gegen feindliche Infanterie vor, die Gebäude besetzt hielt, und gaben Direktfeuer, während russische Kräfte versuchten, sie mit Wellen von Angriffsdrohnen zu stoppen.
Bisher kannte man Panzer mit solchen improvisierten Schutzaufbauten aus Metall und Gittern nur von der russischen Armee, die diese bereits seit April 2024 nutzt, um sich vor Drohnenangriffen zu schützen. Nun setzt auch die Ukraine auf diese bewährte Taktik und bringt solche Fahrzeuge an die Front, unterstützt von eigenen Drohnen.

Trotz mehrfacher Attacken durch russische FPV-Drohnen beim Rückzug kehrten die Panzer nach ukrainischen Angaben unbeschädigt in ihre Ausgangsstellungen zurück. Wer die verfügbaren Bild- und Videodokumente genauer analysiert, versteht rasch, welche entscheidende Rolle Koordination und Feuerkraft spielen, und begreift, dass der Panzer kein autarkes Kriegsgerät darstellt, das unüberlegt in den Kampf geschickt wird, sondern als starkes Element in ein eng verzahntes Team aus verschiedenen Waffengattungen eingebunden ist.
Die Verlegung dieser Panzer an die Front ging acht Monate Vorbereitung voraus, in denen verschiedene Operationen sorgfältig aufeinander abgestimmt wurden. Zuerst nahm die Ukraine die russischen Nachschublinien ins Visier und griff Konvois bis zu 160 Kilometer hinter der Front an, um Drohnencrews und Geschützbedienungen auszubungern. Gleichzeitig zielten ukrainische Verbände auf Versorgungsrouten rund 16 Kilometer hinter der Kampflinie ab, um zu verhindern, dass frische Batterien und Drohnen die dortigen Bediener erreichen. Mit einer großen Gegenoffensive, bei der Panzer zum Kernstück wurden, konnte die Ukraine 746 Quadratkilometer Territorium zurückerobern. Laut dem Hauptstadtoberhaupt Vitali Klitschko schlugen unlängst zwei feindliche Drohnen in Kiew ein, wobei neben einer Brücke auch eine Bildungseinrichtung beschädigt wurde, während das ukrainische Rüstungsniveau insgesamt steigt und die Metropole vermehrt zum Ziel von Attacken wird – glücklicherweise konnten sich alle anwesenden Schüler rechtzeitig in Sicherheit bringen.
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