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Unternehmen

Übernahmekampf: Woher stammen die Commerzbank-Aktien für Unicredit?

Die Commerzbank hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eingeschaltet, um die Angaben der UniCredit über deren Anteilsbesitz zu prüfen. Die Frankfurter Bank wirft der italienischen Großbank vor, ihre Position durch irreführende Daten künstlich aufzublähen, nachdem UniCredit einen Anteilsbesitz von über 34 Prozent gemeldet hatte.

Der Streit um die 30-Prozent-Marke

Im Zentrum des Machtkampfes zwischen Frankfurt und Mailand steht eine regulatorische Schwelle. Laut einem Bericht von BILD ist die 30-Prozent-Marke die entscheidende Grenze: Wer diese Schwelle überschreitet, ist normalerweise gesetzlich verpflichtet, allen anderen Aktionären ein Pflichtangebot zu unterbreiten. Ein solches Angebot wäre für die UniCredit angesichts der gestiegenen Kurse der Commerzbank-Aktie massiv teurer geworden.

Die UniCredit versucht diesen teuren Weg zu umgehen, indem sie ein freiwilliges Übernahmeangebot nutzt. Die Mailänder Bank gab bekannt, dass sie durch dieses Angebot die wichtige Marke von 30 Prozent klar überschritten habe. Rechnerisch käme die UniCredit damit auf 34,35 Prozent der Anteile, da sie bereits 26,77 Prozent direkt hielt und weitere 7,58 Prozent im Rahmen der Offerte angedient wurden.

Diese Zahl ist für die UniCredit ein strategischer Etappensieg. Sie schafft den nötigen Spielraum für spätere Zukäufe, ohne sofort in die Falle eines Pflichtangebots zu tappen.

Warum die Zahlen der UniCredit laut Commerzbank nicht stimmen

Die Commerzbank lässt diese Darstellung nicht unkommentiert. Wie Finanzen.net berichtet, bezeichnet das Institut die Angaben der Italiener als potenziell irreführend. Die Bank warnt davor, dass die Kommunikation der UniCredit den Verdacht begründe, die eigene Position in der Wahrnehmung des Marktes künstlich aufzublähen.

Warum die Zahlen der UniCredit laut Commerzbank nicht stimmen
cluster (priority): SZ.de

Das Hauptargument der Commerzbank: Die angedienten Aktien stammen nicht von den eigentlichen Eigentümern der Bank. Nach aktuellen Informationen des Instituts konnte bislang keine einzige Angebotsannahme eines institutionellen Investors identifiziert werden. Auch bei den Privatanlegern ist der Zuspruch minimal; die Summe ihrer Annahmen entspricht einem Aktienanteil von lediglich rund 0,05 Prozent.

„ohne ergänzende Erläuterungen irreführend und begründen den Verdacht eines Handelns mit dem Ziel, ihre Position in der Wahrnehmung des Marktes künstlich aufzublähen.

Stattdessen vermutet die Commerzbank, dass das Volumen überwiegend von Banken und verbundenen Parteien stammt, die als Derivate-Gegenparteien der UniCredit fungieren. Es handelt sich also weniger um eine echte Übernahme von Aktien aus den Depots der Aktionäre, sondern um komplexe Finanzkonstrukte.

Das Paradoxon des Unterpreis-Angebots

Aus ökonomischer Sicht ist die Strategie der UniCredit kaum nachvollziehbar, wenn man sie als klassisches Angebot an Aktionäre betrachtet. Das Handelsblatt weist darauf hin, dass der direkte Verkauf von Commerzbank-Aktien am Markt derzeit deutlich attraktiver ist als die Umtauschofferte aus Mailand.

Das Paradoxon des Unterpreis-Angebots
cluster (priority): BILD
Kategorie Wert / Detail
Umtauschverhältnis 0,485 UniCredit-Aktien pro Commerzbank-Aktie
Aktueller Kurs (Commerzbank) 37,03 Euro
Differenz zum Angebotspreis ca. 2 Euro unter dem Marktkurs

Es ist höchst ungewöhnlich, dass Aktionäre ihre Anteile in der Mitte einer Angebotsperiode abgeben, wenn der Börsenkurs durchgehend über dem implizierten Wert der Gegenleistung liegt. Dieser Umstand stützt die These der Commerzbank, dass die gemeldeten 7,58 Prozent nicht aus einer breiten Akzeptanz des Angebots resultieren, sondern aus technischen Finanztransaktionen.

Der Unterschied zwischen Aktien und Derivaten

Ein weiterer Streitpunkt ist die Art und Weise, wie die UniCredit ihre Position kommuniziert. In einigen Medienberichten wurde bereits von einer Gesamtposition von über 50 Prozent gesprochen. Die Commerzbank stellt jedoch klar, dass direkt gehaltene Aktien, Derivate und angediente Aktien grundlegend verschiedene Kategorien sind.

Der Unterschied zwischen Aktien und Derivaten
cluster (priority): Finanzen.net
  • Kaufoptionen: Weitere 3,2 Prozent der Aktien.
  • Cash-Settled Instruments: Ein Volumen von 13,2 Prozent.

Die Frankfurter Bank betont, dass diese Cash-Settled Instruments nicht mit echten Aktien im Depot gleichzusetzen sind, da sie nicht automatisch ein Stimmrecht verleihen. Die UniCredit nutzt diese Instrumente, um wirtschaftliches Exposure aufzubauen, ohne sofort die volle regulatorische Last eines Großaktionärs tragen zu müssen.

Diese Taktik wird von SZ.de mit Metaphern aus der Tierwelt beschrieben, bei der sich ein Raubtier lautleise an seine Beute anschleicht, bevor es zuschlägt. Was als reines Investment begann, hat sich unter dem CEO der UniCredit zu einem Versuch entwickelt, die gesamte Bank zu übernehmen.

Die Rolle der BaFin und die politische Front

Mit der Einschaltung der BaFin hat die Commerzbank den Konflikt auf eine regulatorische Ebene gehoben. Die Bank stellt der Aufsichtsbehörde ihre eigenen Analysen und Erkenntnisse zur Verfügung, um eine offizielle Prüfung der UniCredit-Angaben zu erzwingen.

„Die Commerzbank spricht sich für eine umfassende Prüfung des Sachverhalts aus, um dem Markt ein vollständiges Bild zu geben.

Die Fronten sind verhärtet. Während die UniCredit auf ihre erreichten Meilensteine verweist, lehnen der Vorstand, der Betriebsrat und die Bundesregierung den Vorstoß aus Mailand ab. Der Bund, der selbst noch mehr als 12 Prozent an der Bank hält, sieht die Commerzbank als strategisches nationales Asset.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die BaFin die Kommunikation der UniCredit als marktmanipulativ oder irreführend einstuft. Sollte sich bestätigen, dass die 30-Prozent-Marke nur durch Derivate und nicht durch echte Aktienbesitze „erreicht“ wurde, könnte die UniCredit gezwungen sein, ihre Strategie grundlegend zu ändern – oder doch das teure Pflichtangebot zu unterbreiten, das sie so mühsam zu vermeiden suchte.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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