Ein zerbrechlicher Waffenstillstand auf dem Papier, doch in der Realität herrscht im Persischen Golf weiterhin ein eisiger Zustand. Während US-Präsident Donald Trump und der Iran in Islamabad auf einen diplomatischen Durchbruch hoffen, bleibt die Straße von Hormus – die Lebensader der weltweiten Ölversorgung – faktisch blockiert. Es ist ein gefährliches Spiel mit der Weltwirtschaft, bei dem die Fronten zwischen Washington, Teheran und Tel Aviv so unübersichtlich sind wie selten zuvor.
Die Krypto-Maut im Hormus-Nadelöhr
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wo normalerweise rund 140 Schiffe täglich die strategisch wichtige Meerenge passieren, glich der Verkehr in den ersten 24 Stunden der Feuerpause einer Geisterstadt. Nur ein Öltanker und fünf Frachter wagten die Durchfahrt. Teheran nutzt die Situation gnadenlos aus. Die iranische Hafenbehörde warnt vor Seeminen und markiert in offiziellen Grafiken weite Teile der Standardroute als Gefahrenzonen. Schiffe werden gezwungen, eine Route weiter nördlich zu nehmen, die sie gefährlich nah an das iranische Festland rückt.
Besonders dreist ist die Forderung Teherans nach einer Art „Wiederaufbaumaut“. Wer die Meerenge passieren will, soll laut dem Schifffahrtsunternehmen Windward einen Dollar pro transportiertem Barrel Öl zahlen – und zwar in Kryptowährung. Die USA und viele andere Nationen lehnen diesen Vorstoß entschieden ab. Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis brachte es auf den Punkt: Die internationale Gemeinschaft werde nicht akzeptieren, dass der Iran eine Mautstelle für den Welthandel einrichtet.
Netanjahus Kehrtwende unter Druck
Lange Zeit war Israel der größte Störfaktor für jeden Deal zwischen Washington und Teheran. Benjamin Netanjahu war offenbar nicht einmal rechtzeitig über die Details der Waffenruhe informiert und protestierte in einem Telefonat mit Trump massiv gegen die Verhandlungen. Die israelische Strategie war bisher brutal: Trotz des Waffenstillstands mit dem Iran setzte Israel massive Bombardements im Libanon fort. Über 250 Menschen starben bei den schwersten Angriffen seit Kriegsbeginn.
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Doch nun folgt eine überraschende Wendung. Netanjahu strebt plötzlich Friedensgespräche mit dem Libanon an. Offiziell begründet er diesen Schritt mit Bitten aus Beirut. In Wahrheit räumt er damit das zentrale Hindernis für die in Pakistan geplanten Gespräche zwischen den USA und dem Iran aus dem Weg. Der Iran hatte zuvor gedroht, die Verhandlungen platzen zu lassen, solange die Angriffe im Libanon andauern.
Risse im westlichen Bündnis
Während Trump versucht, den Konflikt diplomatisch zu beenden, bleibt seine militärische Präsenz im Nahen Osten bestehen. Die US-Armee wird nicht abgezogen. Diese Härte spiegelt sich auch in seinem Umgang mit den NATO-Partnern wider. NATO-Generalsekretär Mark Rutte berichtet von einem „harten Gespräch“ im Weißen Haus. Trump ist sichtlich enttäuscht darüber, dass viele Verbündete seiner Meinung nach nicht hinter ihm stehen.
Rutte rügte daraufhin mehrere Bündnisstaaten wegen ihrer zögerlichen Haltung und mangelnder logistischer Unterstützung für die USA. Besonders Spanien, Frankreich und das Vereinigte Königreich standen im Fadenkreuz von Trumps Kritik. Es zeigt sich eine tiefe Kluft innerhalb der NATO: Während die USA die Führung beanspruchen, zögern europäische Hauptstädte, sich vollumfänglich in ein riskantes Spiel im Nahen Osten einzubringen.
Die kühle Berechnung aus Berlin
In Deutschland beobachtet Bundeskanzler Friedrich Merz die Lage mit großer Vorsicht. Der CDU-Vorsitzende warnt davor, die bevorstehenden Gespräche in Islamabad als bereits gewonnen zu betrachten. Für Merz ist ein diplomatischer Erfolg keineswegs ausgemacht. Die Skepsis aus Berlin ist begründet: Solange Teheran die Straße von Hormus als Druckmittel nutzt und die Region in einem instabilen Gleichgewicht zwischen Waffenruhe und lokalen Angriffen schwebt, bleibt jede Hoffnung auf dauerhaften Frieden ein Wagnis.
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Was ist der aktuelle Status der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran?
Es existiert eine offizielle Waffenruhe-Vereinbarung, die unter anderem die Öffnung der Straße von Hormus vorsieht. In der Praxis wird diese jedoch durch die anhaltende Blockade Teherans und die (bis vor kurzem) fortgesetzten israelischen Angriffe im Libanon untergraben.
Warum verlangt der Iran Kryptowährungen für die Durchfahrt im Hormus?
Der Iran beansprucht das Recht, eine Maut von einem Dollar pro Barrel Öl zu erheben, um die Einnahmen für den eigenen Wiederaufbau zu nutzen. Die Nutzung von Kryptowährungen dient dabei vermutlich der Umgehung internationaler Finanzsanktionen.
Welche Folgen hat die aktuelle Situation für die NATO?
Die Situation führt zu Spannungen innerhalb des Bündnisses. US-Präsident Trump und NATO-Chef Mark Rutte kritisieren die mangelnde logistische Unterstützung durch europäische Partner wie Frankreich, Spanien und Großbritannien, was die Einheit der NATO in dieser Krise infrage stellt.
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