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Welt

Trump soll durch Iran im November Ölpreisdruck üben

Tehran eskaliert die Angriffe auf die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus gezielt, um den US-Wahlkampf zu beeinflussen. Iranische Offizielle bestätigen, dass die Strategie darauf abzielt, die Ölpreise durch anhaltenden Druck auf Tanker und Frachter hoch zu halten und die US-Zwischenwahlen im November zu tangieren.

Angriffswelle in der Straße von Hormus und sinkende Frachter

Die Lage in einer der weltweit wichtigsten maritimen Lebensadern hat sich massiv zugeschnitten. Allein in den ersten zehn Oktoberwochen registrierten internationale Überwachungsstellen eine beispiellose Welle von Angriffen auf Frachtschiffe und Tanker. Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO wurden seit Beginn der bewaffneten Auseinandersetzungen am 28. Februar mehr als 110 Wasserfahrzeuge getroffen und mindestens 24 Seeleute getötet. Allein in der Woche bis zum 14. Oktober zählte das britische Seeverkehrsamt UKMTO 12 Angriffe – die bislang höchste Wochenbilanz des Konflikts, wie die New York Post berichtete.

Betroffen sind längst nicht mehr nur Öltanker, sondern zunehmend auch Containerschiffe. So sank am 14. Oktober der unter der Flagge Singapurs fahrende Frachter GFS Pride vor der Küste Oomans, nachdem er von einem Projektil getroffen worden war. Die Singapore Maritime and Port Authority betonte in einer Stellungnahme, dass solche Angriffe unprovoziert, unentschbar und ein Bruch des Völkerrechts seien. Nur Tage zuvor sank nach monatelangen Schäden auch die unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahrende Cape Dao. Inzwischen treiben verstreute Container und Konsumgüter – darunter nach Medienberichten Kisten mit modernen Smartphones und Luxusgütern – im Seegebiet, was lokale Fischer zu wagemutigen Bergungsfahrten veranlasst.

Tehrans politisches Kalkül hinter den Ölsperren

Hinter der veränderten Taktik der Revolutionsgarden stecken laut Teheraner Insidern politische Motive. Zwei ranghohe iranische Offizielle erklärten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Führung in Teheran darauf abziele, die Bemühungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zur Senkung der globalen Ölpreise zu vereiteln. Angesichts der am 3. November anstehenden US-Zwischenwahlen will die iranische Führung maximalen wirtschaftlichen Druck erzeugen und Präsident Donald Trump treffen.

Die Auswirkungen auf den Energiemarkt ließen nicht auf sich warten. Wegen der anhaltenden Anschläge brach der Durchfluss durch die Meerenge drastisch ein. Während vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels durch die Straße floss, sank die transportierte Ölmenge in der Woche bis zum 13. Oktober auf durchschnittlich knapp 12 Millionen Barrels pro Tag.

Streit um Schifffahrtswege und Minensperren

Im Zentrum des Konflikts stehen auch juristische und praktische Fragen der Navigation. Während die US-Marine und CENTCOM betonen, dass eine professionell kommunizierte Seeblockade zur Eindämmung iranischer Aktivitäten durchgesetzt wird, verlangt Teheran die Nutzung eigener Kontrollzonen. Nach Angaben des Islamic Revolutionary Guard Corps verstoßen Schiffe, die sich nicht an die iranischen Vorgaben halten, gegen Sicherheitsregeln und begeben sich in eine unbefugte und gefährliche Zone.

Die iranische Seite beschuldigt das US-Militär zudem, den internationalen Seenot- und Sicherheitskanal VHF Channel 16 über längere Zeiträume besetzt zu halten, um iranische Besatzungen einzuschüchtern. Auf internationaler Ebene schlagen die Verbände Alarm.

Trump soll durch Iran im November Ölpreisdruck üben
Foto: Reuters

Arsenio Dominguez erklärte, dass bei diesen Angriffen weiterhin Seeleute ums Leben gekommen seien und seit Beginn des Konflikts etwa 6.000 Seeleute festsaßen, so der Generalsekretär der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation.

Wirtschaftliche Belastungen und das Ringen um Garantien

Trotz der akuten Bedrohung durch Seeminen und Raketen setzen einige Reedereien ihren Betrieb fort. Laut Analysen von Marktbeobachtern wie Kpler bleiben die Frachtraten und Gewinnspannen auf der sogenannten Hormuz shuttle-Route für bestimmte Betreiber hoch genug, um das Risiko einzugehen. Dennoch zeigt sich in der Golfregion breite Verunsicherung. Neben den direkten Schäden an Schiffen warnen Umweltexperten vor den ökologischen Folgen möglicher Ölunfälle und akustischer Belastungen für Meeressäuger durch die ständigen Explosionen.

Die politische Lösung bleibt derweil blockiert. Während Moskau und andere internationale Akteure über Sicherheitsarchitekturen und nukleare Übergabelösungen verhandeln, verknüpft Teheran die Freigabe der Meerenge unter anderem mit umfassenden Sanktionserleichterungen. Solange Washington an seiner Blockade festhält und Teheran auf Eskalation setzt, bleibt die Straße von Hormus ein hochriskantes Nadelöhr für die globale Wirtschaft.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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