Ministerpräsident Nikol Paschinjan und seine Partei Zivilvertrag haben die Parlamentswahl in Armenien im Juni 2026 gewonnen. Mit 61 von 105 Sitzen sichert sich Paschinjan eine absolute Mehrheit. Das Ergebnis besiegelt den Kurswechsel weg von Moskau in Richtung Europäische Union, trotz massiver Vorwürfe der Opposition und Drucks aus dem Kreml.
Die Sitzverteilung und das Scheitern der pro-russischen Kräfte

Starkes Armeniendes Unternehmers Karapetjan mit 23,3 Prozent der Stimmen. Auf dem dritten Platz folgte Ex-Präsident Kotscharjan mit seinem Bündnis
Armenien, das 9,9 Prozent erreichte. Eine dritte pro-russische Kraft, die Partei
Blühendes Armenien, zieht mit genau vier Prozent ebenfalls ins Parlament ein. Die Wahlbeteiligung stieg deutlich auf 59 Prozent, verglichen mit lediglich 49 Prozent bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2021. Dieser Zuwachs deutet auf eine hohe Mobilisierung in einer Gesellschaft hin, die sich in einer existenziellen geopolitischen Phase befindet.
| Partei/Block | Ergebnis/Sitze | Ausrichtung |
|---|---|---|
| Zivilvertrag (Paschinjan) | 61 Sitze | Pro-Westen / EU |
| Starkes Armenien (Karapetjan) | 23,3 % | Pro-Russland |
| Armenien (Kotscharjan) | 9,9 % | Pro-Russland |
| Blühendes Armenien | 4,0 % | Pro-Russland |
Festnahmen und Vorwürfe des „informellen Terrors“
Starkes Armenienfestgenommen. Wie Tagesschau berichtet, gestattete die Zentrale Wahlkommission die Einleitung von Strafverfahren gegen diese Politiker, wobei die konkreten Gründe für die Festnahmen zunächst nicht genannt wurden. Die Opposition reagierte empört und sprach von
informellem Terror. Das Innenministerium meldete zudem, dass im Zusammenhang mit der Wahl mindestens 78 mutmaßliche Straftaten festgestellt und 44 Personen festgenommen worden seien. Auch der Anführer von
Starkes Armenien, der Milliardär Samwel Karapetjan, befindet sich unter Hausarrest, da ihm ein Aufruf zum Sturz der Regierung vorgeworfen wird – Vorwürfe, die er als politisch motiviert zurückweist. Ein Beobachter der Konrad-Adenauer-Stiftung, Jakob Wöllenstein, schilderte der Frankfurter Rundschau seine Eindrücke aus Gjumri. Er bewertete die Wahlen im Großen und Ganzen als frei und fair. Wöllenstein betonte, dass technische Vorkehrungen Fälschungen fast unmöglich gemacht hätten. Dennoch räumte er Mängel ein: Es gebe Hinweise darauf, dass Amtsinhaber Druck auf Beamte ausgeübt hätten,
ihr Kreuz an der richtigen Stelle zu machen.
Putins Ultimatum gegen den europäischen Kurs
International wird die Wahl als Niederlage für Wladimir Putin gewertet. Der Kreml versuchte, Armenien durch wirtschaftliche Beschränkungen und Drohgebärden in seiner Abhängigkeit zu halten. Wie DIE ZEIT analysiert, folgt Putin hier einem Muster, das er bereits 2013 in der Ukraine anwandte: Die ForderungWir oder die EU! Beides geht nicht. Paschinjan setzt jedoch auf eine Gratwanderung. Er will die Beziehungen zur EU intensivieren, ohne einen offenen Konflikt mit Russland zu provozieren. Diese Strategie wird aus Brüssel und Paris ausdrücklich unterstützt.
Brüssel schätze die Partnerschaft mit dem Kaukasusland zutiefst. Armenien kann auf uns zählen.
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