Swisscom, Sunrise und Salt erhöhen ab Juni und August 2026 ihre Tarife für Mobilfunk- und Internetabos – Swisscom bereits seit April. Die Preisanpassungen betreffen Privat- und Geschäftskunden, wobei Ausnahmen wie Grundversorgungsangebote oder Prepaid-Tarife unberührt bleiben.
Swisscom: Preiserhöhungen ab April 2026
Swisscom hat zum 1. April 2026 die monatlichen Abonnementpreise für Privatkunden erhöht, insbesondere für Internet- und Mobile-Abonnements. Betroffen sind sowohl Neu- als auch Bestandskunden, ausgenommen sind jedoch Grundversorgungsangebote, Prepaid-Tarife sowie Data-Only- und Kids-Abos. Die Anpassungen sind laut Swisscom auf strukturelle Veränderungen im Telekommunikationsmarkt zurückzuführen, die zu sinkenden Umsätzen im Privatkundengeschäft geführt haben. Laut CEO Christoph Aeschlimann dient die Preiserhöhung der Finanzierung von Investitionen in Netzausbau und IT-Sicherheit.
In seinem Strategieplan 2024–2026, der im Rahmen der Generalversammlungen und in Geschäftsberichten kommuniziert wurde, betonte Aeschlimann die Notwendigkeit, die operative Effizienz zu steigern, um den sinkenden ARPU (Average Revenue Per User) im Privatkundensegment auszugleichen. Swisscom verweist in seinen Finanzberichten auf die massiven Kosten für den Ausbau der Glasfaserinfrastruktur (FTTH) und die Modernisierung des 5G-Netzes, die in den kommenden Jahren weiterhin Milliardeninvestitionen erfordern. Die Preisanpassung ist Teil einer Strategie, die das Wachstum des digitalen Geschäfts mit der Aufrechterhaltung der Netzinfrastruktur in Einklang bringen soll.
Kunden erhalten vorab eine Information per Rechnung und E-Mail, sofern eine hinterlegt ist. Wer mit der Erhöhung nicht einverstanden ist, kann den Vertrag vorzeitig auflösen.
Salt: Moderate Anpassungen ab Juni 2026
Salt hat ab dem 1. Juni 2026 die Preise für SIM-only-Mobil-Abos um CHF 1.- bis CHF 2.- pro Monat angepasst. Die Erhöhung betrifft ausschließlich SIM-only-Abos, während Gerätebundles und Prepaid-Angebote unberührt bleiben. Salt begründet die moderate Preisanpassung mit der Notwendigkeit, weiterhin in Netzqualität und Kundenservice zu investieren. Zudem wird ab Juni 2026 das Roaming-Angebot ausgebaut.
Die Orion Holding, die Salt kontrolliert, fokussiert sich laut aktuellen Finanzberichten auf die Optimierung der EBITDA-Marge, wobei die Investitionen in das 5G-Kernnetz und die Kapazitätserweiterungen in urbanen Zentren Priorität haben. Im Vergleich zu früheren Preisstrategien, bei denen Salt primär als Niedrigpreis-Herausforderer auftrat, zeigt die aktuelle Anpassung eine Verschiebung hin zur Sicherung der Rentabilität. Der Ausbau des Roaming-Angebots umfasst die Erweiterung der inkludierten Datenvolumina in spezifischen internationalen Zonen, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Premium-Angeboten von Swisscom und Sunrise zu wahren.
For more on this story, see Salt Mobile SA: Massive Ausfälle im Schweizer Mobilfunk- und Breitbandnetz.
Die Preiserhöhung bei Salt ist deutlich geringer als bei den anderen Anbietern und betrifft nur einen Teil der Tarife. Kunden werden über die Änderungen informiert, ohne dass es eine Option zur vorzeitigen Kündigung gibt.
Sunrise: Erhöhung ab August 2026
Sunrise wird ab dem 1. August 2026 die monatliche Grundgebühr für Mobile- und Internet-Abonnements um CHF 1.50 pro Monat erhöhen. Betroffen sind Privat- und Geschäftskunden. Bei Kunden mit mehreren Abos – etwa im Rahmen von Family Benefit oder Kombi-Paketen – erhöht sich nur ein Abo um CHF 1.50, während die effektive Preiserhöhung auf den zusätzlichen Abos bei CHF 0.75 pro Monat und Abo liegt.
Liberty Global, die Muttergesellschaft von Sunrise, wies in ihren Quartalsberichten 2023 und 2024 darauf hin, dass die Strategie der „Konvergenz“ – die Bündelung von Mobilfunk und Festnetz – die Kundenbindung stärkt und die Abwanderungsrate (Churn Rate) senkt. Diese Bündelung ermöglicht es Sunrise, Preisanpassungen durchzuführen, ohne massive Kundenverluste zu riskieren. Die Erhöhung betrifft auch die Marken Yallo und Lebara, wobei die Preise dort zwischen CHF 0.50 und CHF 2.- pro Monat steigen.
Sunrise führt diese Anpassung als dritte Preiserhöhung in drei Jahren durch. Die Strategie für die Flanker-Marken Yallo und Lebara zielt darauf ab, die Margen im Discount-Segment zu schützen, während das Kernprodukt von Sunrise auf den Premium-Markt ausgerichtet bleibt.
Schlupflöcher und Alternativen
Wer die Preiserhöhungen umgehen möchte, hat verschiedene Optionen. Grundversorgungsangebote bleiben bei allen drei Anbietern unberührt und bieten eine kostengünstige Alternative. Zudem können Kunden ihre Verträge vorzeitig kündigen, sofern dies vertraglich möglich ist. Bei Swisscom ist dies explizit vorgesehen, während Salt und Sunrise keine solche Option anbieten.

Der Konsumentenschutz kritisierte in Stellungnahmen zu ähnlichen Preisanpassungen in der Vergangenheit die mangelnde Transparenz und forderte, dass Kunden bei jeder Preisänderung ein ausserordentliches Kündigungsrecht erhalten sollten, wie es Swisscom in diesem Fall gewährt. Die Organisation weist darauf hin, dass die Bindung an Mindestvertragslaufzeiten in Kombination mit Preiserhöhungen die Wahlfreiheit der Konsumenten einschränkt.
Ein weiterer Ansatz ist der Wechsel zu günstigeren Anbietern oder Prepaid-Tarifen, die von den Erhöhungen nicht betroffen sind. Zudem können Kunden prüfen, ob sie durch Bündelung von Diensten oder Nutzung von Rabatten für mehrere Abos die Kosten senken können.
Ausblick: Kein Ende der Preiserhöhungen in Sicht
Die aktuellen Preiserhöhungen bei Swisscom, Salt und Sunrise zeigen, dass der Schweizer Telekommunikationsmarkt weiterhin unter Kostendruck steht. Experten gehen davon aus, dass weitere Anpassungen folgen könnten, insbesondere wenn die Investitionen in Netzausbau und Digitalisierung weiter steigen. Für Kunden bedeutet dies, dass sie ihre Verträge regelmäßig überprüfen und nach kostengünstigeren Alternativen suchen sollten.
Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) überwacht die Marktentwicklung, greift jedoch nur ein, wenn wettbewerbswidrige Absprachen vorliegen. Da die Preisanpassungen zeitlich versetzt und in unterschiedlicher Höhe erfolgen, wird dies regulatorisch als marktkonformes Verhalten gewertet. Die Branche reagiert damit auf die allgemeine Inflation und die steigenden Energiekosten für den Betrieb der Rechenzentren und Sendemasten.
Laut Marktbeobachtungen ist dies bereits die dritte Preiserhöhung in drei Jahren, was die Frage aufwirft, ob die Branche langfristig eine nachhaltige Preispolitik verfolgen kann. Die nächsten Monate werden zeigen, ob weitere Anbieter nachziehen oder ob sich der Markt stabilisiert.