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Technik und Wissenschaft

Supernova-Explosionen: Was steckt hinter dem großen Galaxiensterben?

Supernova-Explosionen treiben interstellare Gase aus Galaxien und stoppen so die Entstehung neuer Sterne, ein Prozess, den Astronomen als „Quenching“ bezeichnen. Aktuelle Daten des James-Webb-Weltraumteleskops belegen, dass dieser Mechanismus bereits in der Frühphase des Universums massiv wirkte und die Entwicklung früher Galaxien maßgeblich prägte, laut Berichten der NASA.

Wie Supernovae den Sternenstoff ausstoßen

Der Lebenszyklus massereicher Sterne endet in einer Supernova, einer Explosion, die enorme Energiemengen in das umgebende Medium freisetzt. Diese Energie wirkt als mechanischer Stoß auf die interstellaren Gaswolken aus Wasserstoff und Helium, die als Rohmaterial für neue Sterne dienen. Wenn die kumulative Energie vieler Supernovae in einer Galaxie einen kritischen Schwellenwert überschreitet, entstehen galaktische Winde.

Diese Winde beschleunigen das Gas auf Geschwindigkeiten, die die Gravitationsbindung der Galaxie übersteigen. Das Gas wird in den intergalaktischen Raum geschleudert. Ohne dieses Gas bricht die Sternentstehung zusammen. In der Astrophysik wird dieser Vorgang als negatives Feedback bezeichnet. Die Galaxie verliert ihre Fähigkeit, neue Generationen von Sternen zu produzieren, was letztlich zum „Sterben“ der Galaxie führt.

Besonders in Zwerggalaxien mit geringer Masse ist dieser Effekt dominant. Da die Anziehungskraft in kleinen Galaxien schwächer ist, können Supernovae das Gas wesentlich effizienter ausstoßen als in massereichen Spiralgalaxien wie der Milchstraße.

Die Rolle des James-Webb-Weltraumteleskops bei der Beobachtung

Das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) liefert derzeit neue Belege dafür, dass dieses Quenching bereits kurz nach dem Urknall einsetzte. Durch die Beobachtung im Infrarotspektrum können Astronomen Gasausflüsse in Galaxien sehen, die Milliarden von Lichtjahren entfernt sind.

Die Daten zeigen, dass frühe Galaxien weitaus turbulenter waren als bisher angenommen. Die hohe Rate an Sterngeburten in der Frühzeit des Universums führte zu einer entsprechend hohen Rate an Supernovae. Diese explosionsartigen Ereignisse schufen eine Art Selbstregulierung: Sobald eine Galaxie zu schnell Sterne bildete, lösten die resultierenden Supernovae den Ausstoß des restlichen Gases aus und bremsten das Wachstum abrupt ab.

Diese Beobachtungen korrigieren ältere Modelle, die davon ausgingen, dass Galaxien in ihrer Frühphase stetig wuchsen. Stattdessen beschreiben die NASA-Daten einen zyklischen Prozess aus Wachstum und gewaltsamer Unterbrechung.

Supernova-Feedback im Vergleich zu aktiven Galaxienkernen

In der Forschung wird zwischen zwei Hauptursachen für das Galaxiensterben unterschieden: dem Feedback durch Supernovae und dem Feedback durch aktive Galaxienkerne (AGN). Während Supernovae das Ergebnis sterbender Sterne sind, resultiert AGN-Feedback aus der Aktivität supermassiver Schwarzer Löcher im Zentrum einer Galaxie.

  • Supernova-Feedback: Wirkt primär in massearmen Galaxien oder in den äußeren Bereichen großer Galaxien. Es ist ein lokaler, aber häufiger Prozess.
  • AGN-Feedback: Erzeugt extrem energiereiche Jets, die ganze Galaxienhaufen durchdringen können. Es ist der dominierende Faktor bei der Stilllegung massereicher elliptischer Galaxien.

Ein Vergleich der Daten zeigt, dass Supernovae oft die Vorarbeit leisten, indem sie das Gas lockern und aufheizen, was es für die späteren Jets eines Schwarzen Lochs einfacher macht, das verbleibende Material endgültig aus der Galaxie zu entfernen.

wp:quote Die Energiebilanz einer Galaxie wird nicht allein durch die Menge an verfügbarem Gas bestimmt, sondern durch die Effizienz, mit der diese Energie durch Supernovae und Schwarze Löcher wieder in den Raum transportiert wird.

Die Transformation zu „roten und toten“ Galaxien

Wenn das Quenching vollständig abgeschlossen ist, verändert sich das Erscheinungsbild der Galaxie fundamental. Da keine neuen, heißen, blauen Sterne mehr entstehen, dominieren mit der Zeit die langlebigen, kühleren und rötlichen Sterne. In der Astronomie werden solche Objekte als „red and dead“ bezeichnet.

Die Transformation zu „roten und toten“ Galaxien

Diese Galaxien sind in der Regel elliptisch geformt und weisen kaum noch Staub oder Gas auf. Der Übergang von einer aktiven Spiralgalaxie zu einer passiven elliptischen Galaxie ist oft das Resultat einer Kombination aus Supernova-Feedback und Galaxienkollisionen. Letztere verdichten das Gas zunächst massiv, was eine explosionsartige Sternentstehung auslöst, die dann wiederum durch eine Welle von Supernovae in einem finalen Akt des Quenchings beendet wird.

Für die Milchstraße bedeutet dies eine langfristige Perspektive der Abkühlung. Solange sie genügend Gas aus dem intergalaktischen Medium anziehen kann, bleibt die Sternentstehung stabil. Sollte jedoch ein Ereignis die Rate der Supernovae massiv erhöhen oder ein zentrales Schwarzes Loch zu aktiv werden, könnte auch unsere Galaxie den Weg in den passiven Zustand einschlagen.

Was derzeit noch ungewiss ist, ist die genaue Menge an Gas, die durch Supernovae zurückgewonnen werden kann. Einige Modelle legen nahe, dass ein Teil des ausgestoßenen Gases nach Millionen von Jahren wieder in die Galaxie zurückfällt und eine zweite Welle der Sternentstehung auslöst. Die aktuellen JWST-Messungen prüfen derzeit, ob dieser „Galactic Fountain“-Effekt in der Frühzeit des Universums eine Rolle spielte oder ob das Gas endgültig verloren ging.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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