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Süßigkeitenkette meldet Insolvenz an: Erst 2018 gegründet

Es ist das klassische Bild eines modernen Aufstiegs und eines ebenso abrupten Falls. House of Sweets, die Kette, die den Trend zu internationalen Naschereien und Social-Media-Hype in Deutschland perfekt inszenierte, ist am Ende. Was vor wenigen Jahren noch wie eine unaufhaltsame Expansionswelle wirkte, endet nun in einem Insolvenzverfahren vor dem Amtsgericht Hannover. Während die Regale in einigen der prominentesten Filialen bereits leer stehen, hüllt sich die Geschäftsführung in ein Schweigen, das in krassem Gegensatz zur einstigen Lautstärke ihrer Marketingkampagnen steht.

Vom Braunschweiger Start zum bundesweiten Hype

Die Geschichte begann 2018 in Braunschweig. Drei junge Männer gründeten das Unternehmen mit einer einfachen, aber effektiven Idee: Sie wollten eine Weltreise durch Süßigkeiten ermöglichen. Wer Lust auf exotische Geschmacksrichtungen aus Übersee hatte oder Naschereien suchte, die man sonst nur aus US-Fernsehserien kannte, wurde hier fündig. Das Konzept traf den Zeitgeist genau. Es ging nicht mehr nur um den Kauf eines Produkts, sondern um das Entdecken von Neuem und das Teilen dieser Funde in den sozialen Netzwerken.

Den eigentlichen Turbo zündete die Corona-Pandemie im Jahr 2020. Während viele Einzelhändler kämpften, boomte House of Sweets. Das Unternehmen nutzte die digitale Reichweite geschickt aus. Kooperationen mit bekannten Gesichtern wie dem Rapper Sido und der Sängerin Senna Gammour katapultierten die Marke in die Aufmerksamkeit einer riesigen, jungen Zielgruppe. Die Kette wuchs rasant und expandierte weit über den norddeutschen Raum hinaus in viele deutsche Städte.

Das Flaggschiff-Paradoxon Die Filiale in Hannover nahe dem Hauptbahnhof war mit rund 350 Quadratmetern die größte der gesamten Kette in Deutschland und wurde erst im August 2024 eröffnet – heute ist sie bereits geschlossen.

Wenn die Likes nicht mehr reichen

Der Absturz kam nicht über Nacht, auch wenn es sich jetzt so anfühlt. Beobachter bemerkten bereits seit etwa einem Jahr, dass es in den sozialen Kanälen der Kette ungewöhnlich ruhig geworden war. Die digitale Präsenz, die das Unternehmen erst groß gemacht hatte, schien zu erlöschen. Nun ist die rechtliche Konsequenz eingetreten: Am 2. April 2026 eröffnete das Amtsgericht Hannover das Insolvenzverfahren über die House of Sweets Hannover GmbH. Als Insolvenzverwalter wurde der Wirtschaftsjurist Lars Rühmland bestellt.

Die Auswirkungen sind massiv. Zahlreiche Standorte mussten bereits die Türen schließen. Betroffen sind unter anderem die Gründungsstadt Braunschweig sowie Filialen in Dortmund und Kassel. Online werden diese Standorte mittlerweile als „dauerhaft geschlossen“ geführt. Es ist ein schmerzhafter Prozess, besonders wenn man bedenkt, dass das Unternehmen noch vor kurzem massiv in neue, riesige Flächen investierte.

Die Diskrepanz zwischen Website und Wirklichkeit

Besonders befremdlich ist der aktuelle Umgang mit der Kundschaft. Während das Insolvenzverfahren läuft, ist der Online-Shop der Kette derzeit nicht bestellbar. Wer die Website besucht, liest dort eine Begründung, die in keinem Verhältnis zur rechtlichen Lage steht: Das Unternehmen spricht von einem „Umzug in eine größere Lagerhalle“. Es ist eine Kommunikation, die den Zustand der Firma beschönigt, während die rechtlichen Fakten eine ganz andere Sprache sprechen.

Die Geschäftsführung weigert sich bis heute, eine offizielle Stellungnahme zur Insolvenz abzugeben. Warum das Modell, das so erfolgreich auf Social Media funktionierte, in der wirtschaftlichen Realität scheiterte, bleibt im Dunkeln. Ob zu schnelle Expansion, steigende Kosten oder ein nachlassendes Interesse an dem Trend-Konzept die Hauptgründe waren, ist derzeit nicht bekannt. Einziges Lichtblicke sind einzelne Filialen in Berlin und Leipzig, die nach aktuellem Stand noch geöffnet sind.

Was bedeutet die Insolvenz für Kunden?

Für Kunden bedeutet dies vor allem, dass viele physische Standorte wegfallen. Wer Bestellungen im Online-Shop aufgegeben hat oder Gutscheine besitzt, steht vor einer unsicheren Situation, da der Shop derzeit keine Bestellungen annimmt und die Geschäftsführung schweigt.

Welche Filialen sind konkret betroffen?

Geschlossen sind unter anderem die Standorte in Braunschweig, Dortmund, Kassel und die große Flagship-Store-Filiale in Hannover. In Berlin und Leipzig gibt es derzeit noch geöffnete Filialen.

Könnte die Kette durch den Insolvenzverwalter gerettet werden?

Ein Insolvenzverfahren kann theoretisch dazu dienen, ein Unternehmen zu sanieren. Da jedoch bereits die größten Filialen und der Online-Handel stillstehen, erscheint eine vollständige Rückkehr zur alten Größe unwahrscheinlich. Es hängt nun davon ab, welche Strategie Lars Rühmland als Insolvenzverwalter verfolgt.

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Johann Falk

Über den Autor

Johann Falk ist Chief Editor von Germanic Nachrichten und verantwortet die redaktionelle Linie, Themenauswahl und finale Qualitaetssicherung der Veroeffentlichung. Sein Schwerpunkt liegt auf klarer, verifizierter und schnell einordenbarer Berichterstattung fuer ein deutschsprachiges Publikum.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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